Offiziell darf der Spielplatz "Auf dem Kelm" nur von Kindern bis 14 Jahre genutzt werden. Die Realität sieht ganz anders aus, sagen die Anwohner. © Claeßen
Auf dem Kelm

Rückbau des Streetball-Feldes: Anwohner wehren sich und machen Vorschlag

Nachdem es viel Ärger und Unverständnis über den geplanten Rückbau der Streetball-Anlage „Auf dem Kelm“ gegeben hat, melden sich die Beschwerdeführer zu Wort und machen einen Gegenvorschlag.

Mit einem Vorwurf möchten die Anwohner der Straße „Auf dem Kelm“ sofort aufräumen: „Wir haben nichts gegen Kinder, im Gegenteil. Kinder sind hier willkommen“, sagt ein Mann, der sich sehr über das Geschehen auf dem Spielplatz „Auf dem Kelm“ aufregt – seinen Namen aber aus Angst vor möglichen Reaktionen nicht öffentlich nennen will.

Sein Problem – und das seiner Nachbarn auch: „Es nutzen ja kaum Kinder diesen Spielplatz.“ Stattdessen seien es Erwachsene oder Jugendliche, jedenfalls deutlich älter als die für die Nutzung erlaubten maximal erlaubten 14 Jahre. „Da sind manchmal bis zu 25 Personen auf dem Platz, und die haben nicht nur einen Ball dabei.“ Würden sich dann doch einmal Mütter mit kleinen Kindern auf den Platz verirren, fingen diese sofort an zu weinen: „Die haben Angst vor den Großen und ihren Bällen.“ Den Anwohner, der nach eigener Aussage das tägliche Treiben auf dem Streetball-Feld beobachtet, wundere es vielmehr, dass es bisher keine Verletzungen gegeben habe.

Schon seit den 1980ern Probleme

Das Problem sei auch nicht neu, bekräftigt ein Nachbar. „In den 1980er-Jahren gab es hier einen Bolzplatz, der schlecht gepflegt wurde.“ Damals seien die Zäune der angrenzenden Häuser beschädigt worden – die Anwohner sind überzeugt, dass es sich um Nutzer des Platzes gehandelt hat. „Wir haben uns damals bei der Stadt beschwert, dass es so nicht weitergehen könne.“

Es dauerte bis 2016, ehe sich dort etwas tat: Die Politik entschied, den Platz zu sanieren. „Von einem Streetball-Feld war damals nicht die Rede“, behauptet der Anwohner. „Das hätte ja auch keinen Sinn gemacht, wenn man einen Spielplatz für Kinder bauen wollte.“ 2017 wurde das für 190.000 Euro runderneuerte Feld eingeweiht – und wird seitdem rege genutzt. „Den ganzen Tag spielen dort Leute Basketball – ohne Mundschutz, dafür mit lauter Musik.“ Wenn das ein, zwei Stunden so gehen würde, wäre das noch erträglich. „Aber sie hören das Titschen der Bälle den ganzen Tag lang.“

Und auch in der Nacht. „Neulich bin ich um vier Uhr nachts wach geworden, weil dort jemand Basketball gespielt hat“, sagt ein dritter Anwohner, der mittlerweile zum Gespräch dazugestoßen ist. Er habe die Polizei gerufen, doch die komme teilweise schon gar nicht mehr raus. „Und das Ordnungsamt kommt immer dann, wenn dort nichts los ist, macht Fotos und behauptet später, es sei nichts los gewesen“, ärgert sich der Mann. Auf das Treiben angesprochen, würde der Ordnungsdienst erwidern: „Die spielen doch nur Basketball.“

Alternativen im Gewerbegebiet?

Der Frust sitzt tief bei den Anwohnern, die nach eigenen Angaben diverse Kontaktversuche mit der Stadt Lünen unternommen haben – bisher ohne Erfolg. „Wir haben ja auch vorgeschlagen, dass man statt des Streetball-Feldes einen Sandkasten und Kinderspielgeräte aufstellt.“ Streetball-Felder oder ähnliches könne man doch auch neben bestehende Sportplätze oder in Gewerbegebieten ansiedeln – wie zum Beispiel in Witten, wo eine Halle für diverse Sportarten errichtet worden sei. „Dort wird dann auch niemand gestört.“

Wie berichtet hatte die Verwaltung erklärt, das Streetball-Feld zurückbauen zu wollen, um das Lärmproblem in den Griff zu bekommen. Als Begründung wurden unter anderem drei Verstöße von Jugendlichen angegeben, die nach 23 Uhr dort spielten. Für die Politik ein Unding – weshalb die Sache nun im Juni im Jugendhilfeausschuss erneut verhandelt werden soll. Bis dahin will die Stadt nicht tätig werden.

„Wenn sie im Juni verhandeln wollen, fällt vor Dezember keine Entscheidung“, sind die Anwohner skeptisch. Zumal die Politik erwägt, die Altersbegrenzung für den Spielplatz aufzuheben. Die Anwohner sind sich einig: „Das werden wir uns nicht bieten lassen.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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