Corona-Krise in Lünen: Stadt sperrt am 1. Mai Wiese am Cappenberger See

Corona-Krise

Bollerwagen-Romantik, Massen vereint, auf dem Weg zum Cappenberger See. Szenen der vergangenen Jahre, die am 1. Mai ganz normal waren. Aber was ist derzeit schon normal?

Lünen, Selm, Werne

, 25.04.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Szenen wie diese am Cappenberger See am 1. Mai 2018 mit riesigen Ansammlungen von Menschen wird es in diesem Jahr nicht geben. Die Grillwiese wird gesperrt.

Szenen wie diese am Cappenberger See am 1. Mai 2018 mit riesigen Ansammlungen von Menschen wird es in diesem Jahr nicht geben. Die Grillwiese wird gesperrt. © Fröhling (A)

Tausende von meistens jungen Menschen machen sich Jahr für Jahr am 1. Mai auf, um am Cappenberger See eine Riesen-Party zu feiern. Rund 4000 Menschen waren es im vergangenen Jahr, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt auf Anfrage der Redaktion. Nicht nur Lüner, sondern auch Selmer und Werner kamen in Scharen. In diesem Jahr wird das nicht so sein. Wenn das Sicherheitskonzept von Stadt und Polizei greift.

Die Grenze der Ausgelassenheit definiert die Corona-Schutzverordnung. Grundsätzlich sind alle Veranstaltungen verboten. Zusammenkünfte und Versammlungen, wie sie am 1. Mai bisher üblich waren, sind auch untersagt. Dabei und bei den Maigängen sei es quasi unmöglich, das Kontaktverbot und die Abstandsregeln einzuhalten, erklärt der Leiter des Lüner Ordnungsamts, Bernd Wiesner.

Und deshalb greift die Stadt Lünen durch: „Stadt und Polizei werden ein besonderes Augenmerk auf die Grillwiese am Cappenberger See haben“, erklärt Benedikt Spangardt. „Die Wiese wird gesperrt.“

Gelände am Kriegerdenkmal wird gesperrt

Auch an den Wegen, die zum Cappenberger See führen, werde es zumindest an einem Platz besondere Maßnahmen geben: „Das Gelände am Kriegerdenkmal an der Bergkampstraße in Nordlünen wird auch gesperrt.“ In den vergangenen Jahren, so die Erfahrung, hatten sich dort viele Menschen versammelt, um dann weiterzuziehen.

Die Kundgebung zum 1. Mai am Horsmarer See ist abgesagt.

Die Kundgebung zum 1. Mai am Horstmarer See ist abgesagt. © Beuckelmann (A)

Eine weitere Maßnahme der Stadt: „Das Familienfest am Horstmarer See ist abgesagt“, erklärt Benedikt Spangardt. Heißt im Klartext: Auch wenn die Gewerkschaft dort keine Kundgebung abhält, sind Grillen und Picknicken auf den Wiesen am Horstmarer See verboten. „Im Zweifel machen wir von unserem Hausrecht Gebrauch.“

Appell auch an Selmer und Werner

„Wir fordern alle Bürgerinnen und Bürger eindringlich auf, die Regelungen zu respektieren und sich am 1. Mai nicht wie gewohnt in Gruppen auf den Weg zu machen oder irgendwo gemeinsam zu feiern“, sagt Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns. Er befindet sich im Konsens mit seine Amtskollegen in Selm und Werne. Insofern richtet sich sein Appell auch an die Menschen in den Nachbarstädten: „Bleiben Sie in diesem Jahr zu Hause. Es ist auch am 1. Mai nicht akzeptabel, gegen die Regeln zu verstoßen, die uns alle schützen. Jede und jeder von uns trägt nicht nur die Verantwortung für die eigene Gesundheit, sondern auch für die Gesundheit der Mitmenschen.“

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An der direkten Ortsgrenze zu Lünen, in Cappenberg, vollzieht sich Jahr für Jahr der Zug der Feiernden zum Cappenberger See. Selms Bürgermeister Mario Löhr hat gegenüber der Redaktion angekündigt, dass das Ordnungsamt und die Stadt verstärkt die Einhaltung des Kontaktverbots kontrollieren werden. „Wenn es nicht eingehalten wird, wird es nicht bei freundlichen Ansprachen bleiben. Dann werden Ordnungswidrigkeiten- beziehungsweise Bußgelder verhängt.“

Die Stadt Lünen und Polizei kündigen an, am Maifeiertag ebenfalls mit verstärkten Kräften die Einhaltung der Regeln zu überwachen. Die Mitarbeiter werden sich laut Benedikt Spangardt nicht scheuen, den NRW-Bußgeldkatalog anzuwenden. Wer zum Beispiel das Kontaktverbot missachtet, kann mit 200 Euro belangt werden.

Gebot des Respekts beachten

Damit es erst gar nicht dazu kommt, appellieren die Stadtspitzen an die Vernunft und das Gebot des Respekts dem anderen gegenüber. Selms Bürgermeister Mario Löhr hatte in der jüngeren Vergangenheit die Selmer für ihr diszipliniertes Verhalten gelobt. Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir machen bisher die Erfahrung, dass die Menschen in Lünen und Dortmund sich weitgehend an die Regeln halten. Das ist erfreulich und zeugt von Respekt gegenüber den Mitmenschen. Diesen Respekt sollten wir alle auch am 1. Mai zeigen.“

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