Corona-Verdacht in Lüner Seniorenheim: Verschiedene Angaben zur Zahl der Betroffenen

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Dass es im Caritas-Altenzentrum St. Norbert mehrere Corona-Verdachtsfälle gibt, bestreitet niemand. Allerdings weichen die Zahlen des Trägers und des Kreises voneinander ab.

Nordlünen

, 27.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Tag nach unserer Berichterstattung über die neun Corona-Verdachtsfälle im Caritas-Altenzentrum St. Norbert im Lüner Norden hat sich die Heimleitung über einen Caritas-Sprecher am Freitag (27.3) auf Nachfrage unserer Redaktion sowohl schriftlich als auch mündlich zur Sache geäußert.

Und dabei völlig andere Angaben zur Zahl der Verdachtsfälle gemacht als der Kreis Unna tags zuvor: Eine Kreissprecherin hatte Donnerstag (26.3.) Informationen dieser Redaktion bestätigt, dass bei acht Heimbewohnern Abstriche gemacht wurden. Ob eine weitere Person, ein weiterer Verdachtsfall, ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wollte die Sprecherin weder bestätigen noch dementieren.

Verspätete Bestätigung

Die Bestätigung dafür lieferte sie am Freitag mit einem knappen „Ja“ nach. Außerdem erklärte die Sprecherin, dass es sich nicht um neun, sondern um 10 Verdachtsfälle handele, von denen einer im Krankenhaus behandelt werde.

Von diesen zehn Verdachtsfällen wollte der Caritasverband Lünen-Selm-Werne, der das Altenzentrum betreibt, trotz mehrfacher Nachfrage am Freitag nichts wissen.

Wie der Verbandssprecher sagte, seien Donnerstag bei sechs Bewohnern Abstriche gemacht worden. Einer davon habe sich auf eigenen Wunsch zur stationären Behandlung ins Krankenhaus einliefern lassen. Nach Informationen unserer Redaktion ins St.-Marien-Hospital Lünen.

Das ist laut Caritas passiert

Laut Pressemitteilung spielte sich das Ganze so ab: „Sechs Bewohner des Caritas Altenzentrums St. Norbert klagten am vergangenen Donnerstag (26.03.) über Erkältungsbeschwerden. Da derzeit immer der Verdacht auf eine Infizierung mit dem Corona-Virus besteht, informierte die Einrichtungsleitung umgehend die behandelnden Ärzte. Vorsorglich wurde daraufhin das Kreisgesundheitsamt Unna hinzugezogen und bei den Bewohnern Abstriche vorgenommen. Ein Bewohner ist - auf eigenen Wunsch - ins Krankenhaus gebracht worden. Ihm und den anderen getesteten Senioren geht es nach der Nacht soweit gut.“

Das sagt die Heimleitung

In der Pressemitteilung wird auch Heimleiterin Ute Holtermann wie folgt zitiert: „Seit Bekanntwerden des Corona-Virus in Deutschland haben wir unsere Vorsichtsmaßnahmen hochgefahren. So, wie wir schon seit langem Zutrittsverbote in unserem Haus umsetzen, behandeln wir jetzt auch diese Verdachtsfälle mit größter Vorsicht.“

Besonders gehe es natürlich darum, die Bewohner und die Mitarbeiter zu schützen, wird Holtermann weiter zitiert: „Die betroffenen Räume in der Einrichtung sind isoliert. Ein Maßnahmenplan wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt abgesprochen und wird umgesetzt. Die Mitarbeiter des Altenzentrums stehen in engem Kontakt mit den Angehörigen der Bewohner.“

Plan laut Robert-Koch-Institut

Zu diesem Maßnahmenplan sagte die Kreissprecherin auf Nachfrage: „Wie vorzugehen ist, hat das Robert-Koch-Institut festgelegt. Bisher wurde nach dem mit dem Kreis-Gesundheitsamt koordinierten Hygieneplan agiert.“

Sowohl der Caritassprecher als auch die Kreissprecherin gaben an, dass das Altenzentrum über ausreichend Schutzausrüstung für das Pflegepersonal verfügt. Noch am Donnerstag hatte die Lüner Feuerwehr nach Angaben von Frank Knoll, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Lünen, mitgeholfen, das Pflegepersonal mit Schutzausrüstung auszustatten.

Dazu sagte der Caritassprecher am Freitag, dass genügend Masken und weitere Schutzausrüstung für das Pflegepersonal vorhanden seien. Die Frage, wie viele Pflegekräfte in der Einrichtung arbeiten, beantworte er so: „Die Einrichtungsleitung stimmt sich aktuell über den Personaleinsatz eng mit dem Gesundheitsamt ab. Wir haben uns der Situation angepasst und ausreichend Mitarbeiter sind im Einsatz. So wurden beispielsweise die Nachtwachen aufgestockt.“ Die Zahl der Bewohner gab er mit 120 an.

Zur Ausstattung des Pflegepersonals mit Schutzmaterialien erklärte die Kreissprecherin: „Die Einrichtung verfügt über verschiedenste Schutzausrüstung (Schutzkittel, Einmalhandschuhe sowie Mund-Nasen-Schutz). Masken, die sich als Virenschutz eignen, wurden gestern (Donnerstag, Anm. d. Red.) von der Feuerwehr überlassen. Am heutigen Morgen erfolgte eine Ausstattung seitens des Kreises.“

Und wann ist mit den Testergebnissen zu rechnen? „So schnell wie möglich“, sagte die Kreissprecherin. „Die Ergebnisse der Abstriche werden frühestens am späten Freitagnachmittag erwartet“, sagte der Caritas-Sprecher.

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