Beleidigungen auf Facebook: Profil passte auf 54-jährigen Lüner

mlzAmtsgericht

Auf Facebook wurde ein junger Mann im Sommer 2019 Opfer übler Beschimpfungen. Das Profil der Person, die ihn damals beleidigte, sollte einem Lüner (54) gehören. Er kam vor Gericht.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 19.11.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verbale Tiefschläge: In einer Chat-Gruppe bei Facebook ist ein junger Mann im Sommer 2019 übel beschimpft worden. Einem 54-jährigen Lüner wurde das Profil der Person, die ihn damals beleidigte, zugeordnet. Er saß nun auf der Anklagebank.

Die Gruppe diskutierte am 30. Juli vergangenen Jahres über das Tempelfest in Schwerte und offenbar missfiel der oder dem Unbekannten das, was der Student aus Aachen dazu zu sagen hatte und brachte das auch deutlich zum Ausdruck. Unter anderem schrieb die oder der Fremde: „Du bist dümmer als ein Stück Scheiße.“ oder „Solche Vollpfosten braucht niemand.“ Und dabei kam eine fremdenfeindliche Gesinnung ans Licht. Der 26-Jährige wollte das nicht hinnehmen und erstattete Strafanzeige wegen Beleidigung gegen die Person, die sich in ihrem Profil als der Lüner ausgab und die die strafbaren Posts, das wurde später ermittelt, von einer Wohnung in Schwerte aus schickte.

Mandant von Schwerte nach Lünen gezogen

Nun wurde der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt und der Verteidiger des 54-Jährigen, der strafrechtlich zuvor noch niemals in Erscheinung getreten war, erklärte nach Verlesung der Anklageschrift: „Er wird keine Angaben zur Sache machen.“ Auch betonte der Rechtsanwalt etwas später, dass sein Mandant bereits seit 2017 in Lünen wohne und nicht mehr in Schwerte. Derweil war sich der junge Mann im Zeugenstand relativ sicher, dass das Foto im Facebook-Profil und der Mann auf der Anklagebank übereinstimmen würden und das der Auftritt in dem sozialen Netzwerk echt gewirkt habe. Gekannt habe er ihn vorher aber nicht.

Äußerungen nicht zuzuordnen

Der Richter brachte es schließlich auf den Punkt: Es stehe fest, dass Äußerungen gefallen seien und dass die von einem „kleingeistigen Menschen“ gewesen seien. Aber es stehe eben nicht fest, dass diese Äußerungen von dem Lüner stammten. „Bei Facebook kann sich jeder mit jedem Namen anmelden“, betonte er. Der Betroffene habe zu wenig Erinnerung gehabt und wenn er meine, den Lüner zu erkennen, dann könne das auch der Effekt der Anklagebank sein. Was bedeute: Wenn er da sitzt, wird er es auch gewesen sein. Aber selbst wenn das Foto und der 54-Jährige übereinstimmten, hieße das nicht automatisch, dass der es auch gewesen sei, der die Beleidigung in dem Chat niedergeschrieben habe.

Verfahren endet mit Freispruch

„Wir können ihm nicht nachweisen, dass es sein Profil war.“ Zumal der Angeklagte bereits seit einigen Jahren in Lünen und nicht mehr in Schwerte wohnhaft sei. Die Folge: Das Verfahren endete mit einem Freispruch. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht. Die Anklage, die von der Schuld des 54-Jährigen überzeugt war, könnte nun Berufung einlegen.

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