Seit über zwei Jahren Präsident beim FC Brambauer. © Patrick Schröer
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Vom Ersatztorwart zum Präsidenten: Das ist die Geschichte von Ahmet Elikalfa

Er gehört zum Inventar der Lüner Amateurfußballlandschaft. In vielen Vereinen hat er aktiv mitgewirkt, doch schien nie wirklich angekommen. Mit dem FC Brambauer hat er große Pläne.

Für das erste Vereinsfußballtraining seines Lebens zog er sich drei Hosen und zwei Pullover übereinander an. Die Hände steckten in Winterhandschuhen. Zum Training der B-Jugend des BV Brambauer kam er über seinen Cousin. Selbstbewusst stellte sich der Jugendliche beim Trainer vor: „Ich bin euer neuer Torwart.“ Diese Geschichte stammt von Ahmet Elikalfa.

Über zwanzig Jahre später steht Elikalfa immer noch im Tor. Zudem ist er seit zweieinhalb Jahren Präsident des FC Brambauer 2012. Über den Weg dorthin und seine Pläne in der Gegenwart hat Elikalfa mit der Redaktion gesprochen.

Die ersten Vereinserfahrungen sammelte der heute 38-Jährige nicht im Fußballverein.

Jetzt steht Ahmet Elikalfa im Tor, das war früher nicht immer so. © Timo Janisch © Timo Janisch

Als Junge macht er Judo beim 1. JJJC Lünen. Er stellt sich gut an, belegt in der B-Jugend einen dritten Platz bei den westdeutschen Meisterschaften.

Durch einen Nachbarn lernt Elikalfa den Mannschaftssport kennen – Handball beim VFL Brambauer. „Im Judo war ich Einzelkämpfer, immer mit meinem Namen im Vordergrund. Da kommst du in den Handballverein und denkst, du bist eine Nummer, du bist eine Lachnummer gewesen“, erzählt er im Rückblick. Der Trainer setzt ihn auf die Bank.

Eine Situation, die den jungen Elikalfa nicht zufriedenstellt. Er versucht sein Team lautstark von außerhalb des Feldes zu unterstützen, dem Trainer habe das gefallen und er habe ihm später Einzeltraining als Wertschätzung gegeben, erinnert sich Elikalfa.

Start als Jungtrainer

Den Drang nach mehr Verantwortung und Einfluss innerhalb der Mannschaft begegnet ihm auch auf dem Fußballplatz. „Ich habe mich immer in den Halbzeitansprachen eines Trainers eingemischt. Besserwisser mäßig, weil ich gesagt habe, wir müssen so und so spielen.“ Als Konsequenz beschließt Elikalfa ein Traineramt zu übernehmen. Um seinen 18. Geburtstag startet er als Trainer der C-Jugend des FC Brambauer 45.

Zum Start fehlen dem frischgebackenen Trainer die Erfolge. Er berichtet von hohen Niederlagen mit 15 oder 20 Gegentoren. „Am Ende der Saison haben wir die Spiele 2:3, 2:4, 3:5 verloren, wir haben auch Tore geschossen. Ein Jahr später bin ich Meister geworden mit der gleichen Mannschaft mit ein bisschen Verstärkung“, resümiert Elikalfa seine Anfangszeit im Trainergeschäft.

Nach unterschiedlichen Stationen im Jugendbereich wechselt er zu den Senioren. Zur Saison 2009/2010 trainiert er die zweite Mannschaft des Lüner SV. „Ich habe eine junge Truppe aufgebaut, im ersten Jahr sind wir vierter, im zweiten Jahr haben wir einen Durchmarsch in die B-Liga gemacht“, sagt Elikalfa. Auch in die folgende Spielzeit sei das Team erfolgreich mit dem Gewinn der Herbstmeisterschaft gestartet, doch hätten Probleme mit dem Vorstand schlussendlich zur Trennung geführt.

Mehr Verantwortung

Elikalfa kommt wie schon als Spieler zu dem Schluss, er wolle sein Aufgabengebiet verändern. Beim Dortmunder Verein Ay Yildiz Derne findet er eine neue Aufgabe und geht in Funktion des sportlichen Leiters ins Spieljahr 2012/13. Er erinnert sich noch an die Schlagzeilen von damals „Wir wollen in die Westfalenliga von der Kreisliga A.“ Elikalfa ist ambitioniert, doch tritt er im Laufe der Saison von seinem Amt zurück. Versprechungen an Spieler seien nicht eingehalten worden.

Durch seine vielen Kontakte bleibt Ahmet Elikalfa nicht nur kurze Zeit vereinslos. Erich Tremblau, Vorsitzender des BV Lünen 05, lotst ihn zu den Geistern. Zunächst nur als Torwart und Co-Trainer der zweiten Mannschaft, doch bald auch als Sportlicher Leiter der Seniorenteams. Abschluss findet das Kapitel im Jahr 2015 mit dem Sprung in die Kreisliga A.

Nach dem Aufstieg zieht sich Elikalfa zurück. Er absolviert eine Pilgerreise und gewinnt etwas Abstand vom Fußball. Im Gespräch schaut er zurück: „Ich habe so viel Zeit in den Fußball investiert, Zeit, die ich eigentlich gar nicht habe, die habe ich natürlich auch von meiner Familie geklaut.“ Doch seine Biografie zeigt, eine lange Zeit ohne Fußball wird es wohl nicht geben.

