Die Wucht der zweiten Welle zeigt sich anhand der Aktiven Infizierungszahlen in Lünen deutlich. © Montage: Sauerland
Coronavirus

Coronavirus in Lünen: Die Wucht der zweiten Welle in Grafiken

Was hat der Lockdown light gebracht im November - speziell in Lünen? Das - und wie massiv die zweite Welle ist - zeigen unsere Grafiken mit den Daten zur Pandemie.

Der Plan von Bund und Ländern war eigentlich ganz einfach: Alle sollten im November ihre Kontakte auf ein Minimum reduzieren, um dann im Dezember unbeschwert Weihnachten feiern zu können. Ganz so gut wie erhofft hat der Plan allerdings bisher nicht funktioniert. Angesichts der immer noch hohen Neuinfektionen und der hohen Todeszahlen steht aktuell ein noch schärferer Lockdown noch vor Weihnachten auf dem Plan.

„Die Infektionszahlen stagnieren auf einem hohen Niveau. Der erhoffte deutliche Rückgang der Zahlen ist bisher ausgeblieben“, sagt dazu Max Rolke, Sprecher beim Kreis Unna. Zwar hätten die Maßnahmen der Landesregierung zumindest den exponentiellen Anstieg der Fallzahlen gebremst. „Fakt ist aber: Die Zahlen sind nach wie vor zu hoch. Es stecken sich im Kreis Unna immer noch – wie auch in ganz NRW – zu viele Menschen neu mit dem Coronavirus an“, sagt Rolke.

Innerhalb von zwei Monaten haben sich die Zahlen verachtfacht

Exponentieller Anstieg ist ganz vereinfacht gesagt ein mathematisches Modell, in dem sich ein Faktor in einem Zeitschritt immer wieder verdoppelt. Ein Beispiel: Eine Person steckt in einer Woche eine weitere Person an, in der darauf folgenden Woche gibt es vier infizierte Personen, danach acht, dann 16 und so weiter. Dieser Verlauf wird durch eine Kurve gekennzeichnet, die immer steiler nach oben verläuft.

Beispiel Lünen: Während es am 16. Oktober, also vor gut zwei Monaten, gerade einmal insgesamt 300 Infizierte seit dem ersten Auftreten des Coronavirus gab, sind es am Mittwoch, 9. Dezember, schon mehr als 2500. Damit liegt die Zahl der Gesamtinfizierten mehr als achtmal so hoch wie vor zwei Monaten. Am 10. Dezember gibt es in Lünen 473 Menschen, die als aktiv infiziert gelten. Das bedeutet, es gibt 173 mehr Menschen, die gleichzeitig infiziert sind, als es vor zwei Monaten im gesamten Verlauf der Pandemie überhaupt an Infizierte gegeben hat.

Besonders in der Grafik der aktiv Infizierten lässt sich der steile exponentielle Verlauf der Kurve ab Ende September gut beobachten. Der erste Anstieg aus dem Frühjahr wirkt damit vergleichsweise harmlos. Aber: Hier lässt sich ebenfalls beobachten, dass der Anstieg tatsächlich zu einem Halt gekommen ist – sogar wieder nach unten geht. Den Höchstpunkt hat die Kurve am 7. und 8. November, also eine Woche nachdem der Lockdown light in Kraft getreten ist. Zu diesem Zeitpunkt gibt es 659 aktive Corona-Fälle in Lünen, danach sinkt die Gesamtzahl leicht. Erst seit dem Wochenende, 5. und 6. Dezember, sinkt sie etwas deutlicher – befindet sich aber immer noch auf einem hohen Niveau. Deutschlandweit ist das anders – das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet in seinem Lagebericht vom 10. Dezember von einem deutlichen Anstieg, der seit dem 4. Dezember wieder zu beobachten sei.

Die Situation in Lünen wird auch durch die Anzahl der Quarantäne-Bescheide widergespiegelt. Vom 3. November bis zum 8. Dezember hat die Stadt insgesamt 6018 Quarantäneanordnungen bearbeitet, wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt sagt. Allein Anfang November, also als es die meisten aktiven Corona-Fälle in Lünen gab, hatte die Stadt innerhalb von wenigen Tagen 1000 Quarantäne-Anordnungen verschickt. Das Ordnungsamt war damals so überlastet, dass Mitarbeitende aus anderen Bereichen abgezogen werden mussten.

Zwischen Lünen und dem gesamten Kreis lassen sich zudem Unterschiede erkennen. Während Lünen die bisher meisten aktiven Fälle nach der ersten Novemberwoche hatte, kommt es kreisweit zu einem kurzen Absinken der Fälle, den Hochpunkt der Kurve erreicht der Kreis aber erst am Nikolauswochenende, 5. und 6. Dezember. Zu diesem Zeitpunkt gibt es im Kreis fast 2000 aktive Fälle (1944 um genau zu sein). Erst danach kommt es zu einem Absinken der Kurve – aber auch das fällt bisher nicht deutlich aus.

Ein deutlicher Zusammenhang mit dem Verlauf der aktiven Fälle lässt sich auch bei den Todesfällen beobachten. Während zu Zeiten der ersten Corona-Welle im März stetig neue Corona-Fälle hinzukommen, gibt es zwischen dem 14. April und dem 26. Oktober nur einen einzigen Todesfall in Lünen. Am 26. Oktober gibt es gerade einmal fünf Corona-Todesfälle in Lünen – am 10. Dezember sind es dagegen schon 29.

Dafür gibt es auch einen Grund, wie das RKI in seinem Situationsbericht schreibt: „Seit Anfang September nimmt der Anteil älterer Personen unter den Covid-19-Fällen wieder zu“, heißt es darin. Während der Anteil der Infizierten bei der jüngeren Bevölkerung abnehme oder stagniere, liege die 7-Tage-Inzidenz bei Personen über 60 Jahre aktuell bei 138 Fällen/100.000 Einwohner. In NRW starben laut RKI bislang insgesamt 4226 Personen in Zusammenhang mit Corona, das sind 23,5 Personen je 100.000 Einwohner.

Das RKI ruft daher dazu auf, weiterhin Kontakte zu reduzieren. So tut es auch der Kreis Unna: Es gilt weiterhin „der Appell an Bürgerinnen und Bürger, sich an die Maßnahmen zu halten und die sozialen Kontakte einzuschränken“, sagt Kreissprecher Rolke.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder
Freie Mitarbeiterin
Geboren und aufgewachsen im Sauerland, dort erste Erfahrungen im Lokaljournalismus gesammelt und für das Journalistik-Studium schließlich nach Dortmund gezogen. Dem Lokaljournalismus weiterhin treu geblieben, schreibe ich hier über alles, was in Lünen und Umgebung so los ist.
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