Marc Kühl, seine Frau Klaudia und Tochter Laura (v.l.) haben gute Erfahrungen mit sozialem Engagement gemacht. In diesem Winter unterstützen sie die Obdachlosenhilfe in Lünen und Dortmund und überreichten Weihnachtstüten an Sandra Thomas vom Lüner Hospiz, das sich nicht nur für Sterbende engagiert. © Stephanie Tatenhorst
Spendenaktion

Corona-Krise: Lüner Firma spendet für Obdachlose und hofft auf Nachahmer

Im Sommer waren es Wasserkästen - und die Gerüstbaufirma Kühl stellte fest, dass Spende samt Tragehilfe am rechten Ort ankam. Jetzt im Winter denkt sie an Obdachlose - und hofft auf Nachahmer.

Gutes tun und sich dann selbst gut fühlen – welche Wirkung das darüber hinaus haben kann, erlebte Marc Kühl in diesem Jahr am eigenen Leib. „Das Handwerk hat in dieser Corona-Krise nicht gelitten“, sagt Marc Kühl, Inhaber einer Gerüstbaufirma. „Wir sind eher von Aufträgen überrannt worden.“ Deshalb hatte die Familie Kühl im heißen Corona-Sommer kastenweise Mineralwasser gekauft und es älteren und hilfsbedürftigen Menschen nicht nur kostenlos zur Verfügung gestellt, die Gerüstbauer waren auch noch selbst von Empfänger zu Empfänger gefahren und hatten die Wasserflaschen bis an die Wohnungstür gebracht.

„Ich weiß noch, wie ich eine Treppe hochkam, es war ein dritter oder vierter Stock, und mir machte eine gebrechliche alte Dame die Tür auf“, schildert Marc Kühl seine Erinnerungen. „Ich konnte dann an ihr vorbei ins Wohnzimmer gucken – und da stand ein Pflegebett, in dem wohl ihr Mann lag. Da wusste ich, hier hatte ich die richtigen Leute erwischt.“

Kaffee für die Mitarbeiter

Welche Wirkung das Engagement seiner Firma aber darüber hinaus hatte, hätte er nie für möglich gehalten. „Wir arbeiten ja eher mit Malern, Dachdeckern und Wohnungsbaugesellschaften, eher selten für Privatleute“, erklärt Kühl. „Aber in den Mietshäusern gingen plötzlich die Türen auf. Unsere Mitarbeiter wurden gefragt, ob sie von der Firma mit der Wasserkisten-Aktion wären und plötzlich gab es für sie überall Kaffee“, freut sich Kühl bis heute – und fasste einen Entschluss: „Wir können und wollen für andere ein Vorbild sein“ – und da denkt er wieder an die Geschäftsleute, mit denen er zusammenarbeitet. „Für uns ist das Jahr doch so gut gelaufen. Da ist es unsere Pflicht, dankbar zu sein – und etwas zurückzugeben.“

Spende für Obdachlose

Eine Mitstreiterin für seine Winter-Hilfs-Aktion fand er in Sandra Thomas, der Pflegedienstleitung und stellvertretenden Einrichtungsleiterin des Lüner Hospiz. Das betreut nicht nur sterbenskranke Menschen, es ist auch in der Obdachlosenhilfe engagiert und dient als Anlauf- und Vermittlungsstelle.

Gemeinsam packten Sandra Thomas und Marc Kühl nun 75 Weihnachtstüten für die Obdachlosen in Lünen und Dortmund. Darin enthalten: Verzehr-Gutscheine von der Bäckerei Dahlmann und Stolzenhoff. Unterstützt werden damit die Mitternachtsmission und die Herren- sowie die Frauenübernachtungsstelle, aber auch die Anlaufstelle „Dach über dem Kopf“. Allein dort gibt es 22 Schlafstellen. Wer an einer dieser Stellen übernachtete, erhielt eine Tüte.

„Die Spendenbereitschaft ist der Hammer“, hat Sandra Thomas in diesem Jahr beobachtet. „Das geht von Dingen aus dem aussortierten Kleiderschrank bis zu anonymen Paketen mit nagelneuen Mützen, Handschuhen und Schals.“ Selbst Schlafsäcke und Isomatten seien abgegeben worden. „Das ist dieses Jahr wirklich enorm.“

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