Die Gaststätten in Lünen, wie hier das Brauhaus Drei Linden, wollen die Corona-Pandemie überstehen und tun vieles dafür, trotz der Krise zu überleben. © Goldstein
Lage in der Gastronomie

Beliebte Lüner Veranstaltung im Herbst fällt wieder wegen Corona aus

Die gute Nachricht: Die meisten Gastronomen haben die Pandemie bislang überstanden und ihre Lokale wieder geöffnet. Doch eine beliebte Veranstaltung muss wieder abgesagt werden.

Die Lünsche Mess ist schon abgesagt, auch das Festival der Naturfotografen kann zum zweiten Mal wegen Corona nicht stattfinden. Nun ist klar, dass auch eine weitere beliebte Veranstaltung im Herbst wegen der Pandemie nicht stattfinden kann.

„Es wird auch in diesem Jahr keine Kneipennacht in Lünen geben können“, so Thorsten Lachmann von Getränke Gefromm, der das beliebte Event seit vielen Jahren mit organisiert. Die Abstands- und Hygieneregeln können wir bei dieser Veranstaltung einfach nicht kontrollieren. „Wie soll man das machen, sollen wir beim Verkauf der Tickets kontrollieren, ob die Leute geimpft, genesen oder getestet sind? Und dann geben manche die Tickets weiter – das funktioniert nicht.“ Also müssen sich Besucher, Bands und Gastronomen noch ein weiteres Jahr gedulden, bis die Kneipennacht wieder stattfinden kann.

Ein anderes beliebtes Event könnte im Herbst noch im Freien Besucher anlocken: „Momentan planen wir noch das Drachenfest, aber wenn die Inzidenzen weiter steigen, ist die Frage, ob wir es doch noch absagen müssen.“

Probleme, Personal zu bekommen

Probleme, Personal zurück zu gewinnen, haben alle Gastronomen bundesweit. Auch in Lünen haben sich viele Mitarbeiter von Restaurants, Cafés oder Kneipen in der Corona-Zwangspause umorientiert. „Das Problem ist flächendeckend und überall“, weiß Thorsten Lachmann. Seit 30 Jahren kümmert er sich bei Getränke Gefromm um die Partner aus der Gastronomie.

„Viele Vollzeitkräfte haben sich während der Lockdowns Jobs in anderen Branchen gesucht. Auch wenn sie dort auf Trinkgelder verzichten müssen, haben sie bei der Arbeitszeit Vorteile. Sie müssen nicht mehr abends oder am Wochenende und an Feiertagen arbeiten“, so Lachmann. Hauptgrund jedoch für die früheren Gastronomie-Mitarbeiter, erstmal nicht mehr zurück zu kommen, ist die Corona-Pandemie. Denn die Angst vor einer vierten Welle im Herbst und damit eventuell einem erneuten Lockdown ist groß.

Thorsten Lachmann (v.l.) von Getränke Gefromm mit Carmela und Placido Galvagno, die das Restaurant
Thorsten Lachmann (v.l.) von Getränke Gefromm mit Carmela und Placido Galvagno, die das Restaurant “Da Dino“ führen. © Beate Rottgardt (Archiv) © Beate Rottgardt (Archiv)

Lachmann: „Wenn man dann in die Gastronomie zurück geht und nach sechs Wochen muss der Betrieb dann wieder schließen wegen eines neuen Lockdowns – das will kaum jemand riskieren.“ Die Unsicherheit sei bei den früheren Mitarbeitern zu spüren.

In vielen Gaststätten arbeiten inzwischen Familienangehörige mit und versuchen die Personallücken zu schließen. Lachmann: „Ich denke aber, dass viele Lokale ihre Konzepte, Öffnungszeiten oder Angebote ändern müssen.“

95 Prozent der Gastronomen haben wieder geöffnet

Klar ist aber auch, dass die Gastronomen in der Region alle versuchen, ihr Lebenswerk zu retten. Lachmann: „Ich bin sehr froh, dass über 95 Prozent unserer Gastronomen wieder geöffnet haben.“ Und er hofft, dass auch alle durchhalten. Auch, wenn dann die Jahresabschlüsse kommen und möglicherweise Gelder zurück gezahlt werden müssen.

Apropos Geld – trotz der finanziellen Hilfen aus den öffentlichen Kassen fehlte bei vielen Betrieben einiges an Mitteln. Und nun müsse man abwarten, wie sich die Lage und die Umsätze im Herbst und Winter entwickeln und auch, wie 2022 laufen werde.

Berufliche Alternative fehlt

Lachmann: „Aber alle haben alles gegeben, ihre Betriebe zu halten.“ Auch deshalb, weil viele Gastronomen seit vielen Jahrzehnten ihr Lokal führen und ihnen schlicht die berufliche Alternative fehle. Der Gefromm-Mitarbeiter ist froh, dass die düsteren Vorhersagen der Gastronomie-Verbände (noch) nicht eingetroffen sind. Ein Drittel der Gastronomiebetriebe, so die Prognosen, sollten den Folgen der Pandemie zum Opfer fallen.

Man müsse abwarten, wie sich die Lage weiter entwickele, „ob es 2022 wieder die großen Familienfeiern und Veranstaltungen geben wird, wie wir sie noch 2019 hatten.“ Die Brauereien rechnen für 2022 mit 85 Prozent des Umsatzes aus dem Jahr vor der Pandemie.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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