Die Feuerwehr musste zuletzt in Lünen-Süd gegen das Hochwasser kämpfen. Nun droht ein weiterer Starkregen. © Ohm
Starkregen

Nach Unwetterwarnung: Anwohner in Lünen-Süd warten auf den Regen

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Starkregen und Gewitter. Dabei könnte es auch wieder Lünen-Süd treffen. Dort bereitet man sich auf die nächste Flut vor - so gut man kann.

Die Warnung vor einem möglichen Unwetter erreichte Friederike Walf über die Warn-App „Nina“. Die Vorsitzende der Siedlergemeinschaft „Auf dem Eigengrund“ in Lünen-Süd informierte daraufhin die Nachbarn – vor allem die, deren Häuser weiter unten in der Senke stehen. „Ich habe Ihnen die Notfall-Nummer des SAL gegeben (Städtischer Abwasserbetrieb Lünen, d. Red). Viel mehr können wir hier nicht tun. Außer beten vielleicht.“

Erst vor knapp einer Woche waren der Eigengrund sowie zahlreiche weitere Straßen in Lünen-Süd nach starken Regenfällen überflutet worden. Die Kanalisation war nicht in der Lage, die Wassermassen aufzunehmen. „Eine Nachbarin hatte tatsächlich schon Sandsäcke vorbereitet, aber die haben am Ende auch nicht mehr geholfen“, weiß Friederike Walf. Möglich, dass auch andere Nachbarn bei künftigen Ereignissen auf diese Karte setzen. „Aber wenn das Wasser zum Beispiel wieder so schnell aus der Lutherstraße schießt, wird es schwierig.“

Vorflut soll Lünen-Süd entlasten

Trotz der Möglichkeit weiterer Schäden durch Hochwasser bleibt Friederike Walf erstaunlich gelassen. „Wir sind hier nunmal Bergbaugebiet, wir haben hier diese Senke. Daran wird sich in Zukunft nicht sehr viel ändern.“ Große Hoffnung setzen die Anwohner deshalb in die Pläne des SAL, die Entwässerung über eine Vorflut in Richtung des Süggelbachs zu regeln und so den Eigengrund sowie angrenzende Straßen und Wohngebiete zu Entlasten. „Davon würden dann auch die Jägerstraße, die Bahnstraße und die Dammwiese profitieren“, erklärt Daniela Fiege. Auch der Campus Lünen-Süd mit der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule würde an dieses System angeschlossen.

Problem: Das Projekt funktioniert nur mit Hilfe der Ruhrkohle AG (RAG), die federführend ist und neben einigen Grundstücksfragen auch noch das passende Wasserrecht schaffen muss. „Wir stehen da schon mit einigem Druck hinter“, beteuert SAL-Chefin Daniela Fiege im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber wir sind eben nicht der Chef der RAG.“ Grundsätzlich habe sie schon vor drei Jahren von dieser Möglichkeit für Lünen-Süd gesprochen. „Persönlich ärgert es mich einfach, dass solche Projekte dann so lange dauern.“ Während nach ihren Informationen die Grundstücksfragen kurz vor der Klärung stünden, würde es mit dem Wasserrecht noch dauern. „Ich denke, vor 2023 werden wir das nicht fertig haben.“

SAL überdenkt Bereitschaftsdienst

Womit kurzfristig dem Eigengrund und weiteren betroffenen Gebieten in Lünen-Süd nicht geholfen ist. Der SAL habe intern seinen Bereitschaftsdienst noch einmal besprochen, sagt Daniela Fiege: „Das war zuletzt sicher etwas unglücklich.“ So hätten die Anwohner Gullydeckel abziehen müssen, damit das Wasser besser abfließen kann. „Das sollten natürlich besser wir oder die Feuerwehr machen.“ Allerdings sagt die Betriebsleiterin auch: „Wir sind abhängig davon, dass man uns anruft.“

Genau das wollen die Eigengrund-Anwohner auch tun – die Notfallnummer haben sie ja. Der Austausch mit dem SAL am vergangenen Freitag sei durchaus positiv verlaufen, sagt Friederike Walf: „Viele Anwohner waren nach dem Gespräch beeindruckt und beruhigt, dass der SAL offenbar viele Dinge bereits geplant und einiges begonnen hat. Davon ist vor Ort nicht viel sichtbar, weshalb hier möglicherweise ein falscher Eindruck entstanden ist.“

Unstrittig ist allerdings auch, dass einige Anwohner durchaus hohe Schäden durch die Flut zu beklagen haben. „Wobei es da auch einige Fälle gab, in denen keine Eigensicherung vorhanden war.“ Friederike Walf hat zum Beispiel ein Rückschlagventil im Keller, dass das Eindringen von Wasser durch die überfüllte Kanalisation verhindert. „Man darf nur nicht vergessen, dieses Ventil zweimal im Jahr zu säubern.“ Augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Einmal vor und einmal nach dem Starkregen.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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