Böse Buben und BuMika: Was der Lüner Karneval einmal war - und was er noch ist

mlzFünfte Jahreszeit

Es gab Zeiten, zu denen man in Lünen gut Karneval feiern konnte. Rathaussturm, BuMiKa oder die „Bösen Buben“ bleiben in Erinnerung. Wir sagen, wo man auch 2020 in Lünen närrisch sein kann.

Lünen

, 17.02.2020, 17:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung schriebt 1976: „Gemessen an den Hochburgen mag es zwar gerechtfertigt erscheinen, unsere Stadt noch als karnevalistisches Entwicklungsland zu bezeichnen, ein Hauch von Tradition hat sie indessen auch aufzuweisen.“ Damals ging es um den „Bunten Abend im Zeichen des Karnevals“, der damals im Heinz-Hilpert-Theater stattfand.

Zu dieser Zeit gab es außerdem noch einen Rosenmontagsumzug durch die Innenstadt, einen Rathaussturm, vier Lüner Karnevalsvereine und den BuMiKA: Den über Lünens Grenzen hinweg bekannten „Buttermilchkarneval“.

Preis-Maskenbälle waren um 1900 gefragt

Lünen war nie Olfen, Bocholt, Münster oder gar Köln, wo der Karneval das öffentliche Leben lahmlegt. Doch auch hier trieb es einst die Narren durch die Straßen, gab es mehrere Prinzenpaare gleichzeitig, die zu Weiberfastnacht den Rathausschlüssel überreicht bekamen.

Im Stadtarchiv sind Zeitungsanzeigen mit Einladungen zu Preis-Maskenbällen verschiedener Vereine aus dem Jahr 1900 dokumentiert, mehrere Gesangsvereine (zum Beispiel der Sängerbund Lünen oder der Gesangsverein Concordia) luden zu Fastnachtsfeiern ein. „Das waren noch Zeiten“ unterschrieben die Ruhr Nachrichten (11. September 1976) ein altes Foto. „Die Bürgerschützen entpuppten sich um die Jahrhundertwende jedesmal zur Karnevalszeit als zünftige Jecken. Mit abenteuerlichen Uniformen angetan zogen sie durch die Straßen der Stadt.“

2008 konnte Lünens ältester Karnevalsverein „Böse Buben“ auf 60 Jahre Vereinstradition zurückblicken.

Erster Festumzug der Karnevals-Gesellschaft Böse Buben. Erschienen in Ruhr Nachrichten vom 7. Januar 1998, anlässlich des 50. Jubiläums.

Erster Festumzug der Karnevals-Gesellschaft Böse Buben. Erschienen in Ruhr Nachrichten vom 7. Januar 1998, anlässlich des 50. Jubiläums. © Repro/privat

Ein Jahr zuvor hatte „Ohne us geiht nich“ 50 Jahre Bestehen gefeiert.

Karneval ohne Alkohol

1950 begann die Erfolgsgeschichte des BuMiKa, die über 30 Jahre dauern sollte. Statt Alkohol gab es auf dieser Karnevalsparty im Wilkernhaus Buttermilch, Limonade und Milchmixgetränke. 1959 schrieben die Ruhr Nachrichten von 600 feiernden Jugendlichen, 1963 von über 1000. 1969 zog die Veranstaltung in die neu erbaute Rundturnhalle. 1976 war von einer Besucherzahl „wieder erstmals unter 1000“ die Rede, 1979 trat der BuMiKa-Präsident Heinrich-Otto Gresch zurück, 1982 erschien eine Anzeige: „BuMiKa-Tanzgruppe sucht Nachwuchskräfte“. 1991 fand der Buttermilchkarneval mitsamt seinem Jugend-Prinzenpaar und dem Rathaussturm dann nicht mehr statt.

Mit diesem Plakat wurden die jungen Narren 1983 zum Rathaussturm und zum Festival in der Rundturnhalle eingeladen.

Mit diesem Plakat wurden die jungen Narren 1983 zum Rathaussturm und zum Festival in der Rundturnhalle eingeladen. © Rottgardt

„BuMiKa wurde Ende der 80er-Jahre sang-und klanglos zu Grabe betragen“, schrieb Beate Rottgardt in einer Rückschau.

Besuchereinbußen in Lünen-Süd

Ebenso schleichend ging die Beteiligung am Karnevalszug Lünen-Süd zurück. Ins Leben gerufen wurde der Umzug 1989 gemeinsam von der Interessengemeinschaft Lünen-Süd (IGS) und den „Lüner Hofnarren“: 24 Gruppen und 20.000 Schaulustige nahmen im Entstehungsjahr teil. 1997 waren es noch 15.000 Besucher, 2012 knapp 8000; die „Hofnarren“ als Veranstalter sind verschwunden, aber immerhin: Den Umzug gibt es heute noch.

Und die beiden Lüner Karnevalsvereine? Im Herbst 1992 kündigten sie schon an, aus einer Notlage heraus - es fehlte an Räumen und Geld, dazu kam schwindendes Publikumsinteresse - enger zusammen arbeiten zu wollen. 2016 präsentierte „Ohne us geiht nich“ schließlich die letzte jecke Veranstaltung. Auch die „Bösen Buben“ gibt es nicht mehr.

Nun, von Karnevalsgesellschaften ist in Lünen keine Rede mehr, Prinzenpaare gibt es nicht mehr und auch der Rathaussturm wurde 2011 von dem damaligen Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick erstmals abgesagt: „Zu Weiberfastnacht am 3. März wird es in diesem Jahr keine Erstürmung des Lüner Rathauses geben.“ Als Grund nannte er mangelnde Bürgerbeteiligung. Neue Impulse seien nötig.

Hier wird in Lünen gefeiert

Auch wenn die bis heute offensichtlich nicht kamen, wird Jecken in Lünen zur fünften Jahreszeit doch etwas geboten:

  • Den Auftakt macht am Mittwoch, 19. Februar, die Frauengemeinschaft St. Gottfried mit ihrem Frauenkarneval. Ab 17 Uhr wird das bunte Programm im Pfarrheim St. Gottfried, Auf dem Sande 3, von der Theatergruppe gestaltet. Einlass ist um 16 Uhr.
  • Zu Weiberfastnacht (20. Februar) treiben es die Damen der KfD närrisch. Sie laden ins Pfarrheim St. Joseph, In der Geist 1.
    Um den Tag den Frauen zu widmen, gibt es im Haus Bäcker, Bebelstraße 138, ab 19 Uhr und 18 Jahren eine Weiberfastnachtsparty mit Stripper. Karten kosten im Vorverkauf 9, an der Abendkasse 12 Euro.
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