Die Ruhe im Hause Elikalfa hält nur ein gutes Jahr an, dann spricht ihn ein Freund an: „Wir wollen wieder Pöhlen, kannst du uns da behilflich sein?“ Elikalfa schickt sie zum im Jahr 2012 neu gegründeten FC Brambauer und greift dem Team bei den ersten Schritten unter die Arme.

Zum Saisonstart 2016/2017 meldet sich die Mannschaft bei Elikalfa erneut. „Die haben gesagt, wir haben keinen Torwart. Ich habe gesagt, ich spiele nicht mehr“, schildert der Lüner die Situation vor vier Jahren. Er sei um zwei Wochen als Torwart gebeten worden, aus zwei Wochen sind bis heute viereinhalb Jahre geworden.

Elikalfa war zurück im Fußball – als Spieler. In der Zeit hört er in vielen Gesprächen, er könne doch mehr machen, er solle einen Fußballverein leiten. Die eigenen Ideen und Erfahrungen einbringen. Ahmet Elikalfa freundet sich mit der Idee an und wird 2018 zum Präsidenten des FC Brambauer 2012. In der Leiter vom Spieler, über den Trainerposten und die Tätigkeit als Sportlicher Leiter ist er jetzt weiter nach oben geklettert – verantwortlich für einen gesamten Verein und deren Mitglieder.

Bei seinen Entscheidungen und Projekte stützt er sich auf die Erfahrungen, die er in seiner Sportlaufbahn gesammelt hat. „Wenn du mich heute fragst, ob ich alles richtig gemacht habe, natürlich nicht, ich habe viele Fehler gemacht, aber aus Fehlern lernt man“, sagt er. „Ich hatte auch immer Hilfe dabei, ich bin jedem anderen dankbar, der mir zur Seite stand, auch in schwierigen Zeiten“, verdeutlicht er und meint damit vor allem seine Familie und das Vorstandsteam. „Ich bin immer ein Team Mensch gewesen.“

Die Arbeit beim FC Brambauer sei nicht einfach, sagt er. Er vergleicht sie mit der Meteorologie. „Da war Schauer, da war Hagel. Die dunklen Wolken werden wegziehen, das habe ich gelernt.“ Schlechtes Wetter herrschte vermehrt in der Seniorenabteilung des Klubs. Mögliche Verbandsausschlüsse, negative Schlagzeilen und Probleme mit Spielern sorgten für ein Tief.

Das Thema Disziplin habe Elikalfa fest in den Verein verankert. Nach eigenen Angaben hat er 187 aktive Seniorenspieler in seiner Amtszeit vor die Tür gesetzt. „Spieler mit“, so sagt er, „Bezirks- und Landesliganiveau.“ Die Disziplin sei ihm wichtiger als der sportliche Erfolg. Wahrscheinlicher ist es, das es deutlich weniger Spieler waren.

Jugend im Fokus

Stolz ist der Präsident auf die Entwicklung im Nachwuchs. Gegen die verbreitete Meinung mit einem Ascheplatz ließe sich in der heutigen Zeit keine solide Jugendarbeit betreiben, hat er in seiner Amtszeit Minikicker, F-, E- und D-Jugendmannschaften etabliert. In diesem Jahr starten die Mannschaften als Spielgemeinschaft mit Phönix Eving. Vor drei Jahren, zur Saison 2017/2018 trat der Verein ohne Jugendteams an.

„Ich habe nicht Folgendes gemacht, das ich gesagt habe, Elternteile sind jetzt Trainer bei uns. Ich habe Pädagogen als Trainer, die auch Lehrer in Schulen sind, die mit Kindern umgehen können, die auch vom Fach sind im Fußball. Darauf habe ich Wert gelegt“, erklärt Elikalfa sein Jugendkonzept. Er ergänzt, jeden Monat gäbe es ein Treffen aller Übungsleiter, um über vorhandene Probleme oder aktuelle Themen zu sprechen.

Im nächsten großen Projekt des 38-Jährigen möchte er einen Kunstrasenplatz zum Karrenbusch bringen. Erste Schritte dafür habe er schon eingeleitet. „Ich mache es und ich will es, wir haben es uns verdient“, untermauert er die Pläne.

Aktuell steht in Brambauer wie in vielen Vereinen das Vereinsleben still. Die Coronapandemie erfordert eine Kontaktbegrenzung auf ein Minimum.

Das spüren auch die Vereine. Elikalfa denkt darüber nach, welche Auswirkungen die Pandemie mittelfristig haben könnte. Für die aktuelle Zeit steht für ihn nur eine Sache im Mittelpunkt: „Es gibt nur die Gesundheit, ob man Meister wird, ob man absteigt, das sind natürlich Emotionen, das sind Glücksgefühle oder niederschmetternde Momente, aber ich wünsche mir nur Gesundheit. Für alle, ob jung oder alt.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren und aufgewachsen in Dortmund. Student der Journalistik. Seit der Kindheit vom Sport in all seinen verschiedenen Arten begeistert.
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David Adams

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