Marlene Heide weiß noch nicht, was sie nach dem Abitur machen möchte. © Marlene Heide
Schule und Corona

Abiturientin in Corona-Krise: „Ich habe eher Angst vor der Zeit nach dem Abi“

Prüfungen mit Abstand, Einheitsabitur oder Nachteilsausgleich. Vieles für das diesjährige Abitur liegt noch im Dunkeln. Eine Lüner Abiturientin erzählt, wie es ihr mit dem Corona-Abitur geht.

Marlene Heide ist 17 Jahre alt und macht in einigen Monaten voraussichtlich ihr Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Seit mehr als einem Jahr erlebt sie immer wieder, wie die Schulen in den Lockdown gehen, Schüler in Quarantäne sind und Homeschooling zum neuen Status quo wird. Auch wenn viel Unterricht in seiner normalen Form ausgefallen wird, macht sich die junge Frau noch keine Sorgen um die eigentlichen Prüfungen: „Angst hab ich eigentlich nicht. Ich hab eher ein bisschen Angst davor, wie das alles so danach wird, weil man jetzt ja nicht genau einschätzen kann, ob man zum Beispiel ins Ausland kann oder irgendwie Praktika machen kann.“

Mit dem Lernen hat Marlene Heide noch nicht begonnen: „Ich habe noch alle Lernzettel von den letzten Klausuren. Heißt, ich müsste quasi nur Zeit einplanen, um wirklich reine Lernzeit zu haben.“ Die Lehrer würden in ihren Augen auch versuchen, den Stoff, der ausgefallen sein könnte, möglichst gut aufzuholen. Auch das Land kommt den Schülern entgegen: „Die Vorgaben wurden auch ein bisschen abgeändert, sodass man in Sprachen einen Prüfungsvorschlag mehr hat.“

Homeschooling kann helfen

Das Homeschooling findet die 17-Jährige gar nicht so schlimm wie seinen Ruf: „Das ist total vom Lehrer abhängig. Wenn das alles reibungslos läuft, dann ist das richtig gut.“ Teilweise sei durch die Stille und Abgeschiedenheit zu Hause auch die Lernatmosphäre besser: „Teilweise bin ich dann produktiver als im Unterricht, weil es leiser ist und man sich besser konzentrieren kann.“ Langsam hätten sich sowohl Schüler wie Lehrer an den neuen Unterricht gewöhnt.

Die Entscheidung, was man nach dem Abitur machen möchte, ist für Marlene Heide die eigentliche Herausforderung: „Das war es, was mir so gefehlt hat, dass man keine praktische Erfahrung sammeln konnte und jetzt trotzdem eine Entscheidung treffen muss oder zumindest sollte.“ Was genau sie nach dem Abitur machen will, weiß die junge Lünerin noch nicht. An mangelndem Interesse für verschiedene Studienfächer wird es auf jeden Fall nicht scheitern: „Ich finde Medizin tatsächlich interessant oder Jura. Das waren so die beiden Richtungen, die mich sehr interessieren. Auch so was wie International Business ist total spannend.“

Vom Abiball schon verabschiedet

Zum Abitur gehört auch der Abiturball. Der ist für den letzten Jahrgang ganz ausgefallen. Auch die Abiturienten 2021 machen sich keine großen Hoffnungen: „Das wäre eine riesige Veranstaltung. Ich glaube, das kann man dann in der Form nicht so durchführen, zumindest nicht ohne Maßnahmen. Wir haben das alle auch schon verarbeitet und für uns abgeschrieben, damit der Schock nicht so groß ist, wenn es dann wirklich nicht funktionieren sollte.“

Fotostrecke

Neue Hobbys während Corona: Abiturientin malt

Auch das Privatleben von Marlene Heide wurde auf den Kopf gestellt. Besonders schwer fällt es ihr, dass ihr selbst gegründeter Fußballverein wegfällt: „Ich habe jetzt zehn Jahre Fußball gespielt. Ich habe die Mannschaft mit zwei sehr guten Freundin gegründet. Das war schon immer ziemlich cool. Wir haben uns das selber aufgebaut, das war unser Baby.“ Mit Corona hat sich die Mannschaft aufgelöst. Andere Hobbys sind durch Corona wieder in den Vordergrund gerückt: „Als die Maßnahmen im Sommer ein bisschen gelockert waren, habe ich einen Malkurs an der Ostsee besucht.“

Das Malen hilft Marlene Heide die Sorgen und Corona ein bisschen zu vergessen: „Es beruhigt auf irgendeine Weise. Man kann diesem Trubel mit Corona hier und da entkommen. Ganz fokussiert und konzentriert kann man dann die Welt außen ausblenden.“ Es ginge ihr gar nicht darum, Corona zu verdrängen, es sei einfach schön, mal den Kopf freizubekommen.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
Zur Autorenseite
Nora Varga

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.