Nach Attacke mit Spritze: Täter in psychiatrische Klinik eingewiesen

mlz17-Jährigen verletzt

Mit einer Spritze hatte ein Lüner einen Mann am Dortmunder Hauptbahnhof verletzt. Wir haben bei der Lüner Notaufnahme nachgefragt, was so eine Verletzung für Opfer und Ärzte bedeutet.

Lünen

, 02.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie die zuständige Bundespolizeiinspektion Dortmund auf Anfrage mitteilt, wurde der 34-jährige Täter aufgrund seiner „Verhaltensauffälligkeit“ in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Auch wenn es sich bei der Tatwaffe um eine Spritze handelte, sei der Mann vorher nicht auffällig gewesen: „Er gehörte nicht dem Betäubungsmittel-Milieu an“, erklärte ein Sprecher.

Der in Lünen gemeldete Afghane hatte im Dortmunder Hauptbahnhof zwei Männer angegriffen, von denen er glaubte, sie hätten ihn wenige Stunden vorher in einer U-Bahn-Station überfallen. Dabei hielt er einem 17-Jährigen eine Spritze an den Hals. Das Opfer wurde dabei leicht verletzt. „Dem 17-Jährigen wurde geraten, sich in ärztliche Behandlung zu begeben, um sich dort eine Prophylaxe gegen Viruserkrankungen verabreichen zu lassen“, so die Polizei.

„Die Blutung an der Einstichstelle fördern“

Eine Prozedur, die bei Verletzungen durch Spritzen dringend angeraten ist, wie Dr. Timo-Benjamin Baumeister, Leiter der Zentralen Notaufnahme im St.-Marien-Hospital Lünen, erklärt: „Oberstes Ziel muss es sein, die Transmission, also das Eindringen von Erregern in den Organismus, so weit wie möglich zu verhindern.“

Dazu müsse die Blutung an der Einstichstelle gefördert werden - allerdings nicht, in dem man die Wunde zum Beispiel durch einen Schnitt vergrößert. „Das würde das Gegenteil bewirken.“ Stattdessen solle man durch leichten Druck und Streichbewegungen das Blut zur Einstichstelle drücken. „Außerdem muss die Stelle maximal schnell mit Desinfektionsmittel behandelt werden.“

Bei solchen Fällen gibt es zwei Probleme: „Zum einen wissen wir nicht, ob der Besitzer der Spritze an Infektionskrankheiten leidet und welchen Impfstatus er hat“, so Baumeister. Zum anderen wisse man auch nicht, wie der Patient eigentlich immunisiert ist. „Entsprechend ist es immer eine Risiko-Nutzen-Rechnung: Welche Mittel wende ich an, um Schlimmes zu verhindern, und welche Folgen hat das für den Patienten?“

Blutuntersuchung ist Pflicht

In jedem Fall muss sich der Patient einer Blutuntersuchung unterziehen. Nur so können die Ärzte feststellen, ob tatsächlich eine Infektion vorliegt - und wie sie behandelt werden kann. Ein Szenario, dass zumindest in Lünen eher selten vorkommt: „Ich müsste nachdenken, wann der letzte Patient mit einer Verletzung durch eine unbekannte Spritze bei uns war“, so der Leiter der Notaufnahme.

Verglichen damit kämen Unfälle mit Spritzen im Krankenhaus häufiger vor. „Aber da haben wir den Vorteil, dass wir den Immunstatus unseres Personals sehr gut kennen - und im Zweifel auch wissen, womit die Spritze kontaminiert war.“

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