Frische Brötchen werden bei der Bäckerei Kanne täglich gebacken. Die Preise für Brot und Brötchen werden auch hier steigen. © Matthias Stachelhaus
Lebensmittel

Brot und Brötchen werden teurer: „Kostensteigerung auf breiter Palette“

Steigende Kosten bekommen auch Bäcker zu spüren. Viele passen die Preise für Brot und Brötchen an oder planen es. Höhere Preise für Getreide sind dabei nur ein Grund von vielen.

Steigende Preise sind aktuell in vielen Lebensbereichen an der Tagesordnung. Energiepreise, Sprit und Baustoffe, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch für Brot und Brötchen werden Kunden bald – oder schon jetzt – ein bisschen tiefer in die Tasche greifen müssen. Denn die Preissteigerungen am Markt spüren auch Bäcker. Nicht nur wegen steigender Getreidepreise. „Wir erleben gerade eine massive Kostensteigerung auf breiter Palette“, fasst Wilhelm Kanne die Lage zusammen.

„Wir versuchen Preisschwankungen am Markt sonst auszugleichen“, erklärt der Inhaber der Bäckerei Kanne mit 27 Filialen in Lünen und Umgebung. Das werde dieses Jahr nicht gelingen. Energie, Papier, Mehl und auch Kaffee sind teurer geworden. Teils deutlich und aus verschiedenen Gründen. Während beim Papier die Knappheit im asiatischen Markt zu finden seien, ist beim Dinkel – der besonders stark im Preis zugelegt hat – wohl eine gestiegene Verbrauchernachfrage zu sehen. „Wir hatten uns frühzeitig gut eingedeckt, aber nachkaufen kann man zur Zeit eigentlich nicht.“

In Kannes Backstube im Geistwinkel wird täglich Frisches aus dem Ofen geholt.
In Kannes Backstube im Geistwinkel wird täglich Frisches aus dem Ofen geholt. © Kanne © Kanne

Erlebt habe er so eine starke Steigerung bisher noch nicht. Und von Entspannung der Preise, wie nach einer Spitze für Milchprodukte vor einigen Jahren, sei weit und breit nichts zu sehen.

Sensibel mit Preissteigerungen umgehen

Mit Preisanpassungen versuche Kanne sensibel umzugehen, die Basics wie Brötchen möglichst nicht anzufassen. Aber Preiserhöhungen werden kommen. Wann genau das passiert und wie viel mehr Kunden dann bezahlen müssen, sei noch unklar.

Auch in der Bäckerei Kanne werden Kunden bald mehr für das Brötchen bezahlen müssen. Nicht nur wegen gestiegener Getreidepreise. Auch Strom, Sprit und Kaffee kosten deutlich mehr.
Auch in der Bäckerei Kanne werden Kunden bald mehr für das Brötchen bezahlen müssen. Nicht nur wegen gestiegener Getreidepreise. Auch Strom, Sprit und Kaffee kosten deutlich mehr. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

In der Bäckerei Wulf an der Bebelstraße ist das bereits geschehen. „Wir haben relativ viele Preise zum 1. September angehoben“, sagt Inhaber und Bäckermeister Matthias Wulf. So kostet das klassische Brötchen mit 36 Cent seitdem zwei Cent mehr. „Wir sind mit Preiserhöhungen immer sehr vorsichtig. Auch wegen des hohen Konkurrenzdrucks.“ Auch wenn Produkte aus Industrie und Discountern kaum mit denen der Bäcker vergleichbar seien, höhere Preise bemerkten die Kunden schnell. „Auch weil viele bei uns jeden Tag dasselbe kaufen.“ Freuen würden die sich darüber natürlich nicht, aber Verständnis hätten viele schon. Im Schnitt seien die meisten Produkte zwei bis drei Cent teurer geworden.

Dass die Preissteigerung nicht nur etwas mit gestiegenen Rohstoffkosten zu tun haben, erlebt Wulf gerade selbst. Sein Stromversorger hat just den Preis im laufenden Vertrag gekündigt und ein neues Angebot vorgelegt. Es wird teurer werden. Auch Ölpreise machen sich bei der Bäckerei Wulf bemerkbar, der Ofen wird hier mit Diesel betrieben.

Sparen am Personal ist keine Option

Den größten Teil der Kosten für Bäcker machen immer schon die Personalkosten aus. Daran zu rütteln ist für Wulf aber nicht. „Ich bezahle meine Leute nach Tarif. Deshalb ist auch der Mindestlohn für mich uninteressant, da bewegen wir uns nämlich nicht.“

Bäckermeister Matthias Wulf hat die Preise bereits seit 1. September angehoben. Nicht nur bei Brötchen, auch viele andere Produkte kosten jetzt ein paar Cent mehr.
Bäckermeister Matthias Wulf hat die Preise bereits seit 1. September angehoben. Nicht nur bei Brötchen, auch viele andere Produkte kosten jetzt ein paar Cent mehr. © Martina Niehaus (A) © Martina Niehaus (A)

So sieht es auch Wilhelm Kanne. „Wir wollen alle vernünftige Löhne haben.“ Zeitgleich müsse jedes Unternehmen, auch die Bäcker, natürlich wirtschaftlich denken. „Das sollte sich aber nicht auf die Löhne auswirken.“

„Wir sind in Überlegungen, was Preiserhöhungen betrifft“, sagt Büsch-Sprecherin Sigrid Baum. Ein normales Weizenbrötchen kostet aktuell 30 Cent in den Filialen, seit 2018 habe es keine Preiserhöhungen gegeben. Als Grund für die Überlegungen nennt auch sie die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise. „Wir haben das bisher durch eine clevere Einkaufsstrategie ausgleichen können“, sagt Baum.

Auch beim Citybäcker kostet das Brötchen jetzt einen Cent mehr, nämlich 38 Cent. Laut Inhaberin und Geschäftsführerin Hannah Rahenbrock eine normale Preiserhöhung, wie jedes Jahr. Zwanzig Filialen in der Region gehören zu Citybäcker, vier davon in Lünen. „Waren und Transportkosten sind teilweise bis zu 50 Prozent gestiegen.“ Das wirke sich auch auf die Bäcker aus, die ihre Waren regional beziehen. „Wer sonst international einkauft, versucht es jetzt auch regional, dann ziehen die Preise natürlich an.“ Weil man die Qualität der eigenen Produkte aber halten wollen, müssen die Preise jetzt angepasst werden.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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