Heute ist er einer der erfolgreichsten Fußballvereine Deutschlands: Der SC Lünen-Nord spielte gegen den heutigen Bundesligisten, bevor er so hieß wie heute. © dpa (Symbolbild)
Fußball

Von Duellen gegen einen Bundesligisten und den „Lackschuhverein“: Die Geschichte des SC Lünen-Nord

Der SC Lünen-Nord ist ein Vorgänger-Klub des Lüner SV. Gegen welchen heutigen Bundesliga-Verein, der damals noch anders hieß, der SCL spielte und welcher Lüner Rivale mit Lackschuhen assoziiert wurde.

Vor hundert Jahren, im Sommer 1919, wurden in ganz Deutschland neue Fußballvereine gegründet. Darunter auch der SC Lünen-Nord, ein Vorgänger-Klub des heutigen Lüner SV.

Arbeiter der Glashütte und Zeche Viktoria gründeten im Sommer 1919 den Verein, der in der Presse zumeist als „Spielklub“ oder „SC Lünen-Nord“ geführt wurde. Am 2. November 1919 gehörte der Spielklub zu den sechs Gründungsvereinen des „Ortsverband für Leibesübungen“.

Der Spielklub führte die Farben Gelb-Schwarz, das Vereinslokal „Trillmann“ und den Sportplatz „Kappenberger Heide“, damals weit außerhalb der Stadt. Der SCL wurde zuweilen auch „Gelbe Fahnenträger“ genannt.

Der Spielklub begann mit drei Männer-Teams und einer Jugend. Ein Jahr lang gab es „Demonstrationsspiele“ im Raum Dortmund. Im Herbst 1920 begann der SCL den Liga-Fußball im „Gau Westfalen, Westkreis, Spielbezirk Recklinghausen“ – die Auswärtsfahrten starteten vom Bahnhof Lünen-Süd.

Der SCL debütierte in der C-Klasse mit 4:3 gegen BV Recklinghausen 19 und wurde Meister gegen BV Marl 19, SV Disteln 1912, Nordvesta Sinsen, SF Erkenschwick, SuS Drewer/Hüls, Rasensport Haltern und TV Recklinghausen-Süd.

Zur Saison 1921/22 wechselte der SCL in den „Ostkreis“, Bezirk Hamm, und rauschte mit 24:0 Punkten und 56:7 Toren durch die B-Klasse. Heessen wurde 10:0, SV Werne 8:0, Welver und Westfalen Hamm jeweils mit 9:1 besiegt.

Wer war der VfTuR Eicken?

In der A-Klasse spielte der SCL von 1922 bis 1927 zwischen Recklinghausen und Soest – gegen Preußen Werl, BV Hamm, SV Kamen 13, VfB Waltrop, BV Marl oder Preußen Horstmar. Am 9. November 1924 wurde die erste Aufstellung gedruckt: Scheffer; Homann, Holtmann; Hohlinde, Heller, Hageneier; Bante, Hester, Tiemann, Ridzeck, Haas.

Zu jener Zeit umfasste eine Liga nur zehn Vereine, sie begann im Herbst und endete im März. Es folgten die Westdeutsche und die Deutsche Meisterschaft. Gleichauf neben der Liga rangierten die „Gesellschaftsspiele“ im Frühling nach Saisonende.

Es mehrte den Ruf und die Finanzen jedes Klubs, namhafte Gäste zu verpflichten. Hohe Einnahmen dienten meist dem Ausbau der oft provisorischen Sportplätze. Beim SCL gastierten Alemannia Dortmund, SC 07 Gelsenkirchen, Germania Datteln oder, im Herbst 1922, die „A-Liga-Mannschaft des VfTuR Eicken“ – heute Borussia Mönchengladbach.

Saisonhöhepunkt war, zweimal im Jahr, das Duell mit dem klassenhöheren BV Lünen 05. Den „Lackschuhklub“ zu schlagen, war für den „Arbeiterverein“ eine Prestigefrage.

Zu Pfingsten 1926 bezog der Spielklub den neuen Platz am Westufer des Cappenberger Sees. Zur Eröffnung gastierten Oberaden (4:1) und Röhlinghausen (1:6). Nun blühte der SCL auf: 1928/29 stellte Lünen-Nord drei Jugendteams und erstmals eine „Alte-Herren“. Gleich deren zweites Spiel, gegen Schalke 04, musste verlegt werden – wegen Unglücks auf Schalkes Zeche Consolidation.

Im August 1929 eröffneten die SCL-Veteranen gegen den VfB Waltrop das „Zehnjährige Stiftungsfest“. Im Anschluss stieg ein „Festkonzert und Ball im Festzelt“ mit Fackelzug und Feuerwerk.

Neue Abteilungen im SC Lünen-Nord wurden gegründet

Im SCL wurde nicht nur Fußball gespielt: Im August 1926 gründete sich eine Ringer-Abteilung und trug ihre Kämpfe im Schützenhof aus. Um 1930 ging sie wieder ein. Bis Kriegsausbruch hielt sich dagegen die Feldhandball-Abteilung von 1931 mit samt einer Frauen-Equipe.

Seit der Liga-Reform 1927 kickte Lünen-Nord bis 1933 in der „1. Gauklasse Recklinghausen“ auch im Münsterland bei VfL Dülmen oder BV Selm. 1933 nahm der SCL die Fuß- und Handballer des von der NSDAP verbotenen Arbeiterportvereins „RSV 31 Lünen“ auf.

Im selben Jahr wurden alle Fußballer dem DFB unterstellt, die Ligen strikt neu sortiert: Ganz oben die „Gauliga Westfalen“. Darunter sechs Bezirksligen, eine für jede Region Westfalens. Darunter kamen die 1., 2. und 3. Kreisklasse. Der Spielklub wurde der 2. Kreisklasse Dortmund zugeteilt und traf auf eine Vielzahl ständig wechselnder Gegner.

1934/35 kickten BV 05 und SCL 19 erstmals in einer Liga. Der 6:2-Triumph über den Absteiger BV 05, noch dazu auf dessen Schützenhof, war ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte. 1938 gelang der Aufstieg zur 1. Kreisklasse. In der Endrunde reichte ein 1:1 in Dorstfeld und ein 2:1 über Schwerin. Auch die Handballer stiegen 1938 zur Bezirksklasse auf.

Während des Polen-Feldzuges 1939 nahm der SCL am „Ostland-Pokal“ teil, weitere Spuren verlieren sich in den Kriegswirren. Im Herbst 1945 ging Lünen-Nord auf alliierte Weisung im Lüner SV auf. Der Sportplatz am Cappenberger See verwilderte; 1956 baute der TV Altlünen hier seine Tennisplätze.

Der Autor dankt dem Stadtarchiv Lünen für die Einblicke in die Lüner Zeitung vor 1945.

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