Caritas ist 50: So will der Verband jetzt in die Zukunft starten

mlzInterview zum 50-Jährigen

Mit 50 wirft man einen Blick zurück und schaut auch nach vorne. Der Caritasverband Lünen, Selm, Werne ist 50 geworden. So will der Vorstand Verband und Mitarbeiter in die Zukunft führen.

Lünen, Werne, Selm

, 21.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

1969 war der Caritasverband Lünen ein Ein-Mann-Betrieb. Hans Krämer hatte ihn gegründet - an der Lange Straße war sein Büro. Dass daraus einmal einer der größten Arbeitgeber der Region werden würde, ahnte Krämer natürlich nicht.

Im siebten Jahr leitet Hans-Peter Benstein den Caritasverband für Lünen, Selm und Werne.

Ziemlich genau fünf Jahrzehnte nach der Gründung bezogen er und seine Kollegen das neue Haus der Caritas am südlichen Ende der Fußgängerzone.

Unweit der Adresse, an der 1969 alles begann.

Caritas ist 50: So will der Verband jetzt in die Zukunft starten

Hans Krämer gründete den Caritasverband 1969 und baute ihn über Jahrzehnte auf. © Goldstein

Viele Jahrzehnte war der Verband an der Graf-Adolf-Straße zuhause. Doch das Gebäude (und der Parkplatz) wurden einfach zu klein für die steigende Zahl an Mitarbeitern. Auch immer mehr Aufgaben kamen dazu.

Über die Situation der Caritas heute und die Pläne für morgen sprachen wir mit Vorstand Hans-Peter Benstein (59).

Caritas ist 50: So will der Verband jetzt in die Zukunft starten

Vorstand Hans-Peter Benstein vor dem neuen Caritas-Gebäude am südlichen Ende der Fußgängerzone. Er blickt optimistisch in die Zukunft. © Beate Rottgardt

Wo steht der Caritasverband Lünen, Selm, Werne nach einem halben Jahrhundert in unserer Region?

Mitten in einer tollen Entwicklung. Wir sind regional sehr gut bekannt als wichtiger Wohlfahrtsverband und Arbeitgeber. Nach 50 Jahren steckt die Marke in den Köpfen der Menschen und hat einen sehr guten Ruf. Im Kern verdankt das der Verband dem unermüdlichen Engagement der Mitarbeitenden und der Ehrenamtlichen. Und wir haben ja viele Projekte für die breiteste Zielgruppe, die man sich vorstellen kann - vom Baby bis zum Senioren.

Welche Projekte sind aktuell besonders im Fokus?

Wir haben zwei neue Tagespflegen für Senioren - 16 Plätze in Lünen „Am Christinentor“ und 13 Plätze in Selm-Bork „am Weiher“. Bei beiden haben wir einen eigenen Hol- und Bringdienst, es wird vor Ort gekocht und ein anregendes Programm geboten. Beide bieten ein Ambiente, in dem sich alte Menschen wohlfühlen.

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Die Caritas bietet seit Mai in ihrem Neubau an der Neuberinstraße die Tagespflege "Am Christinentor" mit 16 Plätzen. © Caritas


Die Caritas-Boutique in Lünen-Süd entwickelt sich zu einem Magneten für verschiedene Zielgruppen, wir bauen den Laden zu einem multidisziplinären Quartiersstandort aus, mit Quartiersmanagement, Pflegeberatung oder Hausaufgabenhilfe und Café international.
Caritas ist 50: So will der Verband jetzt in die Zukunft starten

So werden die Zimmer des Caritas Pflegeheim an der Lippe aussehen. Voraussichtlich Anfang 2020 soll das Gebäude bezogen werden. © Kristina Gerstenmaier


Anfang 2020 soll unser neues Seniorenzentrum an der Lippe in der Mersch fertig sein. Neben den 80 stationären Plätzen mit eingestreuten Kurzzeitpflegeplätzen sind auch elf Service-Wohnungen vorgesehen. Es gibt große Gemeinschaftsräume, Friseur, Physio, eine Kapelle und einen großen Garten.
Wir setzen dort modernste Lüftungstechnik ein und bauen nach dem KfW-55-Standard, der möglichst geringen Wärmeverlust verspricht.

Gibt es weitere Pläne, moderne Technik einzusetzen?

Derzeit sind wir in Verhandlung mit einem führenden Bettenhersteller, weil wir innovative Sensorik in Pflegebetten testen und weiterentwickeln wollen. Daten werden dann direkt in die Pflegedokumentation eingespeist, das spart dann den Mitarbeitern viel Zeit. Künftig setzen wir auf E-Mobilität. In der ambulanten Pflege werden wir noch in 2019 acht Elektrofahrzeuge anschaffen. Bei uns kommen jährlich mehr als 1,5 Millionen Kilometer nur im Bereich der drei Städte zusammen. Wenn es gut funktioniert, würden wir den Fuhrpark dann weiter umstellen.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten des Caritasverbandes ein?

