Kamil Jablonski aus Lünen ist Triathlet aus Leidenschaft. © TVW
Triathlon

Von der Kreisliga nach Hawaii – Die unglaubliche Geschichte von Kamil Jablonski

Wie kommt jemand von den Fußballplätzen der Kreisliga eigentlich zum Ironman nach Hawaii? Das ist die spannende Geschichte von Kamil Jablonski. Das erste Türchen des Lüner Sport-Adventskalenders.

Als Kamil Jablonski am 21. Mai 2017 den Sportplatz der SG Gahmen verlassen hat, da hat er wohl noch nicht gedacht, dass er keine zweieinhalb Jahre später tausende Kilometer entfernt eine Leistung erbringen würde, die ihn mal zu Wernes Sportler des Jahres macht.

Damals trug er das vorerst letzte Mal das Trikot des BV Lünen 05. Er hatte seinen Freunden in der 3. Mannschaft des Klubs in der Spielzeit 2016/17 noch insgesamt sechs Mal ausgeholfen. Aber sein Weg ging damals schon in eine andere Richtung. Den ersten Triathlon seines Lebens hatte Kamil Jablonski da schon hinter sich gebracht.

Wie aber kommt jemand, der als Fußballer beim BV Lünen in der Kreisliga zuhause war, dazu, sich zu einem der besten Ausdauersportler in der Region zu mausern? Angefangen hat das Ganze mit Beschwerden an der Hüfte.

Gesundheitliche Probleme als Türöffner

„Ich war schon immer jemand, der über die Ausdauer kommt. Auch beim Fußball war ich kein Sprinter, sondern eher ein Dauerläufer“, erzählt Jablonski. Doch mit dem Laufen kamen auch die Probleme.

Ein Sportmediziner stellte eine Fehlstellung der Hüfte und dadurch bedingte Verschleißerscheinungen fest. Mit der Diagnose bekam Jablonski auch den Hinweis, sich vielleicht öfter mal auf ein Fahrrad zu setzen. Gesagt, getan.

Im Fitnessstudio setzte er sich fortan des Öfteren auf ein Spinningrad. Mit ergänzenden Kräftigungsübungen sollten mit der Zeit auch die Beschwerden verschwinden. Der Weg für Neues war also frei.

Zum Triathlon kam er dann über einen Arbeitskollegen bei der Polizei. „Der war in Werne bei einem Verein aktiv und hat mich immer gekitzelt, ob ich das nicht mal versuchen will“, erinnert sich Jablonski.

Kamil Jablonski startete beim Ironman auf Hawaii. © TV Werne © TV Werne

Und erzählt weiter: „2016 ergab sich dann kurzfristig die Möglichkeit, an einem Triathlon in Münster teilzunehmen.“

Mit einer minimalen Ausrüstung ging es also zum Wettkampf. Das Schwimmen im freien Wasser sei eine Extremerfahrung gewesen, berichtet Jablonski. Alles andere sei für sein Erstlingswerk aber schon sehr passabel gewesen.

Drei Aufstiege in drei Jahren

Und damit war er angefixt. Schon wenige Tage später meldete er sich für einen nächsten Wettkampf in Köln an. Und so ging es auch zum TV Werne 03 Wasserfreunde. 2017 startete er erstmals für den Klub.

Mit dem Triathlon-Team feierte er in den vergangenen Jahren einen Erfolg nach dem anderen. Innerhalb von drei Jahren durften die Wasserfreunde durch ihre erbrachten Leistungen drei Mal in Serie aufsteigen, finden sich – sobald Corona es möglich macht – nun in der dritten Liga wieder.

Mit jedem Wettkampf stieg die Lust am Triathlon. Und auch die Ausrüstung Jablonskis wurde mit der Zeit dann besser und besser. Oder wie er sagt: „Da versucht man dann schon an jedem Schräublein zu drehen.“

Wie aber bereitet man sich auf einen Triathlon vor? „Zuerst habe ich das für mich alleine gemacht. Man holt sich Tipps von den Teamkollegen, schustert sich ein bisschen was aus Internet-Plänen zusammen und dann geht’s los.“

Lange Radausfahrten, Intervalltraining und ab ins Schwimmbad. Alles jedoch erst einmal nach der eigenen Nase. Nachdem er sich so langsam etabliert hatte, bekam Jablonski von einem Teamkollegen den Tipp, sich einen Trainer zu nehmen.

