Arbeitslosigkeit sinkt - Zeitarbeit boomt

LÜNEN "Wir haben die Marke von 7000 gerissen." Annegret Lehnert, Leiterin der Agentur für Arbeit in Lünen, haben die Septemberzahlen regelrecht glücklich gemacht, wie sie betonte. 315 Arbeitslose weniger in Lünen und Selm als im August, das ließ die Gesamtzahl auf 6949 sinken. So wenige Arbeitslose wurden in beiden Städten zuletzt im Jahr 2002 gezählt.

von Von Peter Fiedler

, 27.09.2007, 15:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sehen sich als Partner am Arbeitsmarkt (v.l.): Peter Sadziss (ARGE Kreis Unna), Annegret Lehnert (Agentur für Arbeit) und die Vertreter der Zeitarbeitsfirmen Matthias Holzberger, Jörg Ostermann, Thomas Popp, Christina Michler und Wilfried Schubert.

Sehen sich als Partner am Arbeitsmarkt (v.l.): Peter Sadziss (ARGE Kreis Unna), Annegret Lehnert (Agentur für Arbeit) und die Vertreter der Zeitarbeitsfirmen Matthias Holzberger, Jörg Ostermann, Thomas Popp, Christina Michler und Wilfried Schubert.

Und noch etwas freut die Agentur-Chefin besonders: Lünen und Selm liegen nur noch ganz knapp über dem Durchschnitt von Nordrhein-Westfalen. In NRW beträgt die durchschnittliche Arbeitslosigkeit 12,2 Prozent, in Lünen uns Selm sind es 12,2. Ein weiterer Indikator für die konjunkturelle Erholung. Die schlägt gerade auch bei den Zeitarbeitsfirmen voll durch. "Ich würde einen guten Kraftfahrer einstellen, selbst wenn ich noch keinen Auftrag für ihn hätte. Der Auftrag wird kommen." Das sagt Matthias Holzberger für die Personal-Leasing und Beratung Axel Schmidt. 20 bis 25 Leute könne er zusätzlich gebrauchen. "Wir könnten einstellen ohne Ende", bestätigt Jörg Ostermann, Chef der gleichnamigen Firma aus Brambauer, die allein in Lünen 700 Menschen beschäftigt. Sein Disponent Thomas Popp wird konkreter: "50 Leute locker."

Schmuddelimage

Der Facharbeitermangel, er ist auch in der Zeitarbeitsbranche angekommen. Den flexiblen Service, Fachkräfte beim Zeitarbeitsunternehmen buchen zu können, nutzen immer mehr Firmen. Vor allem, wenn es Auftragsspitzen abzuarbeiten gilt. Aber auch längerfristig. "Ein Kunde müsste etwa zehn Bewerber sehen, um einen Mitarbeiter neu einzustellen. Diesen Aufwand nehmen wir ihm ab", betont Ostermann. Was ihn und seine Kollegen dreier weiterer Lüner Zeitarbeitsfirmen stört, ist das Schmuddelimage des Lohndrückers und Ausbeuters, das der Branche anhaftet. Heuern und feuern? Nicht bei Ostermann, versichert der Chef: "Die Fluktuation bei mir liegt unter drei Prozent, die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei über vier Jahren. Ich will meine guten Leute halten."

Mehr Geld als bei der Spedition

"Ich zahle meinen Leuten mehr Geld als sie in vielen Speditionen verdienen würden", betont Matthias Holzberger. Warum buchen dann Transportfirmen diese "teuren Leute" statt selbst "billigere" einzustellen? "Weil wir Spezialisten haben, weil wir flexibel sind, weil wir Ersatz bei Krankheit stellen", nennt Holzberger Gründe. "Die Arbeitskraft der Mitarbeiter ist unser Produkt, aber ich sehe vor allem die Menschen", sagt Christina Michler für die Zeitarbeitsfirma AMG. Seriös und nicht seriös, gesteht Ostermann zu, liegen in der Branche nah beieinander. Er weiß von Zeitarbeitsfirmen, die Löhne und Sozialleistungen schuldig bleiben, in die Insolvenz gehen, kaum dass sie gegründet worden. "Die müsste man bekämpfen", sagt er in Richtung Agentur für Arbeit. Dort setzt man auf Zusammenarbeit - mit den seriösen Zeitarbeitsfirmen. "Zeitarbeit ist für Arbeitslose oft der Weg zurück ins Berufsleben", betont Peter Sadziss, Teamleiter der ARGE Kreis Unna.

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