Im „Haus der kleinen Racker" in Lünen wurde die Kita-App „Stramplerbande" getestet. Vanessa Neubert (l) und Kita-Leiterin Ute Fleischmann von der Awo sehen sie als absoluten Gewinn für Eltern und Kita-Mitarbeiter. © Matthias Stachelhaus
Kinderbetreuung

Coronafall aufs Handy: Kita-Träger im Kreis Unna schickt Pushs in fast 50 Sprachen

Die App „Stramplerbande“ hilft Kitas bei der Elternkommunikation. Inklusive Übersetzung in fast 50 Sprachen. Eine Lüner Einrichtung der Awo gehörte zu den ersten Testern.

Schneller und vor allem unkomplizierter Kontakt zu Kita-Eltern ist nicht erst seit der Corona-Pandemie wichtig. Im vergangenen Jahr zeigte die Kita-App „Stramplerbande“ ihre Stärken aber auch dort, weiß Ute Fleischmann, Leiterin der Awo-Kita „Haus der kleinen Racker“ in Alstedde. Bei einem Corona-Fall in einer Kita etwa: „Wir müssen dann ganz schnell mit den Eltern kommunizieren, was das für die einzelnen Gruppen heißt und was nun zu tun ist.“

Statt Telefonketten oder E-Mails können Fleischmann und ihr Team die Eltern komfortabel per App informieren. Falls nötig inklusive einer Push-Nachricht. Möglich macht das die Kita-App „Stramplerbande“, die die Awo Ruhr-Lippe-Ems seit Anfang 2020, also noch vor Beginn der Pandemie, in vier Kitas getestet hat. Das Familienzentrum in Lünen ist eine davon.

Datenschutz und Übersetzung in 50 Sprachen

Von einzelnen Gruppen in den Kitas bis zum Förderverein gibt es für alles einen eigenen Bereich. Die Struktur erinnert dabei an soziale Medien wie Facebook. Egal ob Infobeiträge, Fotos und Videos für die Eltern oder die Planung des nächsten Sommerfests (sofern Corona es erlaubt), all das ist möglich. Ein wichtiger Unterschied: „Wir legen viel Wert auf Datenschutz“, erklärt Sebastian Kopp, der die App „Stramplerbande“ gegründet und entwickelt hat.

Nachrichten können in der App „Stramplerbande
Nachrichten können in der App „Stramplerbande” direkt in fast 50 verschiedene Sprachen übersetzt werden. In diesem Beispiel auf Hindi. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Nur Mitarbeiter und Eltern der jeweiligen Kita haben Zugriff auf die Daten der eigenen Kita. Verarbeitet werden die in einem deutschen Rechenzentrum, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert ist. Jede Kita stelle dabei ein geschlossenes System dar. Das im Übrigen auch am Computer über den Internetbrowser aufgerufen werden kann.

Für Fleischmann und ihr Team hat die App aber einen weiteren Vorteil: Alle Nachrichten werden über eine Übersetzungssoftware in fast 50 verschiedene Sprachen übersetzt. „Allein hier in Lünen haben wir fast 20 verschiedene Sprachen“, erläutert Fleischmann. Auch vietnamesisch oder griechisch gehören mit dazu.

Während der Pandemie war die App eine große Hilfe. Aber auch im Alltag bietet sie viele Vorteile, wie etwa eine Übersetzungsfunktion, erklären Ute Fleischmann (l), Viktoria Neubert und App-Entwickler Sebastian Kopp.
Während der Pandemie war die App eine große Hilfe. Aber auch im Alltag bietet sie viele Vorteile, wie etwa eine Übersetzungsfunktion, erklären Ute Fleischmann (l), Viktoria Neubert und App-Entwickler Sebastian Kopp. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Die Kontaktaufnahme war in diesen und anderen Fällen oft schwierig. „Das hat sich seitdem völlig verändert. Wir bekommen jetzt auch Rückmeldungen von Eltern, die sich aufgrund der Sprachbarriere vorher zurückgehalten haben“, so Fleischmann weiter. Teilweise werde die App auch im direkten Gespräch genutzt, weil die Übersetzungsfunktion die Kommunikation so viel leichter mache. Auch bei dieser Funktion wird in der Datenverarbeitung auf ein deutsches System zurückgegriffen, wie Kopp ergänzt.

„Stramplerbande“ für alle -Kitas

Sein Schlüsselerlebnis und die Idee zur App hatte der Vater, als er vor fünf Jahren die eigene Tochter zur Kita brachte. Ohne ihr Gummistiefel mitzugeben, weil er einen Aushang nicht gelesen hatte. Da stand für ihn fest: „Diese Informationen müssen doch auch einfacher und schneller kommuniziert werden können. Und zwar für alle.“

Auf dem Handy stehen alle Infos aus der Kita in einer App parat.
Auf dem Handy stehen alle Infos aus der Kita in einer App parat. © Awo © Awo

Die Verwendung sei für die Eltern allerdings eine vollkommen freiwillige Ergänzung, erklärt Vanessa Neubert, die bei der Awo Ruhr-Lippe-Ems als Fachberaterin für die Sprachförderung und Digitalisierung der pädagogischen Arbeit in den Kitas zuständig ist. Dennoch auch ein Signal: „Durch die Möglichkeit, in ihrer eigenen Sprache mit uns zu kommunizieren, zeigen wir Wertschätzung und bringen so neue Interaktionsmöglichkeiten mit der Kita ins Spiel.“

Der Test, auch im „Haus der kleinen Racker“ hat überzeugt. Deshalb wird „Stramplerbande“ jetzt nach und nach in allen 55 Kitas der Awo Ruhr-Lippe-Ems ausgerollt. Jedes Team kann dabei selbst entscheiden, ab wann und wie stark es die App benutzen möchte. In Lünen haben Fleischmann und ihr Team ein klares Fazit: „Die App ist ein absoluter Gewinn für unsere Arbeit.“

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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