Einzelhandel

Bürohaus Brauch in Lünen steht bald leer: Nachmieter dringend gesucht

Wenn Ende Januar das Bürohaus Brauch seinen Standort an der Cappenberger Straße aufgibt, wird das prestigeträchtige Gebäude wohl erst einmal leer stehen. Noch ist kein Nachmieter gefunden.
Ende Januar gibt das Bürohaus Brauch seinen Standort an der Cappenberger Straße 1 auf. © Goldstein

Spezielle Bilderrahmen, aufwändig designte Notizbücher, einzelne Bögen an Briefpapier, ein großes Sortiment Postkarten für jeden Anlass, Porzellan-Spardosen, Kalender und eine immense Auswahl verschiedenster Schreibgeräte.

Dazu gibt es einen Copyshop und eine große Abteilung für Büromaterial. Das ist es, was man 40 Jahre lang im Bürohaus Brauch in der Cappenberger Straße am Rande der Innenstadt im Wesentlichen finden konnte. Zum 31. Januar soll nun aber das traditionsreiche Geschäft geschlossen werden.

„Wir werden ein abgespecktes Sortiment für unseren zweiten Standort in der Laakstraße übernehmen“, kündigt Geschäftsführer Carsten Brauch an. Die Bereiche Papeterie und Geschenkartikel wird es dort nicht mehr geben und von der Schreibgeräte-Abteilung wird nur ein Teil mitgenommen.

Diese Bereiche seien nicht mehr zeitgemäß, sagt Brauch. In der Laakstraße soll der Schwerpunkt dann auf der Präsentation von Büromöbeln und -stühlen, It- und Netzwerktechnik, Kopier- und Drucksystemen sowie dem Copyshop und den Büroartikeln liegen.

Viele Kunden kaufen Online

1980 als altes „Kaiserliches Postamt“ von Horst Brauch erworben, betreibt die Familie das Ladenlokal in den folgenden Jahrzehnten als ein Standbein ihres Unternehmens.

Gestartet waren die Brauchs 1949 mit einem Technikbetrieb für Büromaschinen. „Wir sehen seit längerem, dass auch viele andere Firmen aus unserer Branche mit so einem Sortiment nicht bestehen können“, sagt Carsten Brauch. Das Konsumverhalten habe sich einfach verändert.

Spezielles aus Papier, wie Briefpapier oder aufwändig gestaltete Notizbücher sind kaum noch gefragt.
Spezielles aus Papier, wie Briefpapier oder aufwändig gestaltete Notizbücher sind kaum noch gefragt. © von Bohlen © von Bohlen

Die Ladenlokale machten für die Büroorganisation Brauch GmbH & Co. KG ohnehin nur einen Bruchteil des Umsatzes aus. Das Hauptaugenmerk liege schon seit Jahrzehnten auf dem bundesweiten Vertrieb von gewerblichem Bürobedarf. „Und auch der Privatkunde hat sich entschieden und ist mehr zu den Online-Anbietern abgewandert“, sagt Brauch.

Auch Marion Rabe, die seit Eröffnung des Ladens vor 43 Jahren als Verkäuferin in der Cappenberger Straße 14 die Stellung hielt, beobachtet die Entwicklung schon lange: „Natürlich haben wir ein paar Stammkunden“, erzählt sie, „aber die meisten Leute kommen nur zum Kopieren hier rein. Und wenn sie mal warten müssen und ich ihnen sage, sie könnten sich in der Zeit gerne im Laden umschauen, dann starren sie trotzdem nur auf ihr Handy.“

Seit etwa drei Jahren beobachtet sie das, die Pandemie sei nun das I-Tüpfelchen gewesen. Gemeinsam mit ihrer Bürohaus-Kollegin wird sie im neuen Jahr in die Laakstraße übernommen, dort aber vor allem im Büro tätig sein.

Kein Nachmieter in Aussicht

Geplant war, das Geschäft zum Jahresende zu schließen. Am 31. Januar läuft der Mietvertrag aus. Da nun aber der vorweihnachtliche Lockdown dazwischenkam, wird im Januar noch einmal geöffnet, um den restlichen „Abverkauf“ über die Bühne zu bringen.

Und obwohl Helmut von Bohlen als Immobilienmakler nach eigenen Angaben seit einem guten halben Jahr auf Nachmieter-Suche ist, konnte bisher keiner gefunden werden. „Wir haben zahlreiche Firmen angesprochen“, berichtet Helmut von Bohlen. „Von Mode, über Gastronomie, bis hin zu Büros haben wir Viele angesprochen. Aber trotz intensiver Bemühungen ist im Moment kein Nachmieter in Aussicht. Und das, obwohl das Objekt eine so gute Lage und so gute Sichtbarkeit hat.“

Errichtet im Jahr 1904 beherbergte das Gebäude bis 1973 das „Kaiserliche Postamt“. Unter den bedeutenden Lüner Sehenswürdigkeiten aufgelistet wird das denkmalgeschützte Gebäude als „Sinnbild einer historisch geprägten hoheitsvollen Selbstdarstellung“ beschrieben.

Für die 273 Quadratmeter große Gewerbefläche im Erdgeschoss kann sich von Bohlen übrigens alles vorstellen. Nur dass eine Vergnügungsstätte am Tor zur Innenstadt Einzug hält, sei ausgeschlossen: Hier seien für die Innenstadt bereits alle Lizenzen vergeben.

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