270 Jahre Tradition: Wie der Brambauer Bildstock die Zeit überdauerte

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Der 1750 errichtete Brambauer Bildstock überdauerte mit vielen Widrigkeiten mehrere Jahrhunderte. Da muss erst Corona kommen, dass die traditionelle Maiandacht nicht stattfinden kann.

Brambauer

, 02.05.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stille, Ruhe gemeinsames Beten, manchmal auch eine Andacht. All das kann man rund um den Brambauer Marienbildstock. Und das seit dem Jahre 1750. Geschichtsbüchern zufolge waren es die früheren Besitzer der Burg Wilbring, Franz Gaudens von Horst und seine Gemahlin, die ihn außerhalb ihrer Burganlage errichten ließ. Ein durchaus guter Brauch in katholischen Gemeinden.

Die Inschrift auf dem Sockel des Bildstocks, die auch nach all der Zeit noch lesbar ist, lautet: „Dem Großen Gott zum ewigen Lob, der Gottesgebären Jungfrau Maria und dem Heiligen Nepomuk, zur schuldigsten Versuchung. Fr. G. von Horst, Maria Christina von Papen, Zeitiger Herr und Frau hier zu Wilbring“.

Aufgrund der vielen Wechsel der Besitzer des Schlosses wurde der Bildstock vernachlässigt. Mit der Zeit nagte ins Mauerwerk eingedrungene Feuchtigkeit an der Substanz des Bauwerks, das Dach wurde marode. Im Jahre 1964 wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, wofür die Kolpingfamilie die Federführung übernahm. Mit der Erneuerung der Ziergittertür, der Ausbesserung des Mauerwerks, des Außenanstrich und der Umgestaltung der Grünanlage mit umfangreichen Baumbepflanzungen konnte der Bildstock gerettet werden.

1992 sorgten neue Besitzverhältnisse im Schloss und der nahe Reiterhof mit seinen Stallungen und ablaufender Gülle über den Verkehrsweg für weitere Veränderungen. Das Anwesen Wilbring, das bis dato dem Land NRW gehörte, war an Privatleute verkauft worden. Norbert Gockeln, damals stellvertretender Vorsitzender der Bürgerschützen Elmenhorst, sprang in die Bresche und kaufte spontan eine ausgegliederte Parzelle Land, um den Erhalt des Bildstocks zu sichern.

Der Transport des Bildstocks von Schloss Wilbring zu Ida Elmenhorst kostete Zeit, Nerven und viel Anstrengung.

Der Transport des Bildstocks von Schloss Wilbring zu Ida Elmenhorst kostete Zeit, Nerven und viel Anstrengung. © Foto: Privat

„Ich wollte mit meinem Kauf die Nutzung des Bildstocks sicherstellen. Losgelöst von jeglichen Eigentümerverhältnisse im Schloss Wilbring. Aber auch der Fortbestand der traditionellen Maiandachten unseres Bürgerschützenvereins sowie der Kolpingfamilien war für mich ein großes Anliegen“, sagt Norbert Gockeln beim Blättern in einem Geschichtsbuch über den Erhalt des Bildstocks.

Umzug mit brennender Kerze und Maria hilf

Tatsächlich gelang es ihm den Bildstock auf das erworbene Stück Land zu verlegen. Nach einigen Vorarbeiten, schätzungsweise waren es mehr als 100 ehrenamtliche Arbeitsstunden am alten und neuen Standort, wurde mit einer spektakulären Aktion der Umzug vollzogen: Vom Schloss Wilbring wurde der Bildstock zum Bauernhof von Ida Elmenhorst gebracht. Seit dem 16. April 2003 steht der Marien-Bildstock nun an dem heutigen Standort.

„Vor dem Transport haben wir sogar noch eine brennende Kerze im Bildstock angezündet und beim Umziehen noch „Oh, Maria hilf“ gesungen. Wie wir, als Elmenhorster Bürgerschützen den Umzug gemeistert haben, ist für mich heute einfach unglaublich. Es war eine Herkulesaufgabe“, erinnert sich Peter Koch, der ein leidenschaftlicher Schütze und Kirchgänger ist.

„Nach dem Umzug auf den Hof von Ida Elmenhorst ist die Zukunft des Marienbildstocks gesichert. Offiziell gehört die Parzelle Norbert Gockeln. Aber vielleicht kann mein Schützenbruder die Parzelle ja an unseren Schützenverein übergeben. Da werden wir uns sicherlich einig“, hofft der Elmenhorster Schützengeneral Wolf-Eberhard Benthaus .

Das Fortbestehen der traditionellen Maiandachten durch den Kolpingbezirksverband Lünen, der Kolpingfamilie Brambauer, der beiden katholischen Kirchengemeinden St. Barbara und Herz-Jesu Brambauer sowie den Elmenhorster Bürgerschützen ist also gesichert. In diesem Jahr müssen die Gläubigen aufgrund von Corona jedoch auf die Zusammenkunft verzichten.

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