Nur durch das Gitter des Bauzauns lässt sich ein Blick auf die Brunnen der Innenstadt - in diesem Fall der vorm Rathaus - werfen. © Sylvia vom Hofe
Keimbelastung

Betreten verboten: Trauerspiel um Wasserspiele in der Lüner Innenstadt

Andernorts sind Wasserspiele beliebte Treffpunkte. Die Stadt Lünen hat die beiden Wasserspiele in der Innenstadt dagegen abgesperrt. Es plätschert nur hinter Draht - schon den ganzen Sommer.

Es plätschert, prasselt und platscht. Zumindest akustisch ist alles in Ordnung mit den beiden Wasserspielen vorm Rathaus und im Tobiaspark. Optisch ist es jedoch befremdend: Zwischen Betrachter und Brunnen schieben sich in beiden Fällen Bauzäune. Sie schützen die Bürgerinnen und Bürgern – besonders die Kinder – vor dem Wasser unterm Windspiel auf dem Marktplatz und auf dem Wasserspielplatz am Park. Und das schon das ganze Jahr lang.

Während in Werne das Wasserspiel auf dem Marktplatz ein Anziehungspunkt für Generationen ist, bleibt auf dem Lüner Marktplatz niemand vor den Fontänen stehen. Und wenn doch einmal, dann nur, um mit dem Kopf zu schütteln. Denn die spiralförmige Säule aus bemaltem Granit, auf der die im Wind bewegliche Stahlskulptur thront, ist abgesperrt. Am Zaun hängt ein Schild: „Wasserspielanlage gesperrt.“

Eineinhalb Jahre Pause sind die Ursache fürs Problem

Dass das Problem hartnäckig ist, kann jeder sehen. Die Zäune stehen seit dem Frühjahr: seitdem die Stadt im April/Mai die Brunnen wieder in Betrieb genommen hat – nicht nur nach dem Winter, sondern noch zusätzlich nach einem ganzen Corona-Jahr. Seit November 2019 hatten Düsen und Fontänen Auszeit. Woanders tat sich in der langen Pause allerdings jede Menge. Keime breiteten sich im Innern der Anlagen aus.

Die Wasserbehälter und alle erreichbaren Oberflächen hätten die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) mit einem Dampfstrahler gereinigt, als die Brunnen wieder in Betrieb gehen sollten im Frühjahr, sagt Alexander Dziedeck, Sprecher der Stadt Lünen. „Mit den Temperaturen, die mit dem Dampfstrahl erreicht werden, werden die Keime abgetötet“ – aber eben nur an den erreichbaren Stellen. Woanders nicht. „Wir vermuten, dass sich aufgrund des langen Stillstands der Pumpensysteme in den Leitungen Keime ausgebildet und festgesetzt haben.“ Die Anlagen seien zwar zum Winter entleert worden, aber in den Leitungen verbleibt immer eine Restwassermenge und Feuchtigkeit: ein willkommener Lebensraum für die Krankheitserreger.

Hartnäckiger Film im Innern der Brunnenanlagen

„Wir vermuten, dass sich dadurch ein entsprechender ,Film‘ auf den Wänden der Leitungsrohre gebildet und festgesetzt hat“, sagt Dziedeck. Die routinemäßige Untersuchung der Wasserqualität vor der ursprünglich geplanten Inbetriebnahme habe ergeben, dass die Keimbelastung zu hoch war. Damit begann die Reihe von Versuchen, die Brunnen wieder keimfrei und flott zu bekommen – bislang ohne Erfolg.

„In Abstimmung mit dem Kreisgesundheitsamt wurde dann eine Desinfektion mit einem chlorhaltigen Desinfektionsmittel von einer Fachfirma durchgeführt“, beginnt Dziedeck die Aufzählung. Die anschließende Untersuchung der Wasserqualität hatte aber eine „immer noch eine hohe Belastungssituation“ gezeigt. Es folgte die nächste Desinfektionsrunde: Auch sie bleibt ohne erhofftes Ergebnis.

„Zwischenzeitlich wurde das gesamte Wasser im Kreislauf ausgetauscht. Die Anlagen blieben daher geschlossen und es wurde ein Desinfektionsmittel in den permanenten Umlauf gegeben“, fährt der Stadtsprecher fort. Nach etwa zwei Wochen Betrieb seien erneut Proben genommen worden: „Die Keimbelastung fiel niedriger aus, war aber noch immer zu hoch.“

Neue Analyse steht noch aus

„Wenn man den Feind genauer kennt, kann man ihm besser zu Leibe rücken“, werden sich die Verantwortlichen der Stadt gesagt haben. Denn nach der Pannenserie haben sie beschlossen, „eine Typisierung der coliformen Keime“ vorzunehmen, wie Dziedeck mitteilt. Danach soll feststehen, wie groß der Anteil der gemessenen Keime ist, „denen tagtäglich ausgesetzt sind und die keine Erkrankungen hervorrufen“. Das Ergebnis steht noch aus. Noch besteht Hoffnung, dass die Absperrgitter in diesem Jahr noch einmal verschwinden.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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