Willi Oberdorf (l.) und Peter Glaeser am frisch restaurierten Grenzpfahl zwischen Lanstrop und Horstmar/Niederaden. © Horst Störmer
Horstmar/Niederaden

Grenze bleibt sichtbar: Warum ein Pfahl zwischen Lanstrop und Lünen steht

Grenzen gilt es eigentlich zu überwinden. Zwischen Dortmund und Lünen - genauer gesagt: zwischen Lanstrop und Niederaden - ist das anders. Dort steht jetzt ein frischer Grenzpfahl.

Die Farbe war abgeblättert, das Schild auch kein Schmuckstück mehr – die 25 Jahre, die der Grenzpfahl zwischen Lanstrop und Horstmar steht, waren ihm deutlich anzusehen. Das ließ Peter Glaeser aus Niederaden keine Ruhe. Der Vorsitzende des Männergesangvereins (MGV) Germania Niederaden und stellvertretende Vorsitzende des Stadverbandes für Heimatpflege übernahm mit dem Chor die Restaurierung von Grenzpfahl und Schild – auch finanziell.

Kassierer Willi Oberdorf sorgte für sämtliche Maler- und Montagearbeiten.

Sänger des MGV Germania Niederaden mit Horst Störmer (2.v.l.), der für den Stadtverband für Heimatpflege bei der kleinen Feierstunde mit dabei war.
Sänger des MGV Germania Niederaden mit Horst Störmer (2.v.l.), der für den Stadtverband für Heimatpflege bei der kleinen Feierstunde mit dabei war. © Stadtverband für Heimatpflege © Stadtverband für Heimatpflege

Am Dienstagabend (3.8.) war es dann soweit – der frisch restaurierte Grenzpfahl samt Schild wurde in einer kleinen Feierstunde feierlich präsentiert. Auch Horst Störmer, Vorsitzender des Stadtverbandes für Heimatpflege, war mit dabei.

„Die Sänger des MGV sind alle sehr traurig, dass sie seit Beginn der Pandemie keine Proben mehr durchführen dürfen. Auftritte gab es natürlich auch seit mehr als eineinhalb Jahren nicht mehr“, so Störmer. Damit man sich nicht ganz aus den Augen verliert, treffen sich die Sänger unter Corona-Bedingungen immer mal wieder. So wie am Dienstag zu einer Wanderung mit Ziel restaurierter Grenzpfahl.

Störmer, selbst viele Jahre Mitglied im MGV Liedertafel Westfalia Wethmar, kennt das Problem: „Viele Chorleiter haben die Sorge, dass ihre Sänger immer älter werden und es keinen Nachwuchs gibt.“ Kommt nun noch die Zwangspause wegen Corona dazu, stehen viele Chöre vor einer ungewissen Zukunft.

Im März 1996 nahmen zahlreiche Bürger am zweiten Schnadegang in Horstmar/Niederaden teil. Anlass war die Landesgartenschau 1996 in Lünen.
Im März 1996 nahmen zahlreiche Bürger am zweiten Schnadegang in Horstmar/Niederaden teil. Anlass war die Landesgartenschau 1996 in Lünen. © Stadtarchiv © Stadtarchiv

Am Dienstag gab es aber mal wieder Grund zur Freude. Jetzt sind die roten und gelben Streifen wieder deutlich zu erkennen und auch das Schild mit den Stadtwappen von Dortmund und Lünen, das an den 2. Lüner Schnadegang am 9. März 1996 erinnert, strahlt in neuem Glanz.

Grenze gab es bis 1950

Vor 25 Jahren zogen zahlreiche Lüner vom Bürgerhaus Horstmar zur jahrhundertealten früheren Grenze, die es bis 1950 zwischen den ehemaligen Bauerschaften Lanstrop und Horstmar gab.

er damalige Stadtdirektor und spätere Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick als Secretarius mit dem damaligen Stadtarchivar Adolf Reiß an der Grenze zwischen Lanstrop und Horstmar/Niederaden beim Schnadegang 1996.
Der damalige Stadtdirektor und spätere Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick als Secretarius mit dem damaligen Stadtarchivar Adolf Reiß an der Grenze zwischen Lanstrop und Horstmar/Niederaden beim Schnadegang 1996. © Stadtarchiv © Stadtarchiv

Mit dabei waren die damalige Bürgermeisterin Christina Dörr-Schmidt, der Lüner Stadtdirektor und spätere Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick als Secretarius verkleidet und der damalige Vorsitzende des Stadtverbandes für Heimatpflege, der langjährige Stadtarchivar Adolf Reiß.

Bei der Wanderung am Dienstag von Niederaden durch Horstmar, erfuhr Störmer auch von einigen Sängern, dass sie vom Hochwasser der letzten Wochen stark gebeutelt sind. „Man hat davon gelesen, aber wenn Betroffene einem davon erzählen, wird es noch deutlicher.“

Am Grenzpfahl holte Störmer die Gitarre raus und sang mit den Niederadenern das Lied vom „Lüner Wind“. Eine junge Autofahrerin wurde aufmerksam, kurbelte die Scheibe herunter und hörte zu. Zur Freude Störmers und der Sänger: „Immerhin ein bisschen Publikum.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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