Stadtverwaltung

Bürgerbüros im Vergleich: Wie steht Lünen da?

Während es in Selm oder Olfen auch zu Coronazeiten nahezu reibungslos klappt, Neubürger zu werden oder einen Reisepass zu beatragen, hakt es in Lünen nach wie vor. Ein Vergleich.
Unterschiedliche Städte, unterschiedliche Vorgehensweisen in der Stadtverwaltung. © Marie Rademacher

Ein Jahr Corona bedeutet ein Jahr eingeschränkte Kontakte. Das gilt entsprechend auch für Ämter wie die Bürgerservices der verschiedenen Städte. Um die Corona-Regeln einhalten zu können kann sich nur um- oder anmelden, einen Personalausweis beantragen oder Kopien beglaubigen lassen, wer vorher einen Termin dafür vereinbart hat. Doch während es in Orten wie Olfen oder Nordkirchen nahezu problemlos läuft, einen solchen zu ergattern, ist es in Selm schon schwieriger und in Lünen wirklich problematisch. Ein Blick über den eigenen städtischen Tellerrand:

Lünen:

In der 89.693-Einwohner- Stadt (Stand: Dez. 2019) sind aktuell 12 Mitarbeiter im Bürgerbüro tätig. Wer in Lünen lediglich einen Personalausweis abholen möchte, dem spuckt das Online-Portal ein zeitnahes Terminangebot aus. Für alle anderen Anliegen jedoch sind „aktuell keine Termine verfügbar“.

Bürger haben jedoch die Möglichkeit jeden Morgen um 8 Uhr und donnerstags um 9 Uhr kurzfristige Termine für den jeweiligen Tag zu bekommen. Die Planung der Stadt läuft für die jeweils kommenden 14 Tage. Jeden Morgen werden die neuen Termine freigeschaltet. Es gebe also keine Wartezeit in dem Sinne, dass man sich bei der Stadt meldet und dann auf eine Terminvergabe warten muss, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt. „Uns ist bewusst, dass das keine optimale Situation ist, insbesondere für berufstätige Bürgerinnen und Bürger, aber derzeit sehen wir keine andere sinnvolle Möglichkeit.“
Termine für einen längeren Zeitraum freizuschalten sei keine Option: „Natürlich wollen wir wieder in eine Terminvergabe mit längerem Vorlauf kommen, um den Bürgerinnen und Bürgern mehr Flexibilität und bessere Planbarkeit zu ermöglichen. Derzeit ist das aber wegen der unvorhersehbaren Entwicklungen der Corona-Pandemie nicht möglich“, erklärt Matthias Bork, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice und Ordnung bei der Stadt Lünen.

Selm

In Selm ist seit dem 8. März die Regelung, dass lediglich dringend notwendige Anliegen bearbeitet werden, aufgehoben.

Dennoch kommt auch hier nur rein, wer einen Termin hat. Für die Belange der 25.925 Selmer sind vier Bürgerbüro-Mitarbeiter zuständig. Die Termine werden für einen Zeitraum von vier Wochen im Voraus vergeben. Auf der Homepage der Stadt ist genau aufgeschlüsselt, wie viel Zeit ein Termin in Anspruch nimmt. So sind Einzeltermine, die nur zehn Minuten dauern, wie zum Beispiel die Verlängerung eines Schwerbehindertenausweises oder die Beantragung einer Meldebescheinigung oder eines Führungszeugnisses buchbar, 15- oder 20-Minuten-Termine, wie Ummeldungen oder die Beantragung eines Reisepasses, aber nicht. Neue Termine für in vier Wochen werden täglich freigeschaltet, berichtet Stadtsprecher Malte Woesmann. Die Freischaltung erfolge automatisch während der Nacht. „Viele Anliegen haben sich während des Notbetriebs angestaut und müssen jetzt erst einmal abgearbeitet werden. Nach dem ersten Lockdown hat das drei bis vier Wochen gedauert, bis die erste Bugwelle bewältigt war“, so Woesmann.



Olfen

Auch in Olfen kommt nur ins Bürgerbüro, wer vorher einen Termin vereinbart hat. Das funktioniert ganz unproblematisch. Für alle Anliegen sind Termine bis in den Juni hinein verfügbar. Zwei Mitarbeiter kümmer sich um die Anliegen der 12.923 Einwohner Olfens.

Nordkirchen

In Nordkirchen gibt es im Gegensatz zu den anderen aufgezählten Städten kein Online-Portal zur Terminvergabe. Trotzdem laufe die Bearbeitung der Bürgeranliegen reibungslos, berichtet Bernd Tönning, Fachbereichsleiter für zentrale Dienste und Finanzen. Wer hier Reisepass oder Anmeldung braucht wendet sich schriftlich per E-Mail an das Amt und bekommt einen zeitnahen Terminvorschlag. „Bei uns gab es noch nie große Wartezeiten“, sagt Tönning. Er vermutet, dass das an dem flexibel einsetzbaren Team liegt. Sieben Mitarbeiter sind für die Bereiche Standesamt, Ordnungsamt und eben Bürgerbüro zuständig. Wenn in einem der Bereiche mehr anfällt, können die Mitarbeiter erst einmal dort eingreifen. 10.111 Einwohner leben in der Gemeinde.

Wann das Bürgerbüro wieder für den Publikumsverkehr öffnet, kann Tönning nicht sagen: „Die Lage ist im Moment so unsicher und unsere Mitarbeiter unterliegen derzeit noch den Arbeitsschutzregelungen, die aktuell noch bis Ende April in Kraft sind. Dann muss man weitersehen.“




Witten

Um Lünen nicht nur in eine Reihe mit kleineren Städten und übersichtlicheren Stadtverwaltungen zu stellen, sei hier noch eine Stadt von vergleichbarer Größe genannt: Witten an der Ruhr mit 96.459 Einwohnern (Stand: Dez. 2019). Im Amt für Bürgerberatung gibt es 23 Vollzeitstellen.

Auch hier werden Termine nur für vier Wochen im Voraus vergeben und sind schnell ausgebucht. Einmal in der Woche (Sonntagabend oder Montagfrüh) werden die neuen Termine vom System freigeschaltet. Abgesagte Termine werden automatisch wieder zur Verfügung gestellt. Die Terminknappheit betrifft aber lediglich das Ausweis- und Meldewesen. Termine für die Ausstellung von Führungszeugnissen, Meldebescheinigungen oder Parkausweisen und auch Anliegen rund um Geburten, Namen und Sterbefälle sind kurz- oder langfristig verfügbar. „Außerdem haben wir einen Fundus an Notfallterminen“, informiert Stadtsprecher Jörg Schäfer. „Am Anfang gab es viele Beschwerden. Daraufhin haben wir die Zeiten und Terminkontingente Schritt für Schritt ausgeweitet.“

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.