Engin Ergün ist der Geschäftsführer von 4Bro, hier hat er einen eher gewöhnlichen Zitronen-Eistee aus der Produktpalette dabei. © Sabine Geschwinder
Lüner Firma

4Bro aus Lünen will Studio für Streams mit bekannten Rappern errichten

Mit Eistee in Bubblegum-Geschmack und Snacks mit Sucuk-Flavour ist das Lüner Start-Up 4Bro inzwischen ziemlich bekannt geworden. Nun will die Firma sogar ein eigenes Studio einrichten.

Als der Dortmunder Engin Ergün im April 2020 sein Start-up 4 Bro in Lünen-Horstmar an der Scharnhorststraße gründete, hatte er eine ganz spezielle Zielgruppe vor Augen. So genannte Bros (und ihr weibliches Pendant Sis). Multikulturell, urban, deutsch – mit oder ohne Migrationshintergrund. Jungs, die Sport mögen und gern zum Barber-Shop gehen und Mädels, die das Nagelstudio mögen. Allesamt mit einer Vorliebe für Produkte mit schickem Design und ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen. So beschrieb es Engin Ergün jedenfalls vor rund einem Jahr.

Inzwischen finden sich seine Produkte – zum Beispiel Eistee mit Chili-Mint-Geschmack oder Snacks mit Sucuk-Flavour – in Supermärkten und Tankstellen in ganz Deutschland. Rewe, Familia, Globus, Shell, unter anderem dort findet man diese Produkte. Es läuft gut, für die Lüner Firma, die zum Unternehmen „Ethno IQ“ aus Horstmar gehört. Im Startjahr 2020 fuhr sie laut Geschäftsführer Engin Ergün 20 Millionen Euro Umsatz ein. 2021 sollen es laut bisherigen Prognosen zwischen 80 bis 100 Millionen Euro Umsatz werden.

Bei Instagram haben 91.000 Menschen die Werbeseite von 4-Bro abonniert, bei der etwas jüngeren Plattform TikTok sind es 293.000. Ex-DSDS-Gewinner und Reality-Soap-Darsteller Pietro Lombardi hat bereits mit dem Unternehmen kooperiert, oder der Fußballer Karim Bellarabi, der bei Bayer Leverkusen spielt.

Auch außerhalb der Zielgruppe Erfolg

„Die Mischung aus Authentizität, plus Bro-Ansprache und das Produkt selbst haben dazu geführt, dass die Nachfrage immer weiter gestiegen ist“, sagt Engin Ergün im Gespräch mit der Redaktion. Ein bisschen überrascht wurde er durch den Erfolg aber auch.

„Wir hatten uns das Potential ausgerechnet. Was uns aber gefreut hat ist, dass das Produkt auch Menschen anspricht, die nicht unbedingt zur Bro-Community gehören“, sagt er. So erzählt Ergün wie er in seinem Stammsupermarkt eine etwa 80-jährige Frau erblickte, die den 4Bro-Eistee mit Bubble-Gum-Geschmack im Einkaufswagen hatte. „Ist das für Ihre Enkelin“, wollte er wissen. „Nein, junger Mann. Das ist für mich. Ich mag Bubble-Gum“, antwortete ihm die Dame, wie Engin Ergün es erzählt. Sie sei aber tatsächlich durch ihre Enkelin auf den Geschmack gekommen.

„Einen Nerv getroffen“

„Ich glaube, wir haben einen Nerv getroffen“, sagt Engin Ergün. „Ich glaube, dass viele Unternehmen – gerade im Bereich Food – andere Zielgruppen finden müssen, um weiter zu wachsen“, sagt er.

Engin Ergün im Firmensitz im Horstmar – das Graffiti im Hintergrund gehört dazu. © Service Plan PR © Service Plan PR

Der Spiegel hatte schon 2006 darauf hingewiesen, dass besonders die türkische Community eine kauffreudige Gruppe ist, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Werbung nicht wirklich wiederfinde. Das hat sich inzwischen geändert. Schließlich hatten 2019 laut Statistischem Bundesamt 21,2 Millionen Deutsche einen Migrationshintergrund. Die größte Gruppe unter ihnen die türkische Community mit 13 Prozent. Das hatte auch das Mutterunternehmen von 4Bro, Ethno IQ, erkannt und ab 2005 Unternehmen darin beraten, wie sie die türkische Community erreichen. 2010 ist es in den Großhandel eingestiegen.

Eine eigene Zielgruppe

Engin Ergün glaubt, dass er mit seiner Zielgruppe der „Bros“ eine ganz eigene Zielgruppe gefunden habe, dafür spreche auch der aktuelle Erfolg der Firma. Aber nicht nur der eigene: Auch Influencer zeigten, wie man durch eine andere Ansprache des Publikums Erfolg am Markt haben könne. Beispiel, der erfolgreiche Rapper Capital Bra, der selbst eine Eistee-Marke auf den Markt gebracht hat.

Parallel verfolgt das Lüner-Unternehmen aber noch einen weiteren Plan: Es will im Geschäftsgebäude in Horstmar ein eigenes Studio errichten. 800 bis 1000 Quadratmeter soll es groß sein. „Wir nennen das die 4Bro-Studios“, erklärt Engin Ergün. Geplant ist, dass Sendungen beim Streaming-Anbieter Twitch ausgestrahlt werden. Serienformate wie „Schlag den Bro“ mit bekannten Rappern oder Fußballern seien in Planung. „Da haben wir einiges vor“, sagt Engin Ergün. Und noch etwas plant die Firma: „Wir werden auch ein eigenes Tonstudio darin haben, weil wir junge Talente fördern wollen“, erklärt Engin Ergün. Denn: „Bros sind unheimlich kreativ“, ist er überzeugt.

Neben den Studios soll auch noch ein Gastronomie-Bereich entstehen, wo es Burger und Sandwiches gibt. Genutzt werden kann der dann, anders als die Studios, wo es nur begrenzten Zugang geben wird, von allen Bürgerinnen und Bürgern. „Da kann jeder kommen“, sagt Engin Ergün. Die Arbeiten dafür sollen schon in dieser Woche starten.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
Zur Autorenseite
Sabine Geschwinder

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.