84-Jähriger ist plötzlich Mitglied und will es gar nicht sein

mlzHaustürgeschäft

Erhard Eul hat einem Werber die Haustür geöffnet. Bald bekam er Post und wurde als neues Mitglied des Arbeiter-Samariter-Bundes begrüßt. Dabei hatte er nichts unterschrieben, sagt Eul.

Gahmen

, 01.01.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war vor etwa drei Wochen. Da seien zwei Männer in Lünen-Gahmen unterwegs gewesen. Sie waren gelbrot gekleidet. Einer klingelt auch bei Erhard Eul (84). Aufgrund der Farben „dachte ich, der sei vom ACE (Auto Club Europa), in dem ich Mitglied bin.“ Sonst hätte er den Mann gar nicht hereingelassen. Doch der kam im Auftrag der Hilfsorganisation Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). „Ich habe kein Geld übrig und wollte dort auch nicht Mitglied werden“, erklärt Eul.

Post mit Zahlungsaufforderung

Wenig später allerdings erreicht ihn Post vom ASB. Unterschrieben war der Brief unter anderem von ASB-Präsident Franz Müntefering. Der bedankt sich, dass Erhard Eul der Organisation hilft, zu helfen. Eine Plastik-Mitgliedskarte war dabei. Ausgestellt auf Erhard Eul ab 1.1.2019 für die ASB-Gliederung NW/Mittleres Westfalen. Auf dem Brief stand hinter der aufgeklebten Karte eine Kontonummer und: Zahlungsweise jährlich 120 Euro.

Streit um Unterschrift

Erhard Eul ist entsetzt. „Ich hatte nicht unterschrieben und keinen Auftrag erteilt“, erklärt er. Auch seine Kontonummer habe er nicht angeben. Er meldete sich telefonisch beim ASB. Dort hieß es, er hätte unterschrieben. Doch die Organisation lenkte sofort ein: Die Mitgliedschaft würde sich somit erledigen.

Erhard Eul ist trotzdem beunruhigt. Eine Bestätigung hatte er bis Montag (17. Dezember) nicht erhalten.

Stornierung ist auf dem Weg

Auf Nachfrage hieß es beim ASB, dort läge seine Unterschrift zur Beitrittserklärung vor. Die Mitarbeiterin aus der Mitglieder-Service-Stelle, die sich als Frau Lehmann vorstellte, erklärte auch, dass Eul seine Bankdaten angegeben hätte. Allerdings sei die Mitgliedschaft nach seinem Anruf storniert worden, die Bestätigung käme per Post. Da Eul am 13. Dezember angerufen hätte, brauche die Organisation eine gewisse Bearbeitungszeit.

Anzeige bei der Polizei aufgegeben

Weil Eul sicher ist, nicht unterschrieben und keine Bankdaten herausgegeben zu haben, hat er bei der Polizei Anzeige erstattet. Die bestätigt auf Nachfrage den Eingang. Aus der Pressestelle heißt es: „Wir ermitteln gegen unbekannt.“

Die Verbraucherberatung in Lünen rät grundsätzlich davon ab, etwas an der Haustür zu unterschreiben. „Selbst wenn es für eine gute Sache oder soziale Organisation ist“, so Beraterin Pia Blödow.

Verbraucherberatung warnt vor Haustürgeschäften

An der Haustür sei man nicht vorbereitet und könne sich so schnell keine Gedanken machen. Besser wäre es, selbst auf Organisationen zuzugehen, wenn man sie unterstützen möchte. „Hat man das Gefühl, man wird die Werber nicht los, kann man auch die Polizei rufen.“

Dass Bürger Schwierigkeiten mit Haustürgeschäften von Hilfsorganisationen hätten, käme in Lünen eher selten vor. Größere Probleme gebe es mit Werbern für Strom- und Gas- oder Telefon- und Internetanbieter, so Pia Blödow.

Widerspruch per Einschreiben

Wenn man doch ungewollt etwas unterschrieben habe, sei es wichtig, die Mitgliedschaft zu bestreiten und den Brief als Einschreiben zu versenden, um einen Nachweis zu haben, rät die Verbraucherberatung.

  • Der Arbeiter-Samariter-Bund hat nach eigener Aussage 1,3 Millionen Mitglieder. Sie unterstützen mehr als 60.000 freiwillige und hauptamtliche Mitarbeiter.
  • Diese sind in sozialen bereichen aktiv: Sie retten leben, helfen in Krisengebieten, pflegen senioren, betreuen Kinder und unterstützen Menschen mit Behinderungen.
  • Mitglieder können von zusätzlichen Angeboten wie beispielsweise ein kostenloser Erste-Hilfe-Jahresgutschein und kostenloser Rückholdienst aus dem Ausland profitieren.
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