Berta Grote aus Lünen feiert am 21. Juni 2021 ihren 100. Geburtstag. In ihrem langen Leben kümmerte sie sich vor allem um andere. © Matthias Stachelhaus
Jubiläum

Lünerin Berta Grote feiert 100. Geburtstag: Ein Leben der Fürsorge

Einen großen Teil ihres Lebens verbrachte Berta Große damit, für andere zu sorgen. Auch in schweren Zeiten. Am 10. Juni 2021 wird sie 100 Jahre alt. Fürsorglich bleibt sie bis heute.

Für Berta Grote ist der 10. Juni 2021 ein ganz besonderer Tag. Denn an diesem Donnerstag wird die Lünerin stolze 100 Jahre alt. Einen großen Teil verbrachte sie damit, für andere zu sorgen. Egal ob als gelernte Krankenschwester, Mutter, Ehefrau oder bei der Pflege ihres Vaters, Schwiegervaters und einer Tante, die sie bis zu deren Tod begleitete. „Als älteste von neun Geschwistern bin ich die einzige, die noch lebt“, sagt Grote.

Ihr Geheimnis für das hohe Alter? „Das wüsste ich selbst ganz gerne“, meint Grote. Denn nach dem Tod von Ehemann Kurt vor 16 Jahren habe sie sich gewünscht auch gehen zu dürfen. Aber das Leben hatte andere Pläne mit Grote, deren wache Augen den Gesprächspartner auch im hohen Alter noch fixieren. Obwohl sie nicht mehr gut sehen kann.

Vielleicht liegt es daran, dass sie sich auch in hohem Alter noch weniger um sich selbst sorgt, sondern mehr um andere Menschen. „Sie ist sehr beliebt unter den anderen Bewohnern, sagt nie ein schlechtes Wort“, berichtet Betreuerin Martina Zandecki. Beim Sport im Seniorenzentrum Minister Achenbach, wo Berta Grote seit zwei Jahren lebt, sporne sie die anderen immer ordentlich an. Sie selbst bewegt sich, so gut es eben noch geht. Mit dem Rollator.

Großer Traum vom eigenen Haus wird wahr

„Sie war immer schon sehr fürsorglich“, weiß auch Bertas Sohn Martin Grote zu berichten. Egal, ob als Mutter, Ehefrau oder bei der Pflege von Familienangehörigen. Und der Garten des eigenen Hauses in Horstmar sei ihr immer wichtig gewesen. „Wenn ich morgens um sechs raus bin, hat sie immer schon gewirbelt.“

Zum runden Geburtstag gratulieren Grote nicht nur ihre Familie in Horstmar, sondern auch Betreuerin Martina Zandecki und Matthias Zilkowski, Einrichtungsleiter des Awo Seniorenzentrums Minister Achenbach.
Zum runden Geburtstag gratulieren Grote nicht nur ihre Familie in Horstmar, sondern auch Betreuerin Martina Zandecki und Matthias Zilkowski, Einrichtungsleiter des Awo Seniorenzentrums Minister Achenbach. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Für Berta Grote selbst ist das Haus selbst etwas ganz Besonderes. Denn als sie in den 50er Jahren der Arbeit wegen von ihrem Geburtsort Wüstensachsen in Hessen nach Lünen zog, da hatte die Familie zwar viel Arbeit, aber wenig Geld. Ihr Schwiegervater Theodor habe aber trotzdem immer bauen wollen. Er habe immer gesagt: „Wir sind alle noch dick genug, da können wir noch mehr Geld sparen“, erinnert sich Berta Grote. „Den Mann musste man einfach lieb haben, er war einfach toll“, ergänzt sie, mit Tränen in den Augen.

Schließlich klappte es doch mit einem Grundstück. Mit vereinten Kräften halfen auch Berta und ihr Mann Kurt, ein Maurermeister, beim Bau. Ihre eigene Leistung tut Berta Grote dabei fast schon beiläufig ab. „Ich war halt jeden Tag auf der Baustelle.“

Ein Dutzend 100-Jährige leben in Lünen

Die Jahre mit vielen Entbehrungen sollten noch anders belohnt werden. Im Rentenalter verreiste das Ehepaar viel, verbrachte jahrelang jeden Winter von November bis April auf Teneriffa. „Das waren ihre schönsten Jahre, hat sie immer gesagt“, meint Sohn Martin Grote dazu.

In ihrem Heimatort in Hessen hatte Berta Grotes Familie viele Tiere, darunter einige Kühe, Ziegen und auch Gänse. Daran denkt die 100-Jährige gern zurück. Die Tierliebe ist bis heute geblieben, auch wenn der tierische Besuch von der Eseltherapie Terhürne im Seniorenzentrum Minister Achenbach etwas kleiner ist, als auf dem Land.
In ihrem Heimatort in Hessen hatte Berta Grotes Familie viele Tiere, darunter einige Kühe, Ziegen und auch Gänse. Daran denkt die 100-Jährige gern zurück. Die Tierliebe ist bis heute geblieben, auch wenn der tierische Besuch von der Eseltherapie Terhürne im Seniorenzentrum Minister Achenbach etwas kleiner ist, als auf dem Land. © Martina Zandecki © Martina Zandecki

An ihrem Geburtstag wird Berta Grote noch einmal in ihr altes Wohnhaus nach Horstmar zurückkehren. „Mein Sohn hat da so viel umgebaut. Da bin ich neugierig“, sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Vielleicht ist das auch ein Geheimnis für das hohe Alter: Die Freude auf Neues nicht zu verlieren.

Ein Geheimnis, das Grote mit nur elf weiteren Lünerinnen und Lünern teilen wird, die alle über 100 Jahre alt sind. Dabei sind die vier Männer gegenüber den ab Donnerstag dann acht Frauen übrigens klar in der Unterzahl. Die älteste Frau in Lünen ist Irmgard Besser. Sie feierte im Februar ihren 107. Geburtstag. Acht weitere 100. Geburtstage stehen diese Jahr in Lünen noch im Kalender.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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