Bebelstraße: Lüner diskutierten hitzig über Sperrung

Bauprojekt Nordtunnel

Die von der Verwaltung geplante Vollsperrung der Bebelstraße im Zuge des Bauprojekts Nordtunnel stößt auf erbitterten Widerstand der Menschen in Lünen-Süd. Das wurde Donnerstagabend bei einer Bürgerversammlung der Stadt im Bergmannsmuseum deutlich. Wir haben die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

LÜNEN

, 10.02.2017, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fachdezernent Thomas Berger hatte bei der Bürgerversammlung zur Vollsperrung der Bebelstraße einen schweren Stand.

Fachdezernent Thomas Berger hatte bei der Bürgerversammlung zur Vollsperrung der Bebelstraße einen schweren Stand.

Fachdezernent Thomas Berger schwor die rund 70 Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung ein, „bei aller Emotionalität des Themas, doch die Disziplin zu wahren“. Gleichzeitig schlug Berger vor, die Diskussion auf zwei Stunden zu beschränken. Am Ende wurden es zweieinhalb Stunden. Zweieinhalb Stunden, in denen das gut vorbereitete Publikum den Projektverantwortlichen bis 20.33 Uhr mächtig die Leviten las.

Dreischichtbetrieb ist arbeitsrechtlich schwierig

Warum die viermonatigen Kanalbauarbeiten nur im Einschicht- und nicht im Dreischichtbetrieb durchgeführt werden, wollte ein Bürger wissen. Damit ließe sich die geplante Vollsperrung von insgesamt sieben Monaten doch zeitlich verkürzen. Dazu sagte Thomas Palz, Bauleiter beim Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen (SAL): „Ein Dreischicht-Betrieb ist aus arbeitsrechtlichen Gründen schwierig. Außerdem sind wir gehalten, Aufträge wirtschaftlich auszuschreiben.“

Das Kostenargument brachte nicht nur den Fragesteller, sondern auch den in Lünen-Süd geborenen, ehemaligen Bundestagsabgeordneten und innenpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, auf die Palme: „Das geht so nicht, das geht so nicht. Eine reine betriebswirtschaftliche Lösung klammert die Belange der Steuerzahler, der Bürger, des Handels aus“, sagte Wiefelspütz. Der volkswirtschaftliche Schaden einer Vollsperrung sei immens.

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Den Blick auf Thomas Berger gerichtet, sagte Dieter Wiefelspütz weiter: „Die Verwaltung muss sich den A.... aufreißen, um die Vollsperrung zu vermeiden. Eine Einbahnstraßenregelung für die Bebelstraße ist die Lösung. Und nichts anderes. Erzählen Sie uns nicht, es gebe keine Alternativen. Da bekommen wir zuviel.“

In die gleiche Kerbe wie Wiefelspütz hauten auch Jens Hebebrand und Gabriele Gubisch: Jens Hebebrand, Sprecher Kreisentwicklung und Mobilität der SPD-Kreistagsfraktion, sagte: „Dass eine Verkürzung der Kanalbauarbeiten durch Mehrschichtbetrieb 570.000 bis 750.000 Euro mehr kostet, kann kein Argument sein. Da wurde an anderen Stellen schon viel mehr Geld sinnlos ausgegeben.“

"Vollsperrung ist Zumutung für die Bürger"

Gabriele Gubisch, Friseurmeisterin und Inhaberin von „Styling Gubisch – Haare & Mehr“ im Preußenbahnhof, sagte: „Die Vollsperrung ist eine Zumutung für die Bürger. Und zu sagen, wir sparen eine halbe Million Euro bei den Kanalarbeiten, geht gar nicht. Das ist ein Armutszeugnis, hier wird ein ganzer Stadtteil in Schutt und Asche gelegt.“ Diese Wortgewitter hinterließen Spuren bei Thomas Palz. Der SAL-Bauleiter sagte zu, für die Kanalbauarbeiten Möglichkeiten eines Zweischicht-Betriebs zu prüfen.

Sämtliche Erklärungen der Projektverantwortlichen zur Notwendigkeit der Vollsperrung wegen Mindestfahrbahnbreiten, Sicherheitsräumen zum freien Rand für Außenspiegel, seitlichen Sicherheitsabständen zum Arbeitsraum etc., stießen bei den Versammlungsteilnehmern auf taube Ohren: Es könne doch nicht sein, sagte ein Bürger, dass auf die Sicherheit der Arbeiter mehr Wert gelegt werde als auf die Sicherheit der Kinder an der Alsen- und Jägerstraße, über die der Verkehr umgeleitet werden soll.

Einspurige Verkehrsführung gegen Chaos

Um ein Verkehrschaos in Lünen-Süd und Umgebung zu vermeiden, beharrten die Vollsperrungsgegner unerbittlich auf einer einspurigen Verkehrsführung auf der Bebelstraße. Dazu könne die alte Bebelstraße in Höhe der Hausnummern 178 bis 192 als Baustraße ertüchtigt und bis zur Alsenstraße verlängert werden, sagte Manfred Kolodziejski, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Lünen-Süd.

Außerdem sei der Verkehr, der nicht zwingend nach Lünen-Süd einfahren muss, von der Autobahnabfahrt Lanstrop um Lünen-Süd herumzuleiten. Ein entsprechender Eilantrag Kolodziejskis lag am Vormittag der Bürgerveranstaltung auf dem Schreibtisch von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns.

Erneute Diskussion

Ob dieses Antrags und der harschen Kritik der Lünen-Süder Bürger an der Vollsperrung wird es im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung (15. Februar, 17 Uhr im Rathaus) eine erneute Diskussion rund um die Baustelle Bebelstraße geben. So viel ließ Fachdezernent Thomas Berger Donnerstagabend schon einmal durchblicken. Zudem sagte Thomas Berger, auch im Namen von Friedhelm Wittlieb (Verkehrsüberwachung) und Hendrik Lütke Brintrup (Straßenbau) zu, „alles in unsere Macht stehende zu tun, um an der einen oder anderen Stelle noch die Kurve zu kriegen“.

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