Abriss oder Umbau? Lünen plant Flüchtlingsunterkunft in Kielhornschule

mlzBauen in Lünen

An vier Stellen in der Stadt Wohnraum für Flüchtlinge schaffen: Diesen Plan verfolgt Lünen seit 2014. Fertig ist bislang nur ein Neubau in Horstmar. Jetzt zieht ein Projekt in Lünen-Süd nach.

Lünen

, 06.07.2020, 14:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fahrplan steht seit sechs Jahren. 2014 hatte der Rat der Stadt Lünen beschlossen, Flüchtlinge künftig dezentral unterzubringen - in vier neuen Übergangswohnheimen über die ganze Stadt verteilt. Wo sie sein werden, steht seit 2016 fest. Gebaut und bezogen ist aber erst eines: das Haus Querstraße 20 in Horstmar für bis zu 50 Menschen. Das nächste Bauprojekt soll jetzt folgen. Bis die Bauarbeiten beginnen können, ist aber eine Grundsatzfrage zu klären.

Die Suche nach der wirtschaftlichsten Lösung

Abreißen und neu bauen oder im Bestand umbauen? Was die beste - und das heißt für die finanziell klamme Stadt Lünen auch: die wirtschaftlichste - Lösung ist am ehemaligen Förderschulstandort Heinestraße 27, ist noch offen. Fest steht: Das künftige Gebäude soll nicht nur das Zeug haben, geflüchteten Menschen als Wohnraum dienen zu können. Auch an eine spätere Nutzung für andere Wohnzwecke ist gedacht.

Modern, hell und integriert im Quartier: So sieht die erste von vier neuen Flüchtlingsunterkünften aus -  der Neubau an der Querstraße in Horstmar.

Modern, hell und integriert im Quartier: So sieht die erste von vier neuen Flüchtlingsunterkünften aus - der Neubau an der Querstraße in Horstmar. © Sylvia vom Hofe

Dass der mehr als 100 Jahre alte imposante Backsteinbau der 2013 aufgegebenen Kielhornschule grundsätzlich als Wohngebäude umgenutzt werden kann, hatte das Architekturbüros Winkler und Partner aus Dortmund der Stadt Lünen bereits mitgeteilt. Ob ein Neubau aber günstiger wäre, ist noch zu klären.

Entscheidung soll im November fallen

Entscheidend ist dabei die Frage, wie stabil der Dachstuhl ist, ob eine energetische Sanierung denkbar ist und welche Schadstoffe in der Vergangenheit verbaut wurden. Bis November will die Stadt Klarheit haben, damit der Rat entscheiden kann.

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Dass sie geflüchtete Menschen eine erste Bleibe in Lünen bieten kann, beweist die Kielhornschule bereits seit Ende 2015. Damals war die Zahl von Menschen, die in Deutschland und einigen anderen EU-Mitgliedstaaten Schutz vor Krieg, Verfolgung und Not suchen, stark angestiegen. Auch Lünen musste auf die Schnelle zusätzliche Plätze schaffen - 70 davon in der leer stehenden Kiehlhornschule. So viele sollen es künftig nicht bleiben.

Wohnraum für bis zu 50 Personen

Der erste Entwurf des Architekturbüros für einen Umbau sieht auf den drei Schul-Etagen zwölf Wohneinheiten unterschiedlichen Zuschnitts (50 bis 84 Quadratmeter) vor für bis zu 50 Mensche. Jede Wohnung soll laut Entwurf einen Freisitz bekommen.

Die Kita Kleiner Kreisel e. V. soll erst einmal auch weiterhin das Haus an der Schulstraße nutzen können. Die Stadt hält aber daran fest, dort mittelfristig eine Flüchtlingsunterkunft zu schaffen.

Die Kita Kleiner Kreisel e. V. soll erst einmal auch weiterhin das Haus an der Schulstraße nutzen können. Die Stadt hält aber daran fest, dort mittelfristig eine Flüchtlingsunterkunft zu schaffen. © Sylvia vom Hofe

Eine der Wohnungen könnte als Gemeinschafts- und Multifunktionsraum sowie als Büro für die Sozialbetreuung und für den Hausmeister genutzt werden. Damit würden rund 700 Quadratmeter an Wohnfläche verbleiben, wie die Verwaltung dem Ausschuss für Bürgerservice und Soziales mitteilte. Rechnerisch stünden bei einer Belegung mit 50 Menschen jeder Person 14 Quadratmeter zur Verfügung.

Wohnanlage in Gahmen soll möglichst aufgegeben werden

Bedarf an Wohnraum für geflüchtete Menschen besteht auch dann noch, wenn einmal die Unterkunft Kielhornschule - wie auch immer - fertig gestellt sein wird.

Zurzeit habe die Stadt 553 Menschen in Lünen untergebracht, teilte die Verwaltung mit: neben Geflüchteten auch obdachlose Menschen. Das Land könne im Bedarfsfall Lünen 279 weitere geflüchtete Menschen zuweisen. „Wir brauchen mehr Kapazitäten“ - auch weil die Stadt im Wort stehe, alte Einrichtungen aufzugeben.

Eine von vier Flüchtlingsunterkünften soll auf dem Gelände der Hauptschule Wethmar entstehen.

Eine von vier Flüchtlingsunterkünften soll auf dem Gelände der Hauptschule Wethmar entstehen. © Sylvia vom Hofe

Die Wohnanlage „Auf dem Ringe“ in Gahmen, die größte Wohnanlage der Stadt für mehr als 150 Geflüchtete, solle aufgegeben werden - oder zumindest deutlich verkleinert, wie es in der Ausschusssitzung hieß. Sie besteht aus neun Wohnhäusern. Drei davon dienen zur Unterbringung von obdachlosen Menschen, die übrigen sechs als Flüchtlingsunterkunft.

Wohnungen in Kita und Hauptschule

Um Gahmen entsprechend zu entlasten, seien zwei weitere neue Bauprojekte nötig: auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule Wethmar und auf dem Grundstück Schulstraße 10. Dort ist zurzeit die Kita „Kleiner Kreisel“ untergebracht: eine Nutzung, die vorerst auch noch andauern werden, so die Verwaltung.

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