Mund-Nasen-Masken und Corona-Zahlen begleiten Lünen seit März durch die Pandemie. © Grafik Stachelhaus
Coronavirus

Corona in Lünen: Die Daten zum Verlauf der Pandemie im Jahr 2020

Auch in Lünen beherrschte Corona seit März das Geschehen. Von der ersten Welle über den ruhigen Sommer, bis zum „Lockdown Light“ und dem zweiten harten Lockdown. Ein Überblick über die Zahlen.

Die Corona-Pandemie war das bestimmende Thema des Jahres 2020. Viele hatten gehofft, dass die Zahlen nach dem ersten Lockdown im Frühjahr niedrig bleiben würden, doch mit dem Herbst und den Lockerungen zeigte sich auch in Lünen, dass die Fallzahlen wieder rapide anstiegen. Der „Lockdown-Light“ sollte die Verbreitung eindämmen, das gelang nur zum Teil. Das exponentielle Wachstum wurde zwar gebrochen, die Infektionszahlen stagnierten aber weiterhin auf hohem Niveau.

Diese Entwicklungen lassen sich auch an den gemeldeten Zahlen zum Infektionsgeschehen im Kreis Unna und in Lünen ablesen, die das Gesundheitsamt an Wochentagen im 24-Stunden-Takt veröffentlicht.

Fallzahlen, Gesundete und aktuelle Fälle

Der Blick auf die kumulierten Fallzahlen über den kompletten Verlauf der Pandemie in Lünen sagt zunächst einmal nur bedingt etwas über das aktuelle Infektionsgeschehen aus. Schließlich ist es nichts anderes als ein Aufsummierung aller bisher gemeldeten Fälle in Lünen. Will heißen: Im Optimalfall bleibt die Zahl auf dem Wert des Vortages, wenn keine neuen Fälle mehr gemeldet werden. Der Verlauf zeigt allerdings sehr deutlich, wie viel mehr Fälle in den vergangenen drei Monaten seit Oktober im Verhältnis zu den Monaten von März bis September gemeldet wurden. Seit der ersten gemeldeten Infektion in Lünen am 12. März waren es bis einschließlich 30. September 308 Coronainfektionen. Seit dem ersten Oktober bis einschließlich 28. Dezember kamen 2644 weitere hinzu.

Mit einem Unterschied von etwa 14 Tagen entwickelt sich die Zahl der Gesundeten ähnlich. 2407 Lüner, Stand 28. Dezember, haben ihre Infektion bislang überstanden.

Zahlen der aktuell Infizierten stagnieren seit November

Ein Blick auf die aktuellen Fälle in der Lippestadt zeigt: Das exponentielle Wachstum, das sich über den Oktober hinweg entwickelt hatte, ist zwar im November gestoppt worden, allerdings stagnieren die Werte seitdem auf einem Niveau, das in den Monaten zuvor bislang nicht einmal ansatzweise erreicht wurde. Seit dem 6. Mai meldet der Kreis den Wert der aktiven Fälle und lange Zeit hatte der Höchstwert mit 42 aktuell Infizierten am 12. Mai gelegen.

Mit 50 aktiven Fällen waren es am 5. Oktober schließlich erstmals mehr und seitdem auch nicht mehr weniger. Den Spitzenwert erreichte Lünen bislang über das Wochenende vom 6. bis 7. November mit 659 aktiven Fällen. Danach brechen die Zahlen zunächst etwas ein, weil eine große Zahl Infizierter wieder gesundet war, und stagnierten mit Beginn des „Lockdown Light“ über den November hinweg zwischen etwa 550 und 600 Fällen gleichzeitig. Seit Anfang Dezember ist der Wert erneut einmalig stärker eingebrochen, liegt zwischen etwa 450 und 550 aktiven Fällen.

Das zeigt: Der „Lockdown-Light“ hat zwar die exponentiell wachsenden Infektionen aufgehalten, aber nicht die Infektionsketten unterbrochen. In wie weit der harte Lockdown, in Kraft seit dem 16. Dezember, die Infektionsketten unterbricht, lässt sich anhand der Zahlen in Lünen noch nicht serös beantworten. Denn die Zahlen der aktuellen Fälle zeigen die Ansteckungen vor etwa 10 bis 14 Tagen an. Hier spielen die Inkubationszeit, der Zeitpunkt des Tests und der Zeitraum bis das Testergebnis vorliegt und gemeldet wird eine Rolle.

Um bessere Vergleichbarkeit und etwaige Meldeverzüge und Wochenendtage mit in den Verlauf einzubeziehen, gibt es die 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner. Aus den vorläufigen Werten, die das Gesundheitsamt veröffentlicht, lässt sich der Wert auch für die Stadt Lünen errechnen. Der Verlauf zeigt zuletzt einen deutlichen Abfall über die Weihnachtsfeiertage. Da in dieser Zeit weniger Tests durchgeführt und Meldungen weiterbearbeitet wurden, bleibt abzuwarten, ob sich der Trend fortsetzt.

Mehr Tests gleich mehr Infektionen?

Ein tragendes Argument von Kritikern der Anti-Corona-Maßnahmen war häufig, dass die Vielzahl der Tests für den Anstieg der Coronafälle verantwortlich sei. Ein Blick auf die Zahlen der Menschen, die mit wegen einer Covid-19-Erkrankung stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, zeigt allerdings anderes.

Die Zahlen liegen in diesem Fall nicht für die Stadt Lünen vor, aber auf Kreisebene.

Der Verlauf über das ganze Jahr zeigt deutlich, dass auch die schwereren Verläufe mit dem Anstieg der gemeldeten Infektionen zugenommen haben. Der Höchstwert lag im Laufe der ersten Welle am 13. April noch bei kreisweit 45 Covid-Fällen im Krankenhaus.

Am 28. Oktober waren es mit 54 erstmals mehr und seitdem auch nicht mehr weniger. Am 6. Dezember etwa wurden 166 Menschen mit Covid-19 im Krankenhaus behandelt. Das St.-Marien-Hospital musste Anfang November zwischenzeitlich die Aufnahme weiterer Corona-Patienten stoppen, weil die Kapazitätsgrenze erreicht war.

Auch die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen. Bis einschließlich 26. Oktober waren in Lünen fünf Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Der letzte Fall davor war am 9. Juni gemeldet worden. Seit dem 27. Oktober bis einschließlich 28. Dezember wurden 50 weitere Todesfälle in Lünen gemeldet. Zur Wahrheit gehört auch, dass die überwiegende Zahl der Toten Patienten im hohen Alter waren. Genauere Angeben zum Krankheitsverlauf oder etwaigen Vorerkrankungen macht das Gesundheitsamt nicht.

Einen Lichtblick für das kommende Jahr soll jetzt die Impfung bringen. Die ersten 60 Dosen des kurz vor Weihnachten zugelassenen Impfstoffs von Biontech und Pfizer sind am Sonntag (27.12.) in Lünen verimpft worden. Weitere sollen möglichst bald folgen, doch noch ist der Impfstoff nicht in großen Mengen verfügbar.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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