Expertin Sandra Splittberger von der Tierschutzorganisation Papageienrettung Freeflight fängt den entflogenen Gelbbrust-Ara in Lünen-Wethmar ein. © Feuerwehr Lünen
Tierrettung in Lünen

Expertin fängt Papagei in Lünen nach langer Suche: „Bisschen gerupft“

Sichtungen in Werne, Bergkamen und Lünen: Ein Papagei hat die Bürger der Region auf Trab gehalten. Tierschützerin Sandra Splittgerber hat das Tier in Wethmar gerettet. Wie läuft so ein Einsatz?

Immer wieder wird der bunte Exot gesehen: Am Sonntag (25.7.) und Montag (26.7.) berichten Bürger in den sozialen Medien von einem frei herumfliegenden Papagei in Werne, am Dienstag und Mittwoch in Lünen, zwischendurch auch in Bergkamen. Sandra Splittgerber nimmt die Verfolgung auf – und kann den Gelbbrust-Ara mit geübter Hand und tierischer Unterstützung schließlich sichern.

Eine Bekannte habe sie am Sonntag benachrichtigt, dass in Werne ein Papagei herumfliege, berichtet Sanda Splittgerber. Sie engagiert sich im Tierschutz bei der Papageienrettung Freeflight in Bochum und kennt sich aus mit den exotischen Vögeln. Rund 20 Einsätze im Monat hat sie, bei denen entflogene Papageien oder Sittiche eingefangen werden sollen.

Expertin kann Papagei in Lünen hören, aber nicht sehen

Am Montag fährt Splittgerber nach Feierabend nach Werne, kann das Tier aber nicht finden. Nach Berichten aus Lünen am Dienstag setzt sie abends eine Ara-Dame als Lockvogel ein – vergeblich. Sie kann den entflogenen Papagei zwar hören, aber wieder nicht sehen.

Am Mittwoch ist es dann soweit: „Ich musste nur bis 14 Uhr arbeiten und bin dann direkt losgefahren“, berichtet Sandra Splittgerber, die in Gelsenkirchen wohnt. Um 15 Uhr sei sie in Lünen angekommen, der Vogel sei aber immer wieder weggeflogen. Um 18.30 Uhr erreicht sie dann ein Anruf, dass das Tier in einem Baum an der Dorfstraße in Lünen-Wethmar sitze.

Wo ist der ausgebüxte Papagei? Tierschützerin Sandra Splittberger und Lockvogel Bella im Einsatz in Wethmar.
Wo ist der ausgebüxte Papagei? Tierschützerin Sandra Splittberger und Lockvogel Bella im Einsatz in Wethmar. © Papageienrettung Freeflight © Papageienrettung Freeflight

„Dann ging es ganz schnell“, sagt Splittgerber. Vor Ort kommt die speziell trainierte Papageien-Henne Bella (ein Gelbbrust-Ara-Mischling aus dem Papageienpark Bochum) als Lockvogel zum Einsatz. Auch die Lüner Feuerwehr ist da. „Die wollten mit einem Steiger da hochgehen, aber wenn die Vögel nicht zahm sind und es nicht stockdunkel ist, fliegen die weg“, erklärt Splittgerber. „Deswegen habe ich gesagt, ich versuche das auf meine Art. Ich mache das seit acht Jahren und habe fast 100 Prozent Fangquote, wenn ich mit einem Lockvogel arbeite.“

Papagei hat großen Hunger und Durst

Die Feuerwehr verlässt sich auf ihre Expertise – und wenig später kann sie den ausgebüxten Vogel in eine Transportkiste verfrachten. Das Tier sei an sich gut ernährt gewesen, „hatte aber tierischen Hunger und tierischen Durst.“

Erstmal snacken: Nach dem Fang war der Gelbbrust-Ara hungrig und durstig.
Erstmal snacken: Nach dem Fang war der Gelbbrust-Ara hungrig und durstig. © Papageienrettung Freeflight © Papageienrettung Freeflight

Auch das Federkleid habe etwas gelitten. „Dieser Ara war mindestens vier Tage draußen und ist von Elstern und Raben gejagt worden“, sagt sie. Er sehe „ein bisschen gerupft“ aus. Papageien würden von heimischen Tieren hier angegriffen, „weil sie bunt und auffällig sind und nicht ins Wildbild passen“. Hinzu komme, dass derzeit noch viele Jungtiere bei ihren Eltern seien und diese Vögel ihr Territorium sehr aggressiv verteidigen würden.

Wie lange Papageien in Deutschland in freier Natur überleben können, hängt stark von der Art ab, erklärt die Expertin. „Graupapageien überleben keine drei Tage“, sagt sie. Einen anderen entflogenen Ara dagegen habe sie nach 1 1/2 Jahren in Norddeutschland gefangen.

Doch wie oft fliegt ein Papagei überhaupt weg und wie kommt es dazu? Mal lasse jemand versehentlich ein Fenster oder eine Voliere auf, das gehe schnell. „Viele Leute sind auch sehr, sehr mutig und nehmen ihren Papagei, wenn er jung ist, mit auf die Schulter. Das geht zehn Mal gut und beim elften Mal ist er weg“, sagt Sandra Splittgerber. Der nun in Lünen gefangene Gelbbrust-Ara sei mit einem Ring markiert, der Eigentümer werde derzeit ermittelt, sagt die Tierschützerin. Bis dahin sei der exotische Vogel tiergerecht untergebracht.

Die Häufigkeit tierischer Einsätze sei sehr unterschiedlich, heißt es von der Feuerwehr Lünen. Meistens gehe es dabei aber um Wildtiere – ein Papagei sei „schon eher die Ausnahme“.

Über den Autor
Gebürtiger Dortmunder mit viel Liebe für den großen und kleinen Sport: Hauptsache, es rollt, tickt oder geht ordentlich vorwärts. Ob im Fernsehen, am Spielfeldrand oder selbst mit Ball und Rad unterwegs. Seit 2014 für Lensing Media im Einsatz, erst in Freier Mitarbeit, nun als Volontär.
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Hendrik Nachtigäller

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