Corona-Gefahr in Lüner Flüchtlingsunterkünften: So beugt die Stadt vor

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Ausbrüche in großen Flüchtlingsunterkünften sind zu Corona-Hotspots in der Republik geworden. In Lünen gab es erst einen Covid-Fall unter Geflüchteten. Die Stadt ist vorbereitet.

Lünen

, 22.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unterbringung in Mehrbettzimmern, kaum Möglichkeiten, auf Abstand zu gehen - wegen dieser schlechten Voraussetzungen hat es in anderen Städten größere Ausbrüche des Coronavirus in Unterkünften für Geflüchtete gegeben. So haben sich zum Beispiel 137 Bewohner einer Unterkunft bei Schweinfurt infiziert, die Unterkunft steht seit acht Wochen unter Quarantäne. In Lünen ist ein solcher größerer Ausbruch bisher ausgeblieben.

„Es gab unter den in Lünen untergebrachten Geflüchteten bisher eine bestätigte Infektion“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt, dazu kämen zwei Verdachtsfälle und vier vorsorgliche Quarantäne-Maßnahmen bei Kontaktpersonen. Die Betroffenen seien nicht in den Gemeinschaftsunterkünften, sondern in Privatwohnungen untergebracht.

Keine Geflüchteten mehr in den „Containern“

Eine der größeren Gemeinschaftsunterkünfte, die „Container“ an der Alstedder Straße, ist Ende April als Flüchtlingsunterkunft aufgegeben worden. In den zwei verbliebenen Gemeinschaftsunterkünften und in Wohngemeinschaften sieht auch die Stadtverwaltung „eine besondere Gefahrensituation in Bezug auf mögliche Ansteckungen“.

Deswegen würden diese Unterkünfte besonders aufmerksam beobachtet, die Stadt hat parallel Quarantänewohnungen vorbereitet, um bei Verdachtsfällen schnell reagieren und Infektionsketten vermeiden zu können. „Dieses Vorgehen hat sich aus unserer Sicht bewährt.“

Die Geflüchteten seien über Hygiene- und Verhaltensregeln informiert worden, es gebe Aushänge in vielen Sprachen. In Verdachtsfällen wisse jeder, was zu tun ist. „Nach unseren Beobachtungen haben sich auch die Geflüchteten gut selbst und gegenseitig geschützt, indem sie die Regeln eingehalten haben“, so Spangardt weiter.

Nur noch vereinzelte Zuweisungen nach Lünen

Derzeit versorgt die Stadt Lünen nach eigenen Angaben 625 Geflüchtete und Wohnungslose, 190 davon in selbst angemieteten Wohnungen. „Die Kapazitäten sind ausreichend“, sagt Spangardt, in den letzten Monaten seien „nur vereinzelt“ Personen nach Lünen zugewiesen worden, „insbesondere zur Familienzusammenführung oder wegen einer Arbeitsaufnahme“.

Langfristig will die Stadt in der Unterbringung von Geflüchteten generell weg von den großen Gemeinschaftsunterkünften und hin zur wohnungsähnlichen Unterkunft. Das hatte der Rat der Stadt schon im Oktober 2016 beschlossen. Neben dem Wohnheim an der Alstedder Straße wird auch die Unterkunft in der alten Feuerwache an der Borker Straße schließen. Der Mietvertrag dort läuft bis Ende August.

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