Dortmunder Autohaus kann E-Auto nicht wie versprochen liefern: Lüner fordert Schadenersatz

mlzLüner ist frustriert

Alle reden über Energiewende und über E-Mobililtät. Aber wer wirklich elektrisch fahren möchte, bekommt kein Auto. Ein Lüner verliert dadurch wohl bares Geld.

Lünen, Dortmund

, 04.07.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frank Havighost fährt berufsbedingt knapp 50.000 Kilometer im Jahr. Er ist selbstständig, berät Betriebsräte und legt fast alle Strecken mit dem Auto zurück - mit dem Zug, sagt er, wären viele Ziel zeitlich überhaupt nicht pünktlich zu erreichen.

Havighorst ist aber auch ein ökologisch denkender Mensch, hat Photovoltaik auf dem Dach und ein Fairphone in der Tasche. Deswegen hat er im Januar auch ein E-Auto bestellt, mit dem er einen Teil der 50.000 Kilometer zurücklegen wollte. Es sollte längst ausgeliefert worden sein, ursprünglich Ende Mai, ist aber immer noch nicht da. Noch schlimmer: Die Lieferung ist noch nicht mal in Sicht.

Auch die Förderung für E-Autos wackelt

Havighorst hatte sich für den neuen Kia E-Niro entschieden, wegen der verhältnismäßig hohen Reichweite, brutto kostet der Wagen knapp 40.000 Euro, wie er sagt. Auch wegen der Förderung für solche Autos. 2000 Euro Preisnachlass vom Unternehmen, weitere 2000 gibt‘s vom Staat - das klang attraktiv.

Auch um diese Förderung muss Havighorst jetzt bangen. Denn: Bis November muss das Auto auf ihn zugelassen sein, so steht‘s im Förderbescheid. Havighorst ist frustriert: „Das ist eine Frechheit von Kia.“

Denn bis November wird er sein Auto auf keinen Fall bekommen, das sagt auch Kai Siebeck, Verkaufsleiter beim Motor Center Heinen, wo Havighorst seinen E-Niro bestellt hatte. „Wir haben die meisten dieser Fahrzeuge im Januar verkauft, da wurden noch Liefertermine im System angezeigt.“ Im Februar sei vom Hersteller, also von Kia, dann die Mitteilung gekommen, die Auslieferung dauere für alle diese Fahrzeuge 12 Monate - plus x.

Liefertermin? Das weiß momentan niemand

Wann genau die Autos kommen, weiß also auch er nicht. Was er weiß: Eigentlich wollte Kia 1000 Autos nach Deutschland liefern, es waren dann aber nur 500. Und die sind alle als Vorführwagen an die Autohäuser gegangen. Kia selbst gebe Probleme mit der Batterie-Herstellung als Grund dafür an.

Das bestätigt eine Sprecherin von Kia Deutschland aus der Zentrale in Frankfurt: Kia sei von den Kapazitäten der Batterie-Hersteller abhängig, „und die können leider derzeit mit der enormen Nachfrage, die nicht zuletzt aufgrund der Dieseldebatte, aber auch der weltweit zunehmenden Förderung batterieelektrisch betriebener Fahrzeuge selbst kühnste Erwartungen bei weitem übertrifft, nicht standhalten“. Deswegen hätten bereits mitgeteilte Liefertermine revidiert werden müssen. Derzeit sei nicht absehar, dass sich die Liefersituation 2019 verbessern wird. Das sei auch kein Einzelfall aus Dortmund und Lünen, das sei überall in Deutschland so.

„Die Hersteller sind einfach nicht lieferfähig“

Das ganze ärgert Frank Havighorst. Wieso wurde dann überhaupt erst ein Liefertermin mitgeteilt? Hätte er von den Verzögerungen gewusst, hätte er keinen Kia bestellt. Und er ist nicht der einzige. Laut Verkaufsleiter Siebeck gehe es über 20 anderen Käufern alleine beim Motor Center Heinen so wie Havighorst.

Havighorst geht es auch nicht um seinen Einzelfall, er hat das große ganze im Blick. „Alle reden ständig über fehlende Ladestationen oder darüber, dass die Kunden nicht genug kaufen“, sagt er, „aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es gibt ein Interesse an E-Autos, aber die Hersteller sind mit aktueller Technik nicht lieferfähig.“

Ihm sei klar, sagt er, dass E-Autos nicht die endgültige Lösung sind. „Aber sie sind eine wichtige Übergangstechnologie.“ Er selbst wolle und werde keinen Verbrenner mehr kaufen. Also was tun? Vom Vertrag zurücktreten? „Davon bekomme ich ja auch kein E-Auto“, sagt er. Und die Förderung? Er werde das Motor Center Heinen in Verzug setzen und für die fehlende Förderung Schadensersatz fordern.

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