276.000 Euro unterschlagen: Zwei Jahre auf Bewährung für Mitarbeiterin des Bürgerbüros

Prozess vor Lüner Amtsgericht

276.000 Euro hat eine Mitarbeiterin des Bürgerbüros über Jahre unterschlagen. Die Strafe: Zwei Jahre auf Bewährung. Vor Gericht kam raus, dass das Bürgerbüro die Sache erst verharmloste.

von Heinrich Höckmann

Lünen

, 29.03.2019, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Blick auf den Bildschirm am Bürgerbüro. Hier hatte die Frau gearbeitet - und viel Geld unterschlagen.

Blick auf den Bildschirm am Bürgerbüro. Hier hatte die Frau gearbeitet - und viel Geld unterschlagen. © Foto: Magdalene Quiring-Lategahn

Mehrere Jahre lang hatte eine 32-jährige Verwaltungsfachangestellte im Lüner Rathaus Geld unterschlagen: 276.000 Euro im Zeitraum von Januar 2011 bis März 2017. Vorgeworfen wurde ihr deshalb Untreue in 1000 Fällen. Am Freitag wurde sie vom Amtsgericht zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Schon ihre Ausbildung machte die Angeklagte bei der Stadt Lünen. Sie galt als fleißig, hatte sogar neben der Arbeit BWL studiert. Die Schuldfrage war schon vor Prozessbeginn geklärt. 2017 hatte sie sich, angesichts einer Prüfung durch die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA), ihrem Arbeitgeber offenbart. Sie hatte zudem ein notarielles Schuldanerkenntnis über 150.000 Euro unterschrieben.

Unterschlagung wurde ihr einfach gemacht

Der Prozess am Freitag vor dem Amtsgericht Lünen drehte sich deshalb hauptsächlich um die Beweggründe der jungen Frau und darum, wie ihr der Betrug gelingen konnte. Als Grund nannte sie eine Kaufsucht. „Kleidung, Schmuck und Inventar“, habe sie gekauft, erzählte sie vor Gericht. Teilweise habe sie die Sachen ungebraucht weggeschmissen.

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Einfach gemacht hatte es ihr ein Fehler an der Schnittstelle zwischen zwei Computerprogrammen im Bürgerbüro. Pässe, Ausweise und Bescheinigungen wurden über ein Programm für das Meldewesen bearbeitet, das Bezahlen über ein Finanzprogramm. Bei Barzahlungen übernahm sie den Vorgang nicht in das Finanzprogramm, änderte den Namen des Antragsstellers für den Beleg und steckte das Bargeld ein.

Büroleitung hat Defizite verharmlost

Erst der GPA kamen bei der turnusmäßigen Überprüfung Zweifel. Anhand von Kennzahlen und Vergleichswerten stellten die Experten fest, dass die Erträge nicht stimmen konnten.

Die GPA forderte deshalb weitere Daten vom Bürgerbüro. Das Bürgerbüro aber lieferte nicht, sondern verharmloste die Defizite - und begründete sie mit Fehldrucken von Ausweisen.

Die GPA verglich die Aufträge an die Bundesdruckerei mit den Fallzahlen der Meldestelle - und zog zeitweise sogar eine Strafanzeige in Betracht, berichtete eine Beamtin der Behörde vor Gericht. Die 32-jährige Angeklagte kam dem aber zuvor, als sie sich stellte.

Die GPA hatte in ihren Prüfbericht 2016 außerdem schon von „Mängeln in der verwaltungsinternen Kontrolle“ gesprochen. Nur so sei ein solcher Unterschlagungsfall möglich geworden.

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