Chorgestühl der Stiftskirche wird 500 Jahre alt

Festakt

CAPPENBERG Mit einem Festakt ließ man am Samstagnachmittag das Chorgestühl der Cappenberger Stiftskirche hochleben, dessen Baubeginn sich in diesem Jahr zum 500. Mal jährt. Das besondere an diesem Jubiläum war aber die gleichzeitige Vorstellung eines neuen Buches über das Holz-Kunstwerk.

26.10.2009, 16:47 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das angemessene „Ständchen“ brachte das Ensemble Cantilena der Westfälischen Schule für Musik aus Münster. Acht junge Damen sangen a cappella unter der Leitung von Rita Stork-Herbst. Dann wurden die zahlreichen Gäste, die mitten im Chorgestühl Platz gefunden hatten, von Pater Altfried, dem Pfarrer der Stiftskirche begrüßt. Weitere Grußworte kamen vom dem Selmer Bürgermeister Mario Löhr, von Bernhard Schreiter für die Stiftung für Kulturpflege der Sparkasse Lünen und dem Vorsitzenden der Conrad von Soest-Gesellschaft aus Dortmund Thomas Schilp. Nach einer weiteren Musik kam dann Dr. Gerd Dethlefs zu seinem Vortrag über das neue Buch, in dem er zusammen mit Restauratoren, Kunsthistorikern, Historiker und Theologen diesem in Westfalen einmaligen Holzkunstwerk auf den Grund geht.

  Auf knapp 400 Seiten und mit fast 500 Bildern ausgestattet gehen die Autoren den fragen nach, welche Funktion das Chorgestühl erfüllte, nach welchen Vorlagen es gebaut wurde, welche Adelsfamilien dargestellt sind und anderes mehr. Herausgekommen ist bei den intensiven Nachforschungen unter anderem, dass die Holzschnitzereien 1509 von einem Schreiner „Meister Gerlach“ begonnen wurden. Bis zu seiner Fertigstellung 1520 wird die Arbeit auch mit der Familie Brabender verbunden, die als Schnitzer im Raum Unna, also in der unmittelbaren Region zu Hause waren. Schon 1290 begonnen Teile des Chorgestühls in der Stiftskirche sind aber noch beträchtlich älter.

So ist die südliche Rückwand mit rätselhaften Geheimfächern schon um etwa 1290 entstanden und somit das älteste Möbel in Westfalen überhaupt. Das Buch ist als 13. Band in der Reihe Dortmunder Mittelalter-Forschung im Verlag für Regionalgeschichte aus Gütersloh erschienen. Für einen ebenfalls interessanten und spannenden Abschluss der Veranstaltung sorgte Dr. Wingolf Lehnemann, Leiter des Lüner Stadtmuseums und Mitautor, der die Gäste mitnahm auf eine kleine Besichtigungsreise durch das Chorgestühl mit seinen zahllosen Figuren und Schnitzereien.

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