50 Jahre Lüner Firmengeschichte gehen zu Ende: Boutique Yvonne schließt

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50 Jahre in weiblicher Familienhand: Die Boutique Yvonne, zuletzt an der Langen Straße. Doch jetzt wollen die Inhaberinnen Neues wagen und schließen ihr Modegeschäft.

Lünen

, 19.10.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Ende Dezember in der Langen Straße 58 die Lichter ausgehen, dann endet eine jahrzehntelange Ära Lüner Firmengeschichte, die sich über mehrere Generationen hinzieht. Das „modische Quartett“ Hille und Bianca, Claudia und Michelle wird das Modehaus „Boutique Yvonne“ in der Lippestadt schließen, sich neu orientieren und danach, das ist jedenfalls ihre Absicht, „zu neuen Ufern“ aufbrechen.

Geschichte der Boutique begann vor fünfzig Jahren

Die Geschichte des Traditionshauses begann vor etwa fünfzig Jahren im Dortmunder Vorort Bodelschwingh. Dort eröffnete die Oma Hildegard die kleine Boutique „Yvonne“. Nach deren plötzlichem Tod übernahm die Tochter „Hille“ das Geschäft, eröffnete später ein Modehaus im größeren Mengede. „Doch als geborene Lünerin wollte ich in meiner Heimatstadt tätig werde“, sagt sie. So orientierte sie sich in Richtung Lünen.

Im neu errichteten Lippezentrum etablierte sie ein Sportgeschäft, das nicht nur Privatkunden, sondern auch namhafte Lüner Vereine mit Sportutensilien versorgte. Doch ihre Liebe galt der Modebranche. In der Lange Straße eröffnete sie wieder unter dem Namen „Yvonne“ eine Boutique. Mit ihrer Tochter Claudia führte sie nun zwei Geschäfte. Nach einem schweren Unfall in England fiel Hille Greis zwei Jahre aus und musste das Sportgeschäft schließen.

Mutter und Tochter führten Unternehmen gemeinsam

Als Tochter Claudia heiratete und nach Hamburg zog, entstand wiederum eine Lücke. Jetzt sprang die zweite Tochter Bianca in die Bresche. Seitdem führten Mutter und Tochter gemeinsam das Unternehmen und boten damit Beratungskompetenz für Jung und Alt an, wobei einmal der Standort von der einen auf die andere Straßenseite verlegt wurde. Der Ablauf des dortigen Mietvertrages brachte 1990 ein vorläufiges Aus.

Doch sowohl Senior- als auch Juniorchefin fühlten sich noch zu jung, um die Hände in den Schoß zu legen. Auch auf Drängen ihrer ehemaligen Kunden eröffneten sie jetzt mit Unterstützung von Enkelin bzw. Nichte Michelle vor knapp drei Jahren auf der Langen Straße wieder eine Boutique Yvonne, ein Name, den Hille Greis verinnerlicht hat und mit dem sie genauso oft angesprochen wird, wie mit ihrem eigenen.

Eine Website oder einen Internetauftritt der Boutique wird man vergeblich suchen. Was die Boutique bis heute ausmacht, ist die persönliche Beziehung zu den Stammkundinnen, sind neben der typgerechten Beratung die Kommunikation und der Meinungsaustausch. Wegen der „puren Herzlichkeit“ wurde aus so mancher Laufkundin eine Dauerkundin, die auch gerne mal zu einem „Pläuschken“ hereinkommt.

Besonderen Wert haben die Inhaberinnen immer auf modischen Chic und Aktualität gelegt, wie sie betonen. Auch Frauen, die ohne Traumfigur modisch gekleidet sein wollen, hätten immer etwas Passendes gefunden. Neben attraktiven Kleidungstücken werden beim Räumungsverkauf ab sofort auch attraktive Preise mit Rabatten bis 70 Prozent geboten, denn bis zum 31. Dezember „muss alles raus“.

Warum fiel die Entscheidung zur Geschäftsschließung?

Warum fiel die Entscheidung zur Geschäftsschließung? „Corona konnte uns nicht entmutigen“, betont Bianca Greis, „wir waren gerne in Lünen, aber besonders meine Nichte Michelle hat Ideen im Kopf, die hier nicht zu realisieren sind.“ Sie überlegt, sich in Richtung Designerwaren zu orientieren und den Tätigkeitsbereich in Großstädte in Europa zu verlagern. Claudia und Bianca werden dann ihr Know-how zur Verfügung stellen.

Seniorin Hille Greis erwägt, ihre Heimat zu verlassen, und sich in Richtung Marbella, dem Wohnsitz von Claudia, zu orientieren. Und nicht ohne Sentimentalität fügt sie hinzu: „Ein Dankeschön an unsere Stadtväter, die Lünen attraktiv gemacht haben. Und natürlich an alle Kunden, die uns in den vielen Jahren begleitet haben.“

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