Auch in der Halle feierte der inzwischen verschwundene Verein große Erfolge. © Frank Bock
Fußball in Lünen

Vor zehn Jahren verschwand am Karrenbusch ein Fußballverein in der Versenkung

Zehn Jahre ist es her, da verschwand ein Fußballverein in Brambauer von der Bildfläche. Der Klub war erfolgreich: Er gewann mehrfach die Hallenstadtmeisterschaft und stieg fast in die Landesliga auf.

Zwei Fußballvereine lassen sich aktuell in Brambauer finden: Der seit Jahrzehnten den Ort mitprägenden BV Brambauer und den seit 2012 bestehenden und zuletzt immer wieder für Irritationen sorgenden FC Brambauer. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass ein erfolgreicher Klub aus Brambauer völlig verschwand.

Am 20. August 2010 verkündete der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) in seinen Offiziellen Mitteilungen das endgültige Aus. Bereits vier Tage zuvor hatte er den ATC Brambauer von seiner Vereinsliste gestrichen, nun war auch die Widerspruchsfrist verstrichen. „Der ATC hat jetzt keine Rechtsmöglichkeit mehr“, schreibt diese Zeitung.

ATC Brambauer verschwindet aus der Vereinslandschaft

Es ist die Nachricht vom Ende des ATC Brambauer. Der türkisch geprägte Verein erlebte im multikulturellen Stadtteil Ende der 2000er Jahre einen großen Aufschwung, feierte unter einem bekannten Lüner Trainer große Erfolge. Doch zuletzt prägten Abstiege, Chaos und Schulden das öffentliche Bild des ATC.

1991 als Brambauer Türk Gücü gegründet, verliefen die ersten Jahre des jungen Klubs recht ruhig. 2000 feierte der Verein bei den Lüner Hallenstadtmeisterschaften mit dem Titel den ersten großen Erfolg. Auch auf Kreisebene setzte sich Türk Gücü in diesem Jahr in der Halle durch.

2002 glückte der erstmalige Aufstieg in die Bezirksliga. Im Jahr darauf stieg ein Vertriebs- und Immobilienunternehmen bei den Brambaueranern als Hauptsponsor ein, entsprechend erfolgte die Umbenennung in ATC.

Der Aufstieg nahm im zweiten Jahrzehnts des Bestehens weiter Fahrt auf. Der ATC peilte die Landesliga an – und verfehlte sie auf eine Art und Weise, die kaum bitterer hätte sein können. Nur ein einziges Tor fehlte im Sommer 2005, nachdem die Brambaueraner ihr Spiel zwar 5:0 gewannen, Konkurrent Union Lüdinghausen aber durch ein eigenes 9:1 nur aufgrund der mehr erzielten Tore aufstieg.

Der Korb im Landesliga-Flirt verursachte noch lange Schmerz. 2006 stieg der ATC in die Kreisliga A ab. Unter dem renommierten Coach Holger Gehrmann gelang 2008 die Rückkehr in den überkreislichen Spielbetrieb und zusätzlich der Titelgewinn bei den Hallenstadtmeisterschaften. Es waren die letzten Erfolgsmomente des ATC Brambauer.

Holger Gehrmann (r.) erlebte beim ATC eine erfolgreiche Zeit.

Schon 2008 hatte der Klub Schulden beim Fußballkreis Dortmund. Auch sportlich ging nun die Talfahrt los. Die Zusammenarbeit mit Erfolgscoach Gehrmann endete, insgesamt verschliss der ATC in der Saison nach dem Aufstieg sechs Trainer und stieg sofort wieder ab. „Dort zählen die Jahre wie beim Hund, sprich ein Menschenjahr waren sieben Hundejahre“, sagte Gehrmann gegenüber dieser Zeitung später.

FLVW hat Forderungen, Kreis setzt Spiel ab

Das Personalchaos wirkte sich auch auf den Kader aus, es gab etliche Zu- und Abgänge. Weniger ereignisreich war die Jahreshauptversammlung in diesem Jahr: Nur zwei Mitglieder erschienen.

Ständig begleiteten den ATC nun offene Forderungen beim Kreis und beim FLVW. Im April 2009 setzte der Kreis ein Kreispokal-Spiel ab, weil der Klub seine Rechnungen beim Kreis nicht bis zu einer gewissen Frist beglichen hatte. Zwar ging das Geld bis zum eigentlich geplanten Anpfiff noch ein, doch das Spiel konnte nicht wieder angesetzt werden.

Auch wegen des Nicht-Erfüllens des vorgegebenen Schiedsrichter-Solls hatte der Kreis die Brambaueraner auf dem Schirm. Später eröffnete der Kreis ein Verfahren wegen grob unsportlichen Verhaltens, weil der ATC sich weigerte, Spielerpässe herauszugeben.

Vor der Saison 2009/2010 bestand dann nochmal Hoffnung für den inzwischen als „Chaosklub“ verschrienen ATC Brambauer. Der Sommer verlief ruhiger, der Verein präsentierte sogar sieben Neuzugänge.

Im November schien der ATC dann sogar wieder auf dem Weg in Richtung Normalität. Noch im Oktober hatte der Kreis den Klub gestrichen und die Fußballer waren nicht zu ihrer Kreispokal-Begegnung angetreten. Gisbert Dankowski, damaliger zweiter Vorsitzender des Fußballkreises Dortmund, beschwerte sich, er könne beim ATC niemanden erreichen. Das galt auch für diese Zeitung, die schrieb: „Der ATC versperrt sich seit Wochen jeglicher Pressearbeit.“

Doch unter der Leitung des kommissarischen Vorsitzenden Hasan Aydin beglich der Klub seine Rechnungen und durfte weiterspielen. Auch Offenstände beim FLVW im vierstelligen Bereich zahlte der ATC nun offenbar.

BV Brambauer III wechselt die Seiten

Es sollte weitergehen am Karrenbusch. Große Teile des ehemaligen BV Brambauer III, der vom ATC-Nachbarn wegen Schlägereien entlassen wurde, heuerten wenige hundert Meter weiter an. Auch eine Umbenennung in Türk Gücü oder Türkspor nahm sich der Verein vor.

Bei einer ersten Sitzung über die künftige Ausrichtung passiert aber nicht viel mehr, als die erneute Bekräftigung, weitermachen zu wollen. Zwei Teams wolle der Verein – unter welchen Namen auch immer – stellen.

Doch die Schulden holten das Team mit den zumeist in den türkischen Nationalfarben gefärbten Trikots ein. Nach der sportlichen Talfahrt der Saison 2009/2010 – der Verein, der immer noch ATC hieß, holte nur drei Punkte und stieg in die Kreisliga B ab – setzte der Klub in Testspielen 24 Akteure ohne Spielberechtigung ein. Satte 600 Euro Geldstrafe bedeutete das – dieses Mal ohne Happy End. „Mit dem ATC, das ist ein trauriges Ende“, sagte Martin Wisse, damals Trainer des SV Preußen II, dieser Zeitung.

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Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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Timo Janisch

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