Seit Januar gilt bereits vor der Kreuzung Münsterstraße/Oststraße Tempo 50. © Goldstein
Bundesstraße 54

Schilder an der Münsterstraße: Warum Lünen nicht auf der Grenze beginnt

Die geschlossene Ortschaft Lünen beginnt auf der Münsterstraße jetzt 400 Meter früher. Galerist Wolfgang Anders fragt sich, warum nicht noch 200 Meter mehr drin waren. Die Stadt klärt auf.

Anfang Januar setzten die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) einen lang gehegten Wunsch vieler Einwohner von Wethmar um: Die Ortseingangsschilder von Lünen wurden um 400 Meter nach Osten in Richtung Werne versetzt. Die geschlossenen Ortschaft – und damit verbunden Tempo 50 – beginnt nun schon vor der Einmündung zur Oststraße.

Die Galerie Anders liegt nochmal 200 Meter weiter in Richtung Werne – und damit genauso wie das asiatische Restaurant „Buffet House“ weiterhin außerhalb der geschlossenen Ortschaft. „Warum stellte man die Ortseingangs–Schilder in diesem Fall nicht noch 200 Meter weiter in Richtung Werne, genau dorthin wo Lünen anfängt?“, fragt sich nun Wolfgang Anders, Inhaber der Galerie.

Die Galerie teilt sich den eigenen Parkplatz mit dem Restaurant auf der gegenüber liegenden Seite, falls es dort zu voll ist. „Und es kam durchaus öfter vor, dass Restaurantgäste auf unseren Parkplatz ausweichen mussten“, schildert der Galerist seine Beobachtungen auf der Zeit vor Corona.

Autos sind oft schneller als 70 km/h

Diese Besucher müssten zweimal die B54 überqueren. „Darunter viele alte Leute, die nicht mehr allzu gut zu Fuß sind“, so Wolfgang Anders weiter. „Wir sehen oftmals brenzlige Situationen, da viele Autofahrer, besonders bergabwärts aus Richtung Werne, schneller als die erlaubten 70 km/h fahren und bedingt durch die Straßenkurve die Überquerer sehr spät wahrnehmen.“

Hinzu käme, dass die Verkehrszählungen, auf die sich der Landesbetrieb NRW in seiner Einschätzung der Lage gestützt hätte, nicht mehr aktuell seien: „Die stammen noch aus der Zeit, bevor Amazon nach Werne kam.“ Sowohl der Schwerlastverkehr als auch die Schichtarbeiten nutzten diese Strecke, entsprechend hoch sei mittlerweile die Belastung. Hätte man die Chance genutzt und die Schilder weiter nach Osten versetzt, wäre nach Meinung von Wolfgang Anders allen geholfen gewesen: „Die Geschwindigkeit würde von 70 auf 50 km/h gesenkt, Autofahrer aus Richtung Werne könnten diese Schilder schon aus größerer Entfernung erkennen und ihre Geschwindigkeit anpassen. Fußgänger könnten die B54 sicherer überqueren.“

Ganz so einfach ist die Sache – natürlich – nicht, wie eine Nachfrage unserer Redaktion bei der Stadt Lünen ergibt. Die Verwaltung hatte als Grund für die neue Position den Beginn der „geschlossenen Bebauung“ ab der Höhe Oststraße genannt. „Gemeint ist die verkehrliche Erschließung, das heißt die Zu- und Abfahrten sind zur Straße ausgerichtet“, präzisiert Stadtsprecher Benedikt Spangardt. „Außerdem sollten für eine ,geschlossene Bebauung‘ mehrere bebaute Grundstücke nebeneinanderliegen.“ Die Grundstücke der Galerie und des Restaurants im Kurvenbereich sind hingegen keine geschlossene Bebauung, sondern Einzelbebauung: „Auf jeder Straßenseite ist lediglich ein Grundstück erschlossen.“

„Gut gemeint, aber zu kurz gesprungen“

Dass die neuen Ortsschilder sogar etwas weiter vor dem eigentlichen Bebauungsbeginn stehen, hängt laut Spangardt mit dem Kreuzungsbereich Münsterstraße/Oststraße zusammen: „Ziel ist es zum einen, die Geschwindigkeit ab dem Kreuzungsbereich auf tatsächliche 50 Kilometer pro Stunde herunterzubringen – viele Autofahrerinnen und Autofahrer bremsen leider nicht vor dem Schild sondern erst am Schild.“ Zum anderen stünden die Ortstafeln am neuen Standort einzeln und seien dadurch besser sichtbar.

Das in der Kurve geltende Tempolimit von 70 km/h reicht aus Sicht der Planer für die Verkehrssicherheit aus. Die Statistik gibt ihnen Recht: In diesem Bereich kam es laut Unfallatlas NRW in den vergangenen vier Jahren nur zum einem Unfall mit Personenschaden. Wolfgang Anders bleibt jedoch bei seiner Meinung: „Liebe beteiligte Behörden – gut gemeint, aber zu kurz gesprungen!“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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