Häuser an der Virchowstraße verschwinden: Wie sich das Quartier in der Geist verändert

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Das Quartier in der Geist wird moderner. Vivawest lässt 18 Häuser mit 135 Wohnungen an der Virchowstraße abreißen und will neu bauen. Wie hoch die Miete sein wird, sagt Vivawest noch nicht.

Lünen

, 18.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Mai 2019 bohrt sich der Abrissbagger an der Virchowstraße durch Gebäude, die 1955 und 1956 gebaut worden waren. Ende April soll von den 18 Mehrfamilienhäusern mit 135 Wohnungen nichts mehr zu sehen sein.

Das Wohnungsunternehmen Vivawest hat sich für die radikale Lösung entschieden, weil die Häuser auch nach energetischer Modernisierung keinen aktuellen Wohnstandard erreicht hätten.

So sollen die neuen Miet-Einfamilienhäuser an der Virchowstraße aussehen.

Der Abrissbagger hat an der Virchowstraße 49-45 ganze Arbeit geleistet. © Quiring-Lategahn

Zumindest nicht, was „Schallschutz, Komfort und Barrierefreiheit angeht. Die Grundrisse entsprachen nicht mehr den heutigen Wohnbedürfnissen“, erklärt Unternehmenssprecher Gregor Boldt auf Anfrage.

Stattdessen soll an der Virchowstraße für 17 Millionen Euro neu gebaut werden. Das Quartier wird moderner, aber wohl auch teurer. „Zu den Mietpreisen können wir zum aktuellen Stand noch keine Auskunft geben“, heißt es im Hinblick auf die Neubauprojekte an der Virchowstraße.

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In der Geist geboren und geblieben

Inge Snehotta (86) hat 60 Jahre an der Virchowstraße 71 gewohnt. Dort ist heute nur noch ein Loch zu sehen. Als der Bagger die Wände einstürzen ließ, kamen ihr die Tränen. Sie verbindet viele Erinnerungen mit dem Haus. Nach ihrer Hochzeit zog sie ein, ihre beiden Kinder wurden dort groß.

Die Nachbarschaft war gut und hält noch heute Kontakt. „Ich bin in der Geist geboren, ich wollte hier bleiben“, berichtet sie. Vivawest habe ihr eine andere Wohnung im Quartier zur Verfügung gestellt. Die habe genauso viele Quadratmeter, aber weniger und größere Zimmer. Sogar ein Aufzug sei im Haus.

Ein Blick auf die geplanten Mehrfamilienhäuser an der Virchowstraße.

Ein Blick auf die geplanten Mehrfamilienhäuser an der Virchowstraße. © HHVISION

Dort, wo Inge Snehotta gewohnt hat, wird sich das Ortsbild verändern. Vivawest will an der Virchowstraße in drei Abschnitten 81 frei finanzierte Mietwohnungen bauen. „Im ersten und dritten Bauabschnitt sind neun beziehungsweise 18 Einfamilienhäuser zur Miete geplant, im zweiten Bauabschnitt 54 Wohnungen in drei schwellenlosen Mehrfamilienhäusern“, teilt Gregor Boldt mit.

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Die Baugenehmigung für den ersten Bauabschnitt liege bereits vor, der Antrag für den zweiten sei gestellt. Im Sommer 2021 sollen die Einfamilienhäuser des ersten Bauabschnitts fertig sein, Baustart ist für Anfang März 2020 geplant. Vivawest rechnet nach derzeitigem Stand damit, dass die Mieter des zweiten und dritten Bauabschnitts im Januar und Juni 2022 einziehen können.

Friedrichstraße: Mieter schon eingezogen

Nicht nur an der Virchowstraße, auch an der Friedrichstraße lässt Vivawest bauen. Hier ist man allerdings einen Schritt weiter. Erste Mieter sind schon im Februar in die drei Mehrfamilienhäuser mit 43 Wohnungen eingezogen. Für 11 Millionen Euro werden hier insgesamt 62 Neubauwohnungen errichtet. Ein Mehrfamilienhaus mit 19 Wohnungen soll Ende März fertig werden. „Ab Mai können dann auch hier die Mieter einziehen“, erklärt Gregor Boldt.

Neue Wohnungen hat Vivawest an der Friedrichstraße/Behringstraße errichtet.

Neue Wohnungen hat Vivawest an der Friedrichstraße/Behringstraße errichtet. © Quiring-Lategahn

Die zwei bis vier-Zimmer Wohnungen sind zwischen 51 und 114 Quadratmeter groß und sowohl für Familien als auch für Senioren gedacht. Elektrische Rollläden, Gegensprechanlagen, Fußbodenheizung sowie bodengleich geflieste Duschen gehören zur Ausstattung. Alle Häuser haben einen Aufzug und werden über Fernwärme beheizt.

9,52 Euro Miete pro Quadratmeter

Die durchschnittliche Nettokaltmiete der Vivawest-Neubauten an der Friedrichstraße liegt nach Unternehmensangaben bei 9,52 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt ergänze Vivawest durch die Neubauten das vorhandene Wohnungsangebot von 1008 Wohnungen im Quartier in der Geist, heißt es seitens der Unternehmens.

Früher, erinnert sich Inge Snehotta, habe es in der Geist einen Bäcker, eine Post und einen Lebensmittelladen gegeben. Die mussten schließen. Inzwischen sind die Wege zum Einkaufen weiter geworden.

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