Das Archivbild zeigt das Caterpillar-Werk in Lünen-Wethmar. Der Standort wird Ende 2021 dicht gemacht. © Stachelhaus (A)
Verhandlungen

Caterpillar in Lünen: Parteien suchen Lösung für Sterbekasse

Ende 2021 will Caterpillar den Standort Lünen schließen. Zeitgleich soll auch die Sterbekasse beerdigt werden. Über die Konsequenzen für die Betroffenen wird zurzeit verhandelt.

Bei Caterpillar laufen hinter verschlossenen Türen Gespräche zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall über den Umgang mit der Sterbegeldumlage beziehungsweise mit der Sterbekasse. Grund ist ein Schreiben der Geschäftsführung an die Mitglieder dieser Kasse.

In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, teilt das Unternehmen den Adressaten mit, dass die Sterbekasse mit der für Ende 2021 geplanten Stilllegung des Lüner Werkes ebenfalls geschlossen werden soll. Außerdem steht in dem Schreiben, dass das Sterbegeld mit Wirkung vom 1. Januar 2021 an von 1800 Euro auf 1710 Euro sinkt.

Gleichzeitig sollen die Umlageanteile (Beiträge) pro Monat „bei Beschäftigten von 2 Euro auf 2,10 pro Teilnehmer und Sterbefall“ steigen, bei „Nichtbeschäftigten (Rentner etc.) von 12 Euro auf 12,60 Euro pro Teilnehmer“.

Daneben bietet Caterpillar denjenigen, die sich „gegen eine weitere Teilnahme in der Sterbegeldumlage über den 1. Januar 2021 hinaus entscheiden“ an, die beigefügte Kündigung sofort, spätestens aber bis zum 31. Dezember dieses Jahres unterschrieben an die Geschäftsführung zurückzusenden.

Davon rät die IG Metall den etwa 1000 Betroffenen auf jeden Fall ab. „Wenn die Mitglieder jetzt kündigen, sind sie raus – ohne jeden Anspruch, wenn es den gibt“, sagte IG-Metall-Bevollmächtigte Ulrike Hölter (Dortmund) am Dienstag (15. Dezember), kurz nach dem Gespräch mit der Geschäftsführung, gegenüber unserer Redaktion.

Bei dem konstruktiven Dialog, sagte Hölter weiter, sei festgestellt worden, dass „rechtlich nicht klar ist, wer eigentlich für die Kasse verantwortlich ist, sind es die Mitglieder oder ist es Caterpillar?“ Dies wollen IG Metall und Geschäftsführung unabhängig voneinander juristisch prüfen lassen. Anfang Januar sollen die Ergebnisse dann ausgetauscht werden. Dann dürfte auch feststehen, ob die Mitglieder zumindest einen Teil ihrer Beiträge zurückerhalten oder auch nicht.

Was das angeht, da hält sich Hölter bedeckt: Viel Geld sei in der umlagefinanzierten Kasse nicht mehr.

Fest steht auch, dass der Bergbauzulieferer die Sterbekasse in den vergangenen Jahren verwaltet hat.

Ob sich daraus Ansprüche der Mitglieder ableiten lassen, muss geklärt werden. Wobei sich das nicht ganz so einfach gestaltet. Das liegt nach Angaben von Ulrike Hölter nicht zuletzt daran, dass es so gut wie keine Unterlagen zu den „Uraltverträgen“ gibt.

Deutsche Bergbau Technik (DBT)

Diese Verträge stammen vermutlich noch aus Zeiten der Deutschen Bergbau Technik (DBT). Die DBT war eine Tochtergesellschaft der Ruhrkohle AG (RAG), die im Mai 2007 von dem US-amerikanischen Bergbaumaschinen-Herstellers Bucyrus International (Milwaukee, Wisconsin) für 559 Millionen Euro übernommen wurde, der 2011 für 8,6 Milliarden Dollar in Caterpillar aufging.

Sollte sich in den kommenden Wochen herausstellen, dass die Sterbekassen-Mitglieder keinerlei Ansprüche auf Erstattung ihrer gezahlten Beiträge haben, dann könnten sie von einem Sonderkündigungs-Recht profitieren. IG-Metall-Bevollmächtigte Ulrike Hölter: „Das haben wir zumindest von der Geschäftsführung eingefordert.“ Ob Caterpillar darauf eingeht, ist derzeit völlig offen.

Die Pressestelle von Caterpillar in Brüssel machte zur Sache keine Angaben.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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Torsten Storks

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