Ein jüdischer Arzt hat einem Patienten mit Nazi-Tattoos das Leben gerettet. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Corona-Pandemie

Coronafälle in Lünen: Steigende Zahl der Intensivpatienten erschreckt

Das St.-Marien-Hospital Lünen verzeichnet wieder mehr stationäre Covid-Patienten. Die meisten von ihnen sind jung, ungeimpft - und werden auf der Intensivstation beatmet.

Seit Ende Juli schnellt die Zahl der Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen in die Höhe. Vor wenigen Tagen stieg die Zahl zum ersten Mal seit Mitte Juni wieder auf über 1.000 an. Knapp die Hälfte, 485 von ihnen, mussten beatmet werden. Eine Entwicklung, die auch in Lünen spürbar ist.

Über Luftröhrenschnitt beatmet

Fünf Covid-Patienten befinden sich am Donnerstag (02.09.) im Marienhospital Lünen in stationärer Behandlung. Drei von ihnen liegen auf der Intensivstation und werden über Luftröhrenschnitt beatmet, wie Dr. Berthold Lenfers, Klinikdirektor und Leiter des Covid-19-Koordinationsstabes am Klinikum Lünen/Werne, erklärt. Keiner der betroffenen Patienten ist geimpft.

Vor allem Jüngere betroffen

Während im Juli noch vier Corona-Patienten stationär im Klinikum behandelt wurden, waren es im August schon 24. Auch für den laufenden Monat ist ein weiterer Anstieg zu erwarten. “Es wird jedoch nicht so schlimm werden, wie letztes Jahr.”, so Lenfers. Denn einen entscheidenden Unterschied gebe es: Jetzt seien vor allem Jüngere von der Krankheit betroffen – und die haben erfahrungsgemäß weniger schwere Verläufe.

Dennoch sei der Anteil von Intensivpatienten an der Gesamtzahl der stationären Covid-Patienten deutlich gewachsen. Während vorher im Schnitt jeder Zehnte auf der Intensivstation behandelt werden musste, ist es aktuell schon mehr als jeder Zweite.

Auch in den Krankenhäusern von Klinikum Westfalen, zu denen auch die Klinik am Park in Brambauer gehört, war zuletzt ein deutlicher Anstieg an Covid-Patienten zu verzeichnen, wie Klinik-Sprecher Klaus-Peter Wolter erklärt. In der Klinik am Park selbst hätte es jedoch nur wenige Einzelfälle gegeben. In den Monaten zuvor wären zum Teil gar keine Corona-Patienten mehr in den Kliniken betreut worden.

“Pandemie der Ungeimpften”

Wir erleben eine “Pandemie der Ungeimpften” – so formulierte es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn noch in der vergangenen Woche. Eine Einschätzung, der Lenfers deutlich zustimmt: Von allen 34 Covid-Patienten, die im St. Marien Hospital seit Juli stationär behandelt wurden, sei nur eine Patientin vollständig geimpft gewesen – mit dem Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson.

Auch wenn die Zahlen noch weiter steigen, sei das Klinikum darauf vorbereitet, so Lenfers. Eine höhere Auslastung der Intensivstation mit Corona-Patienten bringe aber immer Einschränkungen in anderen Bereichen mit sich. Die Betreuung der Corona-Intensivpatienten sei sehr zeitaufwendig. “Und Zeit heißt Personal”, erklärt Lenfers.

Genug Geräte, doch Personal fehlt

“Geräte haben wir genug, aber Personal fehlt mitunter.” Wenn die Zahl der Covid-Patienten also weiter steigt, kann es passieren, dass Personal von der regulären Intensivstation abgezogen werden muss. Was wiederum dort zu Versorgungsengpässen führt: “Dann kann es passieren, dass Patienten hier in Lünen, die dringend intensivmedizinisch betreut werden müssen, nicht in unsere Klinik gebracht werden können.” Eine bittere Situation, die so in der Vergangenheit aber schon häufiger vorgekommen sei.

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