Als die Bomben fielen: Kinderlandverschickung in die Provinz

LÜNEN April 1943 - alliierte Bomber kreisen über der Stadt. Für viele Mädchen und Jungen bedeutete das: Raus aus Lünen, mit der Kinderlandverschickung in die idyllische Provinz. Karl Wittken und seine Klassenkameraden kamen in die Oberpfalz. Jetzt - 65 Jahre später - trafen sie sich zum ersten Mal wieder.

von Von Dieter Hirsch

, 19.03.2009, 10:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

15 dieser 60 Jungen trafen sich in dieser Woche erstmals wieder. Wittken hatte sie ausfindig gemacht und zusammen getrommelt. Und natürlich hatten sie viel zu erzählen über die Zeit in Ensdorf. Die Kinderlandverschickung war kein Urlaubsausflug. „Wir hatten mit jeweils 18 Jungen einen Schlafsaal mit Dreistockbetten belegt. Morgens wurden wir mit einer Trillerpfeife geweckt“, erzählt Karl Wittken. Nach dem Frühstück war Unterricht angesagt. Nachmittags musste geputzt werden, Socken wurden geflickt. „Es war ja niemand da, der das gemacht hätte.“ Regelmäßig wurde kontrolliert, ob die Jungen auch nach Hause schrieben. „Wir mussten auf den Feldern helfen, denn die Männer aus dem Dorf waren alle im Krieg“.

Den erlebten die Jungen dann doch noch. „Jeweils zu fünft wurden wir zurück in die Heimat geschickt. Als wir in Dortmund am Hauptbahnhof ankamen, haben wir unsern Augen nicht getraut. Alles zerstört. So etwas kannten wir gar nicht.“ In Dortmund entdeckten Karl Wittken und seine Freunde eine intakte Straßenbahn, mit der sie dann immerhin bis Brechten kamen. Den Rest mussten sie zu Fuß zurücklegen. „Natürlich war die Freude groß, als wir unsere Eltern wiedersahen.“ Und wie hat er das Kriegsende erlebt? Karl Wittken schaut aus dem Fenster. Sein Blick schweift über die Felder. „Wenn ich ihnen davon erzähle, sitzen wir in zwei Tagen noch hier.“ Anderes Kapitel, sagt er und winkt ab. Jetzt warten seine Kumpels aus der Kinderlandverschickung und freuen sich auf ein vergnügtes Treffen.

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