30 Minuten für die Statistik

Zensus-Endspurt

Endspurt für die Zensus-Beauftragten in Lünen. Der Großteil ihrer Arbeit ist erledigt. Nach der anfänglichen Skepsis bei den Verantwortlichen ist Alltag eingekehrt bei der Volksbefragung. Der "Zeitgeist", so die Bilanz, habe wohl geholfen.

LÜNEN

von Von Matthias Dersch

, 02.08.2011, 12:19 Uhr / Lesedauer: 1 min

Knapp 6000 Lüner Haushalte und 750 Anschriftspflichtige in Sonderbereichen, etwa Seniorenheimen, wurden seit Mai von 62 Zensus-Beauftragten befragt. Über 90 Prozent der Befragungen seien erfolgreich abgelaufen, berichtet Bredewell. „In den kommenden Wochen treten wir an die Menschen heran, die bislang noch nicht auf unsere Schreiben reagiert haben.“ Dieter Müller war einer der 62 Beauftragten, die in Lünen von Tür zu Tür gingen. Auch der 39-Jährige hat fast ausschließlich positive Erfahrungen mit den 108 Bürgern gesammelt, für die er zuständig war. „Ich wurde in der Regel freundlich empfangen. Oft kam nach den Interviews die Reaktion: Ach, das war es schon?“ Zehn bis 30 Minuten habe er pro Interview benötigt, „je nachdem, wie viele Geschichten aus ihrem Leben die Befragten noch nebenbei zum Besten geben wollten“.

7,50 Euro erhielt er pro abgeschlossenem Interview, dazu 2,50 Euro für jeden Verweigerer und jeden eingesendeten Fragebogen „seiner“ Bürger. „Den Stundenlohn darf man allerdings nicht aufrechnen“, meint er, „den häufig musste ich mehrmals kommen, bis das Interview klappte.“ In einem vierstündigen Seminar waren Müller und seine Kollegen vor dem Start der Befragungen auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. „Da ging es auch um Deeskalation und darum, wie man richtig auf Proteste reagiert“, berichtet Dirk Bredewell.

Müller benötigte die gelernten Taktiken nicht, bei ihm lief alles glatt. Als Begründung vermutet Bredewell den Zeitgeist:  Die Menschen seien es mittlerweile gewohnt, im Internet von sich zu erzählen. Der Zensus sei dagegen nichts. „Auf Google finden sie mehr über sich, als wir wissen wollten.“

Lesen Sie jetzt