Bäckerei Kanne schließt im Lüner Geistviertel

Zum Ende des Jahres

Nach der Filiale im Lüner Stadtteil Gahmen schließt die Bäckerei Kanne Ende des Jahres auch die Filiale im Geistviertel. In den Räumen an der Friedrichstraße will das Rote Kreuz unter anderem eine Einrichtung zur Tagespflege aufbauen. Das sorgt jedoch teilweise für Unmut bei den Anwohnern.

LÜNEN

, 13.12.2016, 18:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Kanne-Filiale an der Friedrichstraße schließt Ende des Jahres. Hier zieht dann das DRK ein.

Die Kanne-Filiale an der Friedrichstraße schließt Ende des Jahres. Hier zieht dann das DRK ein.

Warum schließt die Kanne-Filiale?

„Wir wollten den Standort so lange wie möglich am Leben halten“, erklärt Inhaber Wilhelm Kanne am Montag auf Anfrage. „Wir haben das aber schon in den vergangenen Jahren für die Bevölkerung gemacht – und dort kein Geld verdient.“ Durch die neuen Pläne von Vivawest sei ohnehin kein Platz mehr für Kanne geblieben – deshalb die Schließung Ende des Jahres. Die Mitarbeiter werden an anderen Stellen weiterbeschäftigt.

 

Wie genau sehen denn die neuen Pläne aus?

Der DRK-Kreisverband Lünen will in den Kanne-Räumen und auf der schon leer stehenden Fläche des ehemaligen CAP-Marktes eine Tagespflege-Einrichtung für 14 Gäste, eine Demenz-WG für zwölf Personen und einen Quartierstreff einrichten. Das hat das Wohnungsbau-Unternehmen Vivawest jetzt in einer Mitteilung geschrieben. Darin wird unter anderem auch DRK-Vorstand Dr. Hasan Sürgit zitiert: „Der Bedarf für genau diese Angebote im Geistviertel ist gegeben, da sind wir sicher.“

Mit einem Anbau sollen insgesamt 1000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen. Wie Vivawest-Sprecherin Dr. Marie Mense am Montag auf Anfrage mitteilte, soll ein Waschhaus hinter dem Gebäude abgerissen werden. Dort entstehen dann neue Wohnungen für die Demenz-WG.

Vivavest in der Geist
Mit den Flächen an der Friedrichstraße 40 bis 50 geht es laut Vivawest-Sprecherin Mense Mitte 2017 weiter.
Die Häuser dort waren im Mai 2015 abgerissen worden. Nach jetzigen Planungen will Vivawest dort insgesamt 62 barrierefreie Wohnungen bauen.
Vivawest vermietet nach eigenen Angaben im Geistviertel etwa 1080 Wohnungen, die meisten davon in Mehrfamilienhäusern.

Und wie ist der Zeitplan?

Ein Bauvorantrag ist laut Vivawest schon positiv beschieden worden. Baubeginn soll im Februar 2017 sein, sodass rund 12 bis 14 Monate später, also Anfang/Mitte 2018 alles fertig sein könnte. Vivawest rechnet nach eigenen Angaben mit Kosten von etwa 1,7 Millionen Euro, der Mietvertrag des Roten Kreuzes läuft demnach „zunächst“ über zehn Jahre.

 

Wie sind die Reaktionen auf diese Pläne?

Unterschiedlich. Vivawest selbst sieht es positiv: „Wenn die Flächen an diesem zentralen Platz bald wieder dauerhaft genutzt werden, ist das auch positiv für das gesamte Umfeld“, meint Carsten Gröning, Leiter des Vivawest-Kundencenters.

Bei den Anwohnern kommen die Pläne – hier besonders die Schließung der Kanne-Filiale – nicht gut an. „Das ist schlimm, besonders für viele alte Leute hier“, meinte Bärbel Hübner vor Ort. Als Alternative gebe es jetzt nur noch den Westermann-Bäcker an der Graf-Haeseler-Straße Ecke Konrad-Adenauer-Straße. „Das tut uns richtig leid“, meinte die Anwohnerin, „morgens war es bei Kanne auch meistens richtig voll“.

Dass Kanne für einige Geistler ein Treffpunkt war, hat auch Armin Ott, Sprecher des „Geist-Stammtischs“, so gesehen. „Wenn das jetzt noch wegfällt, haben wir hier gar nichts mehr“, meint er. Als Geschäftsmann könne er es verstehen, aber für den Stadtteil sei es sehr schlecht. „So etwas neu aufzubauen, ist sehr schwierig“, so Ott.

Die Stadt, selbst in der Quartiersentwicklung vor Ort aktiv, nahm am Montag nicht zu dem Thema Stellung. Die entsprechende Mitarbeiterin sei nicht im Dienst, hieß es gestern auf Anfrage.

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