Ein 38-jähriger Mann stand wegen Verstößen gegen ein Kontaktverbot und einem Diebstahl vor dem Amtsrichter. © Goldstein
Amtsgericht

Angeklagter wusste angeblich nichts von Kontaktverbot zu Freundin

Verstöße gegen ein Kontaktverbot und ein missglückter Diebstahl brachten einen 38-Jährigen vors Gericht. Seiner Freundin durfte er sich nicht nähern, was er angeblich nicht wusste.

Trotz Kontaktverbots tauchte ein Lüner vor der Tür seiner Ex-Freundin auf. Auch ließ er im Supermarkt Schnaps mitgehen. Vor Gericht betonte der 38-Jährige nun, dass er sein Leben wieder in den Griff kriegen wolle. Die Chance dazu erhielt er.

Mitte September 2019 erwirkte die Freundin des Lüners am Amtsgericht ein umfassendes Kontaktverbot. Diese Verfügung untersagte es dem 38-Jährigen, sich der Frau oder ihrer Wohnung auf weniger als 20 Meter zu nähern.

Laut Anklage hielt er sich daran allerdings nicht. An zwei Tagen im Januar und Februar tauchte er trotzdem an ihrer Anschrift auf und beging damit zwei Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz. Darüber hinaus wurde er am 12. September offenbar erwischt, als er in einem Geschäft an der Borker Straße eine Flasche Hochprozentiges für 4,84 Euro in die Hosentasche steckte.

Vor dem Amtsgericht ergriff nun zunächst der Verteidiger das Wort für den Lüner. Er erklärte, sein Mandant, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist, habe die Anordnung des Gerichts während eines Aufenthalts im Krankenhaus erhalten – auf Deutsch und ohne Übersetzung. Er habe also gar nichts von dem Verbot gewusst, habe somit weder vorsätzlich noch fahrlässig gehandelt.

Angeklagter will seine Freundin zurück

Der Angeklagte selbst versicherte: „Ich wusste nicht, dass ich mir ihr nicht nähern durfte.“ Zudem sei er betrunken gewesen, habe nicht gewusst, was er tue. Überhaupt: „Ich liebe diese Frau. Ich wollte sie zurückgewinnen.“ Letzteres wolle er nach wie vor. „Ich hoffe, dass wir wieder zusammenkommen.“

Und dafür wolle er auch seine Sachen regeln, sei seit zwei Monaten etwa trocken. „Ich will beweisen, dass ich etwas wert bin.“ Tatsächlich scheint es zwischen ihm und der Frau wieder besser zu laufen. Sie unterstützt ihn bei seinen Vorhaben, eine Wohnung und eine Arbeit zu finden, will ihm außerdem helfen, wieder in den Besitz eines Passes zu kommen.

Flasche in Hosentasche gesteckt

Was den Diebstahl betraf, drückte sich der Lüner etwas nebulös aus. Damals sei er mit einem „Kollegen“ unterwegs gewesen und der habe ihm die Flasche in die Hosentasche gesteckt. An sich habe er sie bezahlen wollen. Aber so ganz genau wisse er nicht mehr, wie es gewesen sei.

Nach einem durchaus positiven Bericht seiner Bewährungshelferin entschieden Anklage und Gericht, ihm Gelegenheit zu geben, alles in Ordnung zu bringen. Die Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz wurden im Hinblick auf eine frühere Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe eingestellt und der Diebstahl brachte dem Lüner ebenfalls keine neue Strafe ein. Auch das Verfahren wurde eingestellt – jedoch mit der Auflage, dass er 60 Sozialstunden ableisten soll.

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