Die ersten Geschenkpakete für die Sternen-Aktion des Caritas-Verbandes sind schon abgegeben worden. Weil es dieses Jahr je 400 Sterne in Lünen und Selm gibt, reicht der Lagerplatz bei den beiden Kooperationspartnern nicht aus. © Caritas-Verband
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Corona-Krise: Konkrete Hilfe für Menschen in Armut in Lünen und Selm

Wer arm ist oder von Armut bedroht, dem macht die Corona-Krise noch mehr zu schaffen. Diese Erfahrung macht Margret Banken vom Caritasverband immer wieder. Aber es gibt Hilfen.

Einkommen fallen weg oder sind viel geringer als sonst – die Zahl der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze liegen, wächst stattdessen. Auch sie sind Opfer der Corona-Krise. Dass Armut ein immer größeres Problem ist, spürt Margret Banken, Bereichsleitung des Caritas-Verbandes Lünen-Selm-Werne, an vielen Stellen ihrer Arbeit. Und die verdeckte Armut wächst wohl noch.

So hat die Caritas-Boutique an der Jägerstraße in Lünen-Süd derzeit deutlich mehr Zulauf. Das Angebot an Damen-, Herren- und Kinderkleidung zu moderaten Preisen kommt an. Nicht nur bei Menschen, die auf Nachhaltigkeit setzen und deshalb das Second-Hand-Konzept des Ladens schätzen. Banken: „Derzeit werden vor allem Winterjacken und -mäntel gekauft.“ Und ganz nebenbei erzählen die Kunden auch von ihren Sorgen.

Geflüchtete Frauen in Arbeit vermitteln

Die Boutique bietet aber auch niederschwellige Quartiersarbeit. Dank einer Spende konnte die Hausaufgabenhilfe Tablets kaufen, die gerade installiert werden. Damit künftig online Nachhilfe von Ehrenamtlichen gegeben werden kann. Auch die Deutsch-Lesestunde in den Weihnachtsferien soll so online laufen.

Seit wenigen Wochen gibt es das Projekt „Brücken bauen“ in Lünen-Süd, dass das Ziel hat, geflüchtete Frauen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Denn oft gibt es sprachliche Probleme. So hat eine Geflüchtete, die einen Job im Supermarkt gefunden hatte, die Stelle wieder verloren, weil sie die deutschen Namen von exotischen Früchten nicht kannte. Banken: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Frauen zu begleiten und sie dann in Ausbildungs- und Arbeitsstellen zu vermitteln.“ Eine Geflüchtete wurde bereits zu einem Pflegedienst vermittelt, zwei weitere in Praktika. Eine Lehrerin gibt Einzelnachhilfe für die Frauen, die den Sprachschein B nachholen müssen. Und es gibt Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen oder Problemen mit Behörden.

Zwangspause für „pädagogisches Reiten“

Kinder aus Familien, die unter Armut leiden, stehen besonders im Fokus. So startete im Sommer 2019 das Projekt „pädagogisches Reiten“ in Zusammenarbeit mit einer Diplom-Pädagogin in Vinnum. Dabei reiten die Kinder nicht nur, sondern kümmern sich auch um die Pflege der Pferde. Banken: „Die Kollegen sind begeistert, wie die Kinder an ihren Aufgaben gewachsen sind.“ Leider hat das Projekt derzeit jedoch Zwangspause wegen Corona.

Bei der Arbeit mit den Familien wurde deutlich, dass einige Kinder schon mit gebrauchten Taschen zur Schule gehen müssen. Dank der Unterstützung von Apotheker Brüning konnten 34 neue Taschen gekauft werden. „Wenn die Kinder am ersten Schultag schon mit alten gebrauchten Taschen in die Klasse kommen, haben sie gleich einen Stempel weg.“

Viele Familien haben Probleme mit Homeschooling im ersten Lockdown. Besonders aber Familien, die unter die Armutsgrenze fallen. So war es beispielsweise für eine Familie mit mehreren Kindern, die alle zu verschiedenen Schulen gehen, unmöglich, Online-Unterricht zuhause zu realisieren.

Weihnachts-Wünsche von Kindern erfüllen

Weihnachten ist das Fest der Liebe – und der Geschenke. Doch in einigen Familien in Lünen und Selm haben die Eltern einfach nicht die Mittel, um ihren Kindern Wünsche zu erfüllen. Damit es für die Mädchen und Jungen dieser Familien trotzdem ein schönes Weihnachten wird, gibt es die „Sterne“-Aktion des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne.

Seit zehn Jahren werden in Lünen und seit drei Jahren in Selm Kinderwünsche Wirklichkeit. Weil sich Menschen einen oder mehrere Sterne von den Bäumen „pflücken“, die in zwei Spielzeug-Geschäften stehen. Auf den Sternen stehen Wünsche von Kindern, die ihnen ihre Eltern nicht erfüllen können. Weil sie das Geld dazu nicht haben.

In diesem Jahr sind jeweils 400 Sterne in Lünen bei Spielwaren Blomenkemper und in Selm bei „Spielen und Träumen Sandmann“ zu finden. Viele sind schon abgeholt und gegen liebevoll verpackte Geschenke eingetauscht worden.

„Wir haben mittlerweile in beiden Städten ein Geschenkelager eingerichtet, weil der Platz in den Spielwarengeschäften nicht mehr ausreicht“, so Margret Banken. In Selm stellte beispielsweise Malte Bock, Inhaber des „Selmer Hofs“ dort Platz zur Verfügung. In den Gastro-Räumen werden jetzt die Pakete gelagert und von dort aus auch zu den Familien gebracht.

Eltern bedanken sich für Aktion

Die Mitarbeiterinnen der Caritas kennen die Familien und Kinder, deren Wünsche auf den Sternen stehen. In diesem Jahr hat in beiden Städten auch die Flüchtlingshilfe zu der Liste der Teilnehmer beigetragen. Auch die Hausaufgabenhilfe der Caritas-Boutique und die Ogatas in Lünen, die die Caritas betreibt, haben Kinder nach ihren Wünschen gefragt. Banken: „In Selm arbeiten wir mit dem Verein ,Ganz Selm` zusammen.“ Auch die 50 Kinder, die die sozial-pädagogische Familienhilfe im Auftrag der Jugendämter betreut, durften sich etwas für die Sterne-Aktion wünschen.

Es ist kein Einzelfall, dass sich die Familien bei der Abgabe der Päckchen nicht nur bedanken, sondern auch sagen, dass es das einzige Geschenk ist, das die Kinder zu Weihnachten bekommen. Weil die Familien einfach nicht das Geld haben, um ein Geschenk zu kaufen. Auch in diesem Jahr laufe die Aktion wieder gut, freut sich Margret Banken. Das zeigen die vielen Pakete, die bereits abgegeben wurden.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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