Wir entwickeln uns prima, und zwar überall dort, wo wir von den Menschen in unserer Region gebraucht werden. Mittlerweile sind wir in Lünen, Selm und Werne an mehr als 30 Standorten vertreten. Dabei müssen wir die Demografie im Auge behalten, denn in absehbarer Zeit wird man deutlich mehr Kapazitäten in den Bereichen Pflege, Wohnen und Betreuung benötigen. Ergänzend bauen wir Leistungen wie spezielle Reisen oder einen innovativen Hausnotruf weiter aus.
Aber auch unsere Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien passen wir an die aktuellen Erfordernisse an. So gibt es zusätzliche Plätze in den offenen Ganztagsschulen. Projekte wie Familiencafés oder mehr Erreichbarkeit unserer Hilfen in Not vor Ort.

Caritas ist 50: So will der Verband jetzt in die Zukunft starten

In diesem Gebäude an der Graf-Adolf-Straße war der Caritasverband viele Jahre zuhause. Seit Mai ist das neue Gebäude am südlichen Ende der Fußgängerzone das Domizil. © Beate Rottgardt

Was wünschen Sie dem Caritasverband zum Goldenen Jubiläum?

Dass er weiter in Schwung bleibt, wie es aktuell der Fall ist. Dazu brauchen wir Menschen, die mit einer sehr positiven Grundhaltung ihre Arbeit gerne und verlässlich machen. Die dabei aber auch neugierig bleiben, sich weiter entwickeln wollen und bereit sind, erforderliche Veränderungen mitzugehen. Die Mitarbeiter sollten auch keine Angst haben vor Begriffen wie Robotik und Digitalisierung in der Pflege. Ich finde die Diskussion derzeit zu emotionalisiert. Pflege wird auch weiterhin von Menschen betrieben, aber es entwickeln sich Assistenzsysteme, die dem Pflegepersonal helfen, sich auf die eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren und die Arbeit erleichtern.

Wie viele Mitarbeiter hat der Verband heute?

Etwa 550 Festangestellte in Voll- und Teilzeit und 270 ehrenamtlich Beschäftigte.

Sie sprechen von einem besonderen Arbeitsklima. Was verstehen Sie darunter?

Wir als christlicher Verband müssen auch künftig ein Klima schaffen, in dem sich Mitarbeitende und ehrenamtliche Kollegen wohl fühlen können, Freude an ihrer Arbeit haben, sich weiterentwickeln.
Wir müssen als Arbeitgebermarke attraktiv bleiben. Bei uns tragen die Mitarbeiter auch die Verantwortung für ihr Tun und wir wissen, dass das eine wichtige Voraussetzung für Arbeitszufriedenheit ist. Wir investieren in betriebliches Gesundheitswesen, es gibt regelmäßige Mitarbeitergespräche und Befragungen, wir feiern gerne auch gemeinsam. Aber auch, wer gut ist, kann noch besser werden. Wir arbeiten weiter daran, das kann ich versprechen.

Gerade im Bereich Pflege werden schon jetzt, aber auch künftig viele Mitarbeiter benötigt. Gibt es Probleme, freie Stellen zu besetzen?

Im Moment kommen wir noch gut zurecht. Wir bekommen nach wie vor immer wieder gute Bewerbungen - gerade in den Bereichen Erziehung und Pflege. Das hängt meiner Meinung nach auch mit dem Ruf des Caritasverbandes als zukunftsorientierter und verlässlicher Arbeitgeber zusammen. Aus Gesprächen weiß ich, dass andere Sozialunternehmen da bereits heftige Probleme haben, neue Mitarbeiter zu finden.
Aber gerade in der Pflege wird die Luft dünner. Deshalb investieren wir geziellt in Berufsausbildung. Inzwischen bilden wir durchweg mehr als 50 junge Menschen aus. Unterstützt werdem sie in den Betrieben von einer Ausbildungskoordinatorin und extra ausgebildeten Praxisanleitern, die beim Lernen, bei persönlichen Problemen und der Koordinierung der Praxiseinsätze helfen.

Wenn Sie eine Zeitreise unternehmen könnten - in welche Zeit der 50 Jahre Caritasverband würden Sie gerne reisen?

Ganz klar - ich würde in der Gegenwart bleiben. Wir haben tolle Entwicklungsprojekte, eine gute wirtschaftliche Situation, eine prima Mannschaft - das zieht sich durch alle Abteilungen und Betriebe. Und dazu ein Führungsteam, das anpackt. Diese Gegenwart macht mir einen Riesenspaß.

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