Bob Michaels, Chef der Szene-Kneipe „Das Greif“, hofft, dass mögliche 2G-Regelungen nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. © Fröhling
Corona in Lünen

Zugang mit 2G-Regel: Chef der Lüner Kultkneipe Greif sagt seine Meinung

Neben Corona-müden Besuchern, die ihre Maske vergessen, ärgert sich Greif-Mitinhaber Bob Michaels über Gäste, die Reservierungen nicht absagen. Die 2G-Diskussion sieht er zwiespältig.

Generell läuft es im Szenelokal „Das Greif“ derzeit gut. „Wir sind fast immer ausgebucht“, erklärt Mitinhaber Bob Michaels. Er empfindet dies aber auch als zweischneidig. „Der normale Kneipenbetrieb leidet darunter. Wer reserviert, kommt ja, um essen zu gehen. Dann kommen aber keine Besucher rein, die einfach nur ein Bier trinken wollen.“ Er vermisst die Zeit, in der der Bereich vor der Theke „dreireihig besetzt war“.

Nicht jeder möchte reservieren

Durch die Corona-Regelung fehlen fünf Tische. Besetzt werden können nur sieben im Restaurant- und drei im Barbereich. „Manch einer bleibt auch lieber daheim und trinkt da sein Bier“, vermutet Michaels. Nicht jeder wolle seine Freizeit regelrecht durchplanen und reservieren. „Viele möchten auch spontan vorbeikommen können.“

Aber auch wenn das Greif ausgebucht ist, ist es nicht immer voll. Der Grund gefällt Michaels gar nicht. „Es gibt Leute, die reservieren einen Tisch, und kommen dann einfach nicht“, ärgert er sich. „Es wäre doch kein Problem, kurz anzurufen und zu sagen, dass man doch nicht kommt.“ Dann kann das Restaurant den Tisch anderweitig vergeben. Das ist besonders ärgerlich, wenn es sich um einen Fünfer- oder Sechser-Tisch handelt.

Das Greif in Lünen: Die Sorgen vor weiterem Lockdown bleiben.
Das Greif in Lünen: Die Sorgen vor weiterem Lockdown bleiben. © Greif © Greif

Aber auch auf Besucher, die hereinkommen und einen leeren Tisch sehen, macht dies einen schlechten Eindruck. „Die kommen sich möglicherweise veräppelt vor, weil wir ihnen vorher wahrheitsgemäß gesagt haben, dass wir ausgebucht sind“, gibt Michaels zu bedenken.

Mitarbeiter werden gesucht

Durch die Pandemie ist das Greif einigermaßen glimpflich gekommen, wie Michaels sagt. „Wir planen jetzt für die Zeit nach Corona. Dafür suchen wir auch weitere Mitarbeiter.“ Wer als Servicekraft oder als Koch bzw. Köchin arbeiten möchte, kann sich melden. „Wir hatten auch schon ein paar Bewerbungsgespräche.“ Und am 27. November wird es wieder ein Konzert geben: Die Rockband Terry Hoax, die 1988 gegründet wurde, tritt ab 20 Uhr auf. Karten sind für 25 Euro zu haben.

Um die fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren, überlegt das Greif-Team, neben Montag zeitweilig einen weiteren Ruhetag einzuführen. „Unsere Crew darf nicht unter der Personalknappheit leiden“, findet Michaels.

Das Greif-Team merkt aber auch, dass die Menschen langsam Corona-müde werden. „Teilweise kommen Gäste ohne Maske herein, worauf wir sie natürlich hinweisen“, erzählt Michaels. „Als Antwort kommt dann manchmal: ‚Wieso, ich bin doch geimpft.‘ “ Es kommt auch vor, dass Gäste ihren negativen Testnachweis oder ihren Impfpass vergessen haben. „Es ist aber nun mal Pflicht.“

2G-Regelung könnte zu Zwei-Klassen-Gesellschaft führen

Die Diskussion um eine mögliche 2G-Regelung – also, dass nur noch Geimpfte oder Genesene beispielsweise in Restaurants dürfen und ein negativer Test nicht mehr ausreicht – sieht Michaels zwiespältig. „Ich möchte keine Zwei-Klassen-Gesellschaft.“ Gleichzeitig findet er aber auch, dass man sich impfen lassen sollte. Vorteile hätte es für die Auslastung des Greifs, da dann Regelungen wie 1,50 Meter Abstand wegfallen könnten. Die Sperrstunde von fünf bis sechs Uhr sei für das Greif nicht problematisch: „Wir haben selten länger auf.“

Ärgerlich findet es Michaels, dass es ständig neue Corona-Vorschriften gibt, nach denen er sein Geschäft ausrichten muss. Manche seien auch widersprüchlich: „Wenn ich neben dem Tisch stehe, muss ich eine Maske tragen, wenn ich mich aber zu den Gästen dazusetze, etwa wenn wir etwas besprechen, darf ich sie absetzen.“ Und dass er sich ständig Sorgen machen muss, dass beispielsweise ein neuer Lockdown kommen könnte. „Sowas hängt als Corona-Damoklesschwert über einem.“

Über den Autor
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Seit über zehn Jahren als freier Journalist tätig und seit einigen Jahren auch für die Ruhr Nachrichten. Ich schreibe gerne über Menschen und ihre Geschichten.
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Tobias Weskamp

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