Anwohner des Tobiasparks und des Lippezentrums sorgen sich wegen gewalttätiger Übergriffe durch Jugendliche. © Quiring-Lategahn (A)
Bedrohung und Gewalt

Angst im Tobiaspark: Stadt und Polizei kündigen verstärkte Kontrollen an

Vor einem Jahr beklagten sich Anwohner des Tobiasparks über Ruhestörung und Vandalismus. Polizei und Ordnungsamt schritten ein, die Lage beruhigte sich. Doch nun kehren die Probleme zurück.

Ein 37-jähriger Lüner fühlt sich durch Jugendliche gestört – und beginnt eine verbale Auseinandersetzung. Am Ende fliegen die Fäuste, der Mann musste vom Rettungsdienst behandelt werden. Die Jugendlichen entkamen unerkannt. „Das Opfer war ein Familienvater“, sagt ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will, gegenüber unserer Redaktion. „Solche Bedrohungen und Übergriffe nehmen leider wieder zu.“

Die Tat ereignete sich im Gebäudekomplex des Lippezentrums, in unmittelbarer Nähe eines Modegeschäfts. Gleich gegenüber liegt der Tobiaspark, wo sich Anwohner nach eigenen Angaben ebenfalls wieder häufiger mit Ruhestörern und Randalierern herumärgern müssen. „Großfamilien, die auf dem Spielplatz sind, nutzen die Beete als Klo.“ Bei Kindern hätte man ja noch Verständnis, „wenn das Ganze nachher wenigstens entsorgt würde. Das passiert aber nicht.“ Stattdessen würde auch Müll achtlos weggeworfen. „Würden die WBL (Wirtschaftsbetriebe Lünen, d. Red.) hier nicht jeden morgen um halb sieben aufräumen, hätten wir garantiert die Ratten wieder hier.“

„Die eigentlichen Täter laufen weg“

Doch anhaltender Lärm in den Abendstunden und Vandalismus sind nur zwei Sorgen. Wer abends durch den Park geht, müsse auch Gewalt fürchten – wer Personen auf ihr Fehlverhalten hinweist, sowieso: „Jugendliche bedrohen hier täglich vor allem Frauen und ältere Menschen“, so der Anwohner. „An Karfreitag gab es sogar eine Massenschlägerei.“ Wenn dann die Polizei käme, würden die kontrolliert, die kaum beteiligt gewesen sind. „Die eigentlichen Täter laufen weg, werden nicht verfolgt und kommen davon.“

Die Anwohner befürchten, dass die alten Probleme zurückgekehrt sind. Auf einer Versammlung in der vergangenen Woche hätten viele ihre Angst zum Ausdruck gebracht. „Manche überlegen nun, wegzuziehen.“ Für andere wiederum sei das keine Option, doch sie fühlen sich erneut von der Stadt und der Polizei im Stich gelassen. „Vor einem Jahr hatten sie die Lage gut im Griff, da war es erträglich. Dann kam der Lockdown.“

Die Anwohner hätten Verständnis dafür, dass während der Corona-Pandemie die Ordnungskräfte hohen Belastungen ausgesetzt waren. „Und hier war es ja auch weitestgehend ruhig, weil sowieso keiner rausdurfte.“ Doch jetzt, nach diversen Lockerungen und mit besserem Wetter, wende sich das Blatt. „Wir hatten ja geahnt, dass es wieder schlimm würde. Aber so schlimm – damit haben wir nicht gerechnet.“ Einige Anwohner haben nun eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der sie bei der Stadtverwaltung Druck ausüben wollen. „Wir hatten auch schon Kontakt mir dem Bürgermeisterbüro. Dort hatte man uns zugesichert, dass man den verstärkten Einsatz des Ordnungsdienstes prüfen wolle.“

Sicherheitsdienst für den Tobiaspark

Das bestätigt auch Stadtsprecher Benedikt Spangardt am Mittwoch (9. Juni): „Mit den steigenden Temperaturen konnte in den letzten beiden Wochen festgestellt werden, dass das Nutzerinnen- und Nutzeraufkommen im Tobiaspark wieder zunimmt. Die Verwaltung hat daher entschieden, dass erneut ein Sicherheitsdienst mit der Kontrolle dieser und weiterer Örtlichkeiten beauftragt wird.“ Ferner erklärte Spangardt, dass dem Ordnungsamt aus der vergangenen Woche drei Beschwerden zum Tobiaspark vorlägen. Während der Pandemie habe man diesen Teil der Innenstadt jedoch nicht vernachlässigt: „Es war und ist zu jeder Zeit gewährleistet, dass wir den Beschwerden und Hinweisen der Bürgerinnen und Bürger nachgehen können.“

Auch die Polizei hat ein Auge auf Tobiaspark und Lippezentrum geworfen: „Die Probleme sind bekannt, wobei wir nicht sagen würden, dass es derzeit ausufert“, sagt Polizeisprecher Uwe Wortmann, „Aber die Polizei wird ihre Kontrollen hier in nächster Zeit verschärfen.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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