Armut macht still

BRAMBAUER Die „Unnaer Tafel“ speist Bedürftige im Kreis Unna. Brambauer ist als neuer Standort ein ganz heißer Kandidat. Aber die Verhandlungen mit dem Besitzer von „Haus Fels“ klemmen. Wir interviewten die Tafel-Vorsitzende, Ulrike Trümper.

von Von Karl-Heinz Knepper

, 11.01.2008, 07:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Würden Sie sich schämen, wenn Sie zur Tafel gingen? Trümper: Nein.

Weil? Trümper: Weil viele, die man von früher kennt, plötzlich draußen stehen.

Sind verletzte Gefühle, ist Scham, ein Problem für Ihre Kundschaft? Trümper: Ich glaube, bei den Migranten nicht. Aber bei deutschen Familien, die plötzlich mit Arbeitslosigkeit konfrontiert werden, ist die Schamgrenze viel niedriger.

Wie äußert sich das? Trümper: In Dankbarkeit. Die Leute sind uns gegenüber dankbar und still.

Still? Trümper: Ja, still. Sie verlieren nicht viele Worte. Armut macht nicht redselig.

Wie viel „Unnaer Tafel“ gibt es im Kreis Unna und wie viele Ausgabestellen? Trümper: Es gibt zehn Stellen. Wir sind in Lünen mit einer vertreten, in Gahmen. Brambauer soll dazu kommen. Dann sind wir dreimal in Unna und jeweils einmal in Kamen, Bergkamen, Werne, Holzwickede, Fröndenberg und Schwerte.

Seit wann gibt es die „Tafel“? Trümper: Seit dem 18. Juni 2004. So ein Datum vergesse ich nicht.

In Brambauer sollte schon Ende des Jahres eine Lebensmittel-Ausgabe im früheren Haus Fels eingerichtet werden. Ein Schlag ins Wasser? Trümper: Eine Prognose kann ich Ihnen da nicht geben, wann wir nach Brambauer kommen.

Warum nicht? Trümper: Weil die Verhandlungen mit dem Besitzer von Haus Fels ins Stocken geraten sind.

Der Grund? Trümper: Wir haben dem Besitzer einen Vorschlag gemacht, mit dem wir auch unsere finanziellen Möglichkeiten deutlich gemacht haben, die sehr beschränkt sind. . .

Weil Sie von Spenden leben? Trümper:  Richtig, weil wir von Spenden leben. Jetzt warten wir auf eine Reaktion des Besitzers der Immobilie. Eine ist aber klar, wir können unmöglich eine Miete von, sagen wir, 1500 Euro im Monat zahlen.

Um den Betrag geht es? Trümper: Nein, nein. Diese Zahl ist nur ein Beispiel für das, was wir nicht leisten können, um zu zeigen, wo unsere Schmerzgrenze in finanzieller Hinsicht liegt.

Sie wollten eigentlich in Lünen-Mitte tafeln. Woran ist das gescheitert? Trümper: An der ausgebliebenen Reaktion in Lünen. Niemand hat sich gemeldet, dass man interessiert wäre. Manchmal weiß ich nicht, will man uns oder will man uns nicht vor der eigenen Haustür haben.

Ihre Lebensmittel gibt es umsonst? Trümper: Nein. Bitte bedenken Sie, dass wir pro Monat allein 1500 Euro nur für Sprit ausgeben müssen. Die so genannte Single-Kiste kostet 2 Euro, eine Kiste mit Lebensmitteln für 5 Personen und für 6 Personen 5 Euro.

Was sagen Sie zu Lebensmittelhändlern, die Ihnen die ausrangierte Ware nicht überlassen? Trümper: Ich bin nicht zuständig für das soziale Gewissen der Geschäftsführer oder Filialleiter.

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