Beliebte Lüner Wirtin erinnert an erste Begegnung mit Bronze-Ochsen

mlzVor 30 Jahren

Ilse Dietzel ist eine Institution in der Lüner Kneipen-Szene. 59 Jahre führte sie die Gaststätte „Im Eckchen“ und hatte dabei seit 1990 besondere „Nachbarn“. Drei Ochsen feiern Geburtstag.

Lünen

, 18.11.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie erinnern an den „Dänischen Ochsenweg“ der alten Hansezeit, als Waren und Tiere transportiert wurden. Durch Lünen, weil hier eine Furt an der Lippe war. Vor 30 Jahren, am 22. November 1990, wurden die drei Bronze-Ochsen mit einem Tieflader in die nördliche Fußgängerzone transportiert. Um an der Münsterstraße ihren Platz zu bekommen.

Gefertigt worden waren die drei Ochsen in der Werkstatt des Bildhauers Ernemann Sander aus Königswinter. Er hatte die Figuren im Auftrag des Fördervereins Kunst und Kultur entworfen, der sie der Stadt Lünen schenkte.

„Ochse am Spieß“

Ilse Dietzel, die 1990 schon seit 32 Jahren die Kneipe „Im Eckchen“ führte, erinnert sich noch genau an den Tag, als die neuen „Nachbarn“ geliefert wurden. „Da hatten sie noch eine viel hellere Farbe, sahen aus, als wären es lebendige Ochsen“, erzählt die heute 86-Jährige. Am 23. November wurden die Ochsen dann einbetoniert und mit der Schutzfarbe gestrichen, die sie gegen Wind und Wetter schützen sollen. Danach sahen sie so aus, wie man sie heute noch kennt. Mit einem Fest wurden die neuen „Bewohner“ der Fußgängerzone am 24. November 1990 begrüßt. Ilse Dietzel: „An dem Tag gab es Ochsen am Spieß, da haben mein Mann und ich uns gleich morgens eine Portion geholt.“

Im Laufe der Zeit sind unzählige Kinder auf den Ochsen herumgeklettert und sie dienten vielen Besuchern, aber auch Lünern, als Fotomotiv. Mittlerweile sind die Ochsen aus der Fußgängerzone nicht mehr weg zu denken.

2017 gab es Aufregung, weil sich die Pflasterarbeiten immer mehr verzögerten und es lange dauerte, bis die Ochsen dann wieder an ihrem gewohnten Platz im Pflaster verankert wurden.

Ilse Dietzel in ihrer Kneipe „Im Eckchen“ an ihrem 80. Geburtstag. Die Lünerin lebt heute auf Cappenberg.

Ilse Dietzel in ihrer Kneipe „Im Eckchen“ an ihrem 80. Geburtstag. Die Lünerin lebt heute auf Cappenberg. © Bernadette Winter (A)

In diesem Jahr entschied sich Ilse Dietzel, ihr Gewerbe abzumelden. Nach unglaublichen 59 Jahren als Gastwirtin. 1995 war ihr Mann gestorben, mit dem sie die beliebte Kneipe geführt hatte. Ilse Dietzel machte weiter. 2008 feierte die beliebte Gastwirtin Goldenes Jubiläum. In der schnelllebigen Branche etwas Besonderes. Und auch ihren 80. Geburtstag 2014 feierte Ilse Dietzel in der Kneipe mit ihren Gästen.

Namen für die Ochsen

Zum 50-Jährigen als Gastwirtin beschloss sie, dass die Bronze-Ochsen endlich mal Namen bekommen müssten. Zusammen mit ihren Gästen „taufte“ sie die standhaften Tiere dann beim Jubiläum auf die Namen Jonathan, Samson und Herkules.

An ihrem 80. Geburtstag im April 2014 feierte sie mit 70 bis 80 Menschen draußen vor der Kneipe und freute sich besonders über das überraschende Gastspiel von Jürgen Ortlepp und seiner Drehorgel.

Dann kamen gesundheitliche Rückschläge und Ilse Dietzel entschloss sich, 2017 nach 59 Jahren als Gastwirtin aufzuhören. „Aber immer, wenn ich im Radio das Lied ,Die kleine Kneipe` höre, kommen mir die Tränen.“

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