Und jetzt wird es spannend. Denn Sebastian Nieberg gab Jablonski das erste Mal den Hinweis, welche Möglichkeiten sich eröffnen könnten.

„Er sagte, bei mir alle Zutaten zu sehen, sich wirklich mal für Hawaii zu qualifizieren. Denn ich bin Single, habe keine Familie hinten dran und daher von der ganzen Struktur wirklich die Voraussetzungen, das zu schaffen. Denn sonst würde man sich diese ganze Zeit, die in den Sport fließt, gar nicht nehmen können“, so Jablonski.

Jetzt ging das Training so richtig los. Der Aufwand in der Hochphase der Vorbereitung kratze durchaus an den 30 Stunden in der Woche, berichtet Jablonski. Dabei ist er mittlerweile so gut aufgestellt, dass er zumindest einen Großteil des Fahrradtrainings zuhause absolvieren kann.

Training im eigenen Wohnzimmer

„Ich habe einen Rollentrainer im Wohnzimmer stehen. Das ist natürlich viel einfacher, als nach draußen zu müssen. Ich kann so einfach auf den Rollentrainer und losfahren. Das ist effektiver. Da spart man durchaus schon einmal zwei Stunden“, erläutert Jablonski.

Sprung in den Juni 2019: Kamil Jablonski startet beim Ironman in Frankfurt und belegt in der Alterklasse der 30 bis 34-Jährigen den achten Platz und sichert sich so ein Ticket für die Weltmeisterschaft. Er sichert sich die Fahrkarte zum Ironman auf Hawaii. Zum größten Wettkampf des Sports.

Drei Jahre Training, viele harte Wettkämpfe sind damit belohnt worden. Doch wo andere sich freuen und sich in Erwartung eines Lebenshighlights vor Begeisterung kaum halten können, beginnt für ihn jetzt ein Wettlauf mit der Zeit.

„Ich war nach Frankfurt verletzt, hatte Schmerzen im Fuß, die sich als Ermüdungsbruch der Ferse herausstellten“, blickt Jablonski auf diese Phase zurück. Damals seien wegen des ungewissen Ausgangs durchaus auch Tränen geflossen.

Persönliche Bestzeit

Doch er wollte den Traum nicht begraben. Das Training auf dem Rad und im Schwimmbecken waren nicht eingeschränkt und so ging es auf die lange Reise nach Hawaii. Nach einigen Wochen der Laufpause stellte sich auf der „Big Island“ dann heraus, dass die Ferse sich erholt hat.

Und dann kommt der Ironman. Mit 9:36,03 Stunden stellte er beim größten Wettkampf seines Lebens eine persönliche Bestzeit auf. Und „verschenkte“ dabei sogar noch einige Sekunden.

„Im Zielbereich habe ich meine Eltern gesehen. Das war so 200 Meter vor dem Ziel. Da war mir die Zeit echt egal. Da habe ich sie erst einmal umarmt und dann ging das Feuerwerk im Kopf los. Das war wirklich emotional“, wirft Jablonski einen Blick zurück.

Die Leistung führte dazu, dass Kamil Jablonski Anfang 2020 in Werne zum Sportler des Jahres gekürt wurde. Hochverdient, da wird niemand widersprechen.

Bei der alljährlichen Sportlergala in Werne werden jedes Jahr wieder Sportler und Mannschaft des vergangenen Jahres gewählt. Kamil Jablonski ist der Werner Sportler des Jahres 2019 gewesen. Bei der Mannschaftswahl triumphierten – wie bereits vor zwei Jahren – die Triathleten der TV Werne Wasserfreunde. © Jura Weitzel © Jura Weitzel

Und was bringt die Zukunft? Einmal auf Hawaii gewesen ist es für die Zukunft sein Ziel, dieses Erlebnis zu wiederholen. „Ich möchte das ganze einmal perfekt vorbereitet erleben. Also unter leicht anderen Umständen, um es noch mehr genießen und noch mehr verinnerlichen zu können.“

Wer sich vor Augen führt, was dieser Kamil Jablonski seit dem 21. Mai 2017 und seinem letzten Kreisliga-Fußballspiel im zweiten Sport seines Leben so erreicht hat, der hat keinen Zweifel: Für Kamil Jablonski führen alle Wege nach Hawaii.

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