Beerdigungen in Lünen: Viele verlegen die Trauerfeier nach draußen

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Nicht nur Angehörigen, auch Pfarrern und Bestattern fällt es emotional schwer, auf Beerdigungen Abstand zu halten. Pfarrer Roddey tut das „in der Seele weh“. Er sieht aber auch etwas Positives.

Lünen

, 18.11.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einen geliebten Menschen zu verabschieden ist immer schwer: Noch schwerer ist es für die Angehörigen, die in Zeiten der Corona-Pandemie nicht an der Trauerfeier teilnehmen können. „Mir tut das selber etwas in der Seele weh. Manchmal würde ich gerne die Angehörigen mit einem warmen Händedruck oder einer Umarmung trösten.“, betont Pfarrer Dr. Thomas Roddey, Leiter des Pastoralverbundes Lünen.

Im ersten Lockdown, erinnert er sich, war die Situation noch bedrückender: „Es war fast etwas beängstigend, als die Trauerfeiern nur im Mini-Kreis und auch nur außerhalb der Kirche stattfinden durften. Das hat sich zum Glück wieder etwas gelockert.“ Wie viele Personen anwesend sein dürfen, hängt von der Größe der Räumlichkeiten ab.

„Wir müssen nicht nur gucken, was legal, sondern auch vernünftig ist“

Roddey setzt die Grenze bei 30 Gästen in der Kirche - draußen dürfen es mehr sein: „Die Masse der Menschen muss organisierbar bleiben - Beim Sonntagsgottesdienst dürfen mehr Menschen rein, das liegt aber daran, dass wir dann einen extra Ordner vor Ort haben, der auf die Sicherheitsabstände achtet. Wir müssen nicht nur gucken, was legal ist, sondern auch was vernünftig ist.“

Während der Pfarrer in der Kirche ein Auge auf die Einhaltung der Corona-Richtlinien hat, sind die Angehörigen auf dem Friedhof selber dafür verantwortlich. „Die Leute sind da in der Regel vernünftig, tragen auch bei größerem Abstand freiwillig eine Maske“, sagt Roddey.

Bei großen Beerdigungen fehlt das Persönliche

Trotz der Einschränkungen kann Pfarrer Roddey der Situation etwas Positives abgewinnen: „Ich sehe das zwiegespalten. Die Beerdigungen sind nun viel konzentrierter, persönlicher, gar intimer. Es ist kein großes Event, es sind nur die wichtigsten Angehörigen da. Zwar ist es schade, wenn nicht alle Abschied nehmen können. Bei einer Beerdigung mit 200 Leuten fehlt das Persönliche jedoch, und nicht jeder möchte vor so vielen Gästen seine Trauer zeigen.“ Die Zahl der anwesenden Angehörigen schwanke auch in Zeiten fernab der Pandemie stark zwischen fünf und 200. Im Schnitt seien es zu normalen Bedingungen im Schnitt etwa 50.

Manche Bestattungsinstitute bieten an, die Beerdigung für die Daheimgebliebenen zu filmen. Pfarrer Roddey ist das noch nicht untergekommen - eine fröhliche Veranstaltung wurde jedoch schon live mit dem Handy übertragen. „Bei einer Taufe war die Taufpatin aus Polen per Livestream dabei. Da haben wir fröhlich in die Kamera gewunken - so konnte sie dabei sein, ohne hier zu sein.“ Andererseits können auch Gottesdienste gefeiert werden für Angehörige, die andernorts verstorben sind. „Das Gebet kennt keine Grenzen“, sagt Roddey.

Kontaktdatenerfassung wie im Restaurant

Thorsten Fischer, Bestatter aus Lünen, macht grundsätzlich immer Fotos als Erinnerung von der Trauerfeier. Die schickt er dann per Whatsapp auf die Handys der Angehörigen. Dass privat gefilmt wird, sei schon einmal vorgekommen - er bietet den Service jedoch nicht an.

Fischer beobachtet ebenfalls, dass sich die Gesellschaften deutlich verkleinern. Im Schnitt seien es nun noch rund ein Drittel der Gäste. Viele Feiern finden nun vor der Trauerhalle statt, auch bei unfreundlichem winterlichen Wetter noch. Die Gründe dafür sieht Fischer darin, dass draußen größere Gesellschaften erlaubt sind - und teils in der Bequemlichkeit der Gäste: „In der Trauerhalle muss man wie im Restaurant seine Kontaktdaten angeben, sich die Hände desinfizieren und einen Sitzplatz zugewiesen bekommen. Darauf hat nicht jeder Lust.“

Maske auf dem Friedhof ist optional

Drinnen wird nur im ganz kleinen Kreis gefeiert. „Wo sonst Tante Mia noch mitgekommen wäre, wird sie nun nicht eingeladen, weil sie Risikopatientin ist“

Auch Fischer fällt es schwer, nur wörtlich Anteil zu nehmen: „Das Kondulieren, wie man es kennt, fällt weg.“ Auf dem Friedhof, beobachtet der Bestatter, seien die Menschen häufig verunsichert, ähnlich wie in der Innenstadt.

Die meisten tragen freiwillig eine Maske, auch wenn sie bei ausreichendem Sicherheitsabstand auf dem Friedhof nicht nötig wäre. Das sei in der Anfangszeit noch anders gewesen, da musste man die Leute eher daran erinnern, drinnen die Maske zu tragen. „Manche sind auch etwas übervorsichtig und halten riesige Abstände ein“, so Fischer. Doch an die außergewöhnliche Situation, die „uns alles abverlangt“ habe er sich langsam gewöhnt.

Die aktuellen Regeln für Beerdigungen haben wir noch einmal zusammengefasst:

  • Grundsätzlich gilt: Im öffentlichen Raum ist zu allen Personen ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Dieser Abstand darf nur in Ausnahmefällen unterschritten werden. Diese Ausnahmen sind u.a. wenn sich Personen aus maximal zwei Hausständen treffen, diese Ausnahme gilt aber für höchstens 10 Personen oder bei zwingenden Zusammenkünften zur Berufsausübung. Ausnahmefälle sind auch Beerdigungen und standesamtliche Trauungen: Nahe Angehörige dürfen sich in diesen emotionalen Situationen ausnahmsweise näher kommen.
  • Die Maskenpflicht gilt in der Kirche, der Trauerhalle und im Bestattungsinstitut, also grundsätzlich in geschlossenen Räumen. Auf dem Friedhof ist sie aktuell nicht zwingend erforderlich, wenn der Mindestabstand eingehalten werden kann.
  • Die allgemeine Rückverfolgbarkeit ist, wie im Restaurant, sicherzustellen.
  • Die erlaubte Anzahl der Gäste richtet sich individuell nach der Größe der Räumlichkeit